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Fantasievolles Spiel
Da bleibt dem Bär doch nur noch brummen

Die Turnkinder des SSV Heiligenwald noch beim Aufwärmspiel für ihre Indianer-Stunde in der Sachsenkreuzhalle: Pfeile spannen, irgendwo lauert ein Bär. Rechts Trainerin Hannah Hilden.
Die Turnkinder des SSV Heiligenwald noch beim Aufwärmspiel für ihre Indianer-Stunde in der Sachsenkreuzhalle: Pfeile spannen, irgendwo lauert ein Bär. Rechts Trainerin Hannah Hilden. FOTO: Thomas Seeber
Heiligenwald. Der SSV Heiligenwald schickt seine Turnkinder in die „Indianerprüfung“. Wie funktioniert dieser neu entwickelte Mobilitätstest? Die SZ war dabei. Von Claudia Emmerich

Indianergeheul gleich zwölffach. Stolz stürmen die acht Mädchen und vier Jungen in die Umkleidekabine der Sachsenkreuzhalle und drücken ihre frisch erworbenen Urkunden dem Papa, der Mama, dem Opa oder der Oma in die Hand.


Die Kinderturngruppe von Hannah Hilden beim SSV Heiligenwald hatte an diesem Nachmittag ein ganz besonderes Programm. Was ihre Trainerin jüngst beim Turn- und Sportkongress in Saarbrücken kennengelernt hatte, wollte sie jetzt mit ihren Schützlingen (vier bis sechs Jahre) ausprobieren – die „Indianerprüfung“, ein neu entwickelter Mobilitätstest (siehe „Info“, unsere Zeitung berichtete).

Die SZ schaute und hörte zu, wollte wissen: Wie praktikabel ist der Test für eine Kinderturnstunde in einem Sportverein? Fazit: Gut machbar, wenn gut vorbereitet. Hannah Hilden hat ein Drittel der Halle für 90 Minuten zur Verfügung. Was es braucht - Turnmatte, Pylonen, Gymnastikstäbe, Turnkasten, Medizinbälle, Tennisringe – ist vorhanden. Testprofil, Auswertung liegen vor. Papier, Stift und Stoppuhr (und natürlich Urkunden) lassen sich mitbringen. Zeit brauchen Auf- und Abbau. Da packen die Kinder aber gerne mit an. Der Test selbst dauert pro Kind mit Probedurchgang und Messdurchgang keine zwei Minuten. Die „Indianerprüfung“ lässt die Kleinen kurven, klettern, kriechen, einen Ball manövrieren und transportieren. Hannah Hilden (30) hat gleich die ganze Turnstunde unters große Motto gestellt. Da wird schon beim Aufwärmen mit Geheul Indianer gespielt, durch die Halle gerannt, geschlichen, werden Pfeile gespannt, Speere geschultert – irgendwo lauert ein Bär.  Aber klar, der hat keine Chance, die Kinder zu erwischen. Dem bleibt nur brummen.



Weil es dann für die Mädchen und Jungen im Test-Parcours ein bisschen Ruhe braucht, wollen die anderen Kinder beschäftigt sein. Also hat Hannah Hilden in der Halle gleich ein ganzes Indianerdorf entstehen lassen – mit Dorfplatz (Kästen, große Matten), Wasserrutsche (Bank an Sprossenwand), Tunnelröhre oder Zelt (Schwungtuch). Zwei Helfer hat sich die Übungsleiterin dazu geholt, alleine ist so eine Stunde für zwei Augen, zwei Hände und Füße nicht zu schaffen. Bettina Pfeiffer (44, bietet im Verein Bewegungsstunden für die ganz Kleinen an) und Tochter Annika Pfeiffer (21) betreuen die muntere Schar.

Hannah Hilden holt sich immer drei Kinder aus dem Indianerdorf zum Parcours. Jedes bekommt einen Probedurchgang, dann erst wird die Stoppuhr gedrückt, aufs Ausführen geachtet. Felix ist der Erste. „Pipileicht, das kann ich“, sagt der Sechsjährige hinterher. Beim Medizinball ins Stangentor schießen, sieht man ihm den Fußballer an. Lena fand gerade diese Passage eher schwierig. „Am schönsten waren die Slalomstangen“, wertet die Fünfjährige. Urkunden gab es am Ende für alle: Felix Leppmeier, Lena Kohl, Jonathan Hoffmann, Marie Graß, Marie Höring, Hannah Ettel, Talea Jones, Jonas Neuschwander, Mila Beck, Mika Becker, Ronja Zimmer, Paula Marie Blank.

Wie sinnvoll nun können Ergebnisse solch eines Parcours überhaupt sein? Sie habe sich die Ergebnisse der Kinder aufgeschrieben, mit den Vorgaben der Wissenschaftler verglichen und eigene Beobachtungen festgehalten, sagt Hannah Hilden: „Aber da will ich nichts überbewerten. Schon gar nicht bei einem Mal.“ Der Test müsse wiederholt werden, um vielleicht dann Aussagekraft zu gewinnen. Rückmeldung an Eltern geben, das gehöre zu diesem Test allerdings dazu, sei sein Anspruch: „Mir ist da etwas aufgefallen…“