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Kein 08/15 für Landsweiler-Reden
Nackter Asphalt ein Atmosphäre-Killer

Der Landesbetrieb für Straßenbau plant, die Kreisstraße L 129 vom Verkehrskreisel Sinnerthal bis zur Ampelkreuzung „Stuppis Eck“ in Landsweiler-Reden von Grund auf zu sanieren. Auf Wunsch der Gemeinde Schiffweiler soll dabei auch das Ortsbild verbessert werden.
Der Landesbetrieb für Straßenbau plant, die Kreisstraße L 129 vom Verkehrskreisel Sinnerthal bis zur Ampelkreuzung „Stuppis Eck“ in Landsweiler-Reden von Grund auf zu sanieren. Auf Wunsch der Gemeinde Schiffweiler soll dabei auch das Ortsbild verbessert werden. FOTO: Heike Jungmann
Schiffweiler. Die Gemeinde Schiffweiler will die Sanierung der L 129 zur Verbesserung des Ortsbildes nutzen. Von Heike Jungmann

„Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Die deutsche Handball-Nationalmannschaft ergriff – der WM-Song der Höhner wurde Programm – im Januar 2007 die Chance, im eigenen Land Weltmeister zu werden. Die Gunst der Stunde will auch Schiffweilers Bürgermeister Markus Fuchs (SPD) nutzen. „Jetzt haben wir die Möglichkeit, etwas zu verbessern am nicht unbedingt einladenden Entree der Gemeinde.“ Die Chance bietet das Vorhaben des Landesbetriebs für Straßenbau (LfS), die Kreisstraße L 129 vom Verkehrskreisel Sinnerthal (Neunkircher Bann) bis zur Ampelkreuzung „Stuppis Eck“ in Landsweiler-Reden von Grund auf zu sanieren.


Der Bau war ursprünglich bereits für die Jahre 2018/2019 geplant. Allerdings als reine Sanierung, quasi „08/15“, wie es der Schiffweiler Verwaltungschef formuliert. Das könne nicht im Sinne der Gemeinde sein, in der das Thema optische Verbesserung des Ortsbildes mehr Gewicht erhalten soll. 200 000 Besucher kommen schließlich pro Jahr nach Landsweiler-Reden, wollen die Bergmannsalm oder Gondwana besichtigen und fahren auf ihrem Weg durch die Kreisstraße. Dem Schiffweiler Ortsteil kommt aufgrund seiner touristischen Anziehungskraft eine besondere Bedeutung zu.

Damit die Besucher nicht fragen, „wo bin ich denn hier gelandet?“ (O-Ton Fuchs), ist die Gemeinde auf Ideensuche gegangen. So haben Studenten der Technischen Uni Kaiserslautern im vergangenen Jahr die Kreisstraße unter die Lupe genommen und Verbesserungen vorgeschlagen. Und kürzlich nahmen Vertreter der Gemeinde an einem „Atmosphäre-Check-Workshop“ teil. Trotz knapper Kassen – Schiffweiler ist bekanntlich Haushaltssanierungskommune – sollen Atmosphäre-Killer, also Bereiche mit Verbesserungsbedarf, aufgespürt und positiv verändert werden. Ein solcher „Killer“ ist eben in weiten Teilen die öde wirkende Kreisstraße. Als das Land Anfang 2017 der Gemeinde die Pläne des Saarbrücker Ingenieurbüros Bard und Sauther zur Erneuerung der L 129 vorlegte, sahen die Gremien von Gemeinderat und Ortsrat die erwähnte Chance zu optischen Verbesserungen. An eine „Durchgrünung“ ist gedacht, sprich eine Baumallee und an Mittelinseln, die unter anderem das Überqueren der Fahrbahn für Fußgänger und für Radfahrer erleichtern soll. Apropos Radfahrer: Auch ihre Situation soll verbessert werden. Zunächst war geplant, in beide Fahrtrichtungen Radwege lediglich auf der Fahrbahn durch Markierungen abzutrennen. Das stieß im Ortsrat Landsweiler-Reden auf wenig Gegenliebe. Allerdings ist dessen Forderung nach abgetrennten Radwegen beziehungsweise kombinierten Rad- und Fußwegen auf der gesamten Strecke wohl aus Kostengründen nicht realisierbar. Denn die Gemeinde Schiffweiler muss für die Sonderwünsche bei der geplanten Sanierung selbst aufkommen. Die Baukosten für die rund 800 Meter Fahrbahn der L 129, die auf Schiffweiler Bann liegt, betragen nach derzeitigem Stand rund vier Millionen Euro. Davon müsste die Gemeinde einen Anteil von etwa 660 000 Euro zahlen. Diese Summe ist nur zu stemmen, wenn es eine 75-prozentige Förderung über das Gemeindeverkehrswegefinanzierungsgesetz gibt. Ein entsprechender Antrag wurde bereits gestellt, allerdings auf Grundlage der ursprünglichen Planung. „Funktioniert diese Förderung nicht, müssen wir ganz neu denken“, warnt Bürgermeister Fuchs.



Ohne die Einwände der Gemeinde würden wohl in naher Zukunft die Bagger in der Kreisstraße anrollen. Jetzt ist mit dem Baubeginn nicht vor 2019/20 zu rechnen. Fuchs gibt zu: „Wir haben die Zeitschiene des LfS durcheinander gewirbelt. Aber die erhoffte Verbesserung für den Ort ist die Verzögerung wert.“

Bürgermeister Markus Fuchs (l.) und Bauamtsleiter Hubert Dürk mit den überarbeiteten Plänen für die Sanierung der L 129/Kreisstraße. Diese sehen weitestgehend abgetrennte Radwege sowie eine Mittelinsel mit einer Baumallee auf Schiffweiler Bann vor.
Bürgermeister Markus Fuchs (l.) und Bauamtsleiter Hubert Dürk mit den überarbeiteten Plänen für die Sanierung der L 129/Kreisstraße. Diese sehen weitestgehend abgetrennte Radwege sowie eine Mittelinsel mit einer Baumallee auf Schiffweiler Bann vor. FOTO: Heike Jungmann