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Morbider Charme einer vergangenen Epoche

Bildstock/Reden. Fördertürme, riesige Leitungen, zerbrochene Schaufeln, verlassene Schreibtische und Pfützen – viele Pfützen. Das alles und noch viel mehr ist zurzeit in einer Ausstellung von Kerstin Gorny in Bildstock zu sehen. Stefan Bohlander

Passenderweise im altehrwürdigen Rechtsschutzsaal zeigt Fotokünstlerin Kerstin Gorny noch bis Samstag, 21. März, Bilder der ehemaligen Grube Reden . Bis zu 600 Meter tief unter Tage war sie dafür unter anderem, erzählte sie am Rande der Vernissage. "Ich bin ein Grubenfan", so die 43-Jährige, die Vorstandsmitglied im Verein "Erlebnisbergwerk Velsen " ist. Deswegen seien alte Industrieanlagen ihre Lieblingsmotive. Und natürlich Gruben an der Saar oder auch im Ruhrgebiet.

Die 20 Mal 30 Zentimeter großen Fotos sind in der "HDR"-Technik aufgenommen. "HDR-Fotografie ist das Übereinanderlegen von unterschiedlich belichteten Fotos ein und desselben Motivs", erklärt sie. Beim Überbelichten treten Schatten hervor und seien nicht einfach nur dunkle Flecken, so die Frau aus Heiligenwald. Durch das Unterbelichten seien zudem helle Stellen, etwa Himmel, besser erkennbar. Durch diese spezielle Technik sollen die Bilder einen Hauch von einem Gemälde erhalten. "Ich habe verschiedene Stilrichtungen ausprobiert, doch das hat mir am besten gefallen", so Kerstin Gorny.

Tatsächlich überzeugen die Aufnahmen durch ein gutes Auge für Bildkomposition. Zudem wird so der morbide Charme vergangener Epochen zum Leben erweckt - was ganz in der Absicht der Fotokünstlerin liegt. Ihr gefalle dieser "Ort im Dornröschenschlaf" und das Ablichten der "Qualitätsarbeit aus der Vergangenheit". Der beinahe mystische Aspekt zeige sich auch in ihren "Pfützenbildern", bei denen Spiegelungen im Vordergrund stehen. Somit erkenne man nicht unbedingt auf den ersten Blick, was auf dem Foto abgebildet sei.

Die Erinnerung an die Gruben-Vergangenheit im Saarland sei enorm wichtig, damit nachfolgende Generationen Bergbau nicht nur mit Grubenerschütterungen und dem Anstieg des Grubenwassers in Verbindung setzen. Bergbau habe schließlich auch viel mit Kameradschaft und gegenseitigem Vertrauen zu tun. Die Ausstellung im Rechtsschutzsaal ist ihre erste. Mit den zur Vernissage erschienenen knapp 50 Personen war sie sichtlich zufrieden und stand nach einführenden Worten gern auch für Fragen zur Verfügung. "Ich bin stolz, dass die Ausstellung hier so schnell und unkompliziert geklappt hat", zog sie ein Fazit.

Dass dies der Fall war, dafür sorgte unter anderem Günter Hofmann. Der Vorsitzende der veranstaltenden IGBCE-Ortsgruppe Friedrichsthal/Bildstock hatte erste Bilder von Gorny bei Facebook entdeckt und daraufhin nach einer Ausstellung angefragt. "Es ist bereits eine nachfolgende Veranstaltung mit der Künstlerin geplant", verriet er bei der Ausstellungseröffnung. Bis Details hierzu spruchreif sind, könne man sich jedoch bereits auf eine andere Veranstaltung freuen.

Denn passend zur Jubilarehrung der IGBCE wird am Samstag, 30. Mai, um 18 Uhr eine Ausstellung im katholischen Vereinshaus Friedrichsthal zu sehen sein. Dabei wird der Arbeitsplatz der langjährigen Mitglieder von einst dem jetzigen Zustand gegenübergestellt. Anschließend singt der Saarknappenchor.

Die Ausstellung von Kerstin Gorny ist noch bis Samstag, 21. März, zu den Öffnungszeiten der Gastro zu sehen: täglich von 11 bis 13 Uhr und ab 17 Uhr.