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Sturm Schiffweiler
Mit großem Tamtam die Macht gesichert

Selbst die jüngsten Garden sturmten entschlossen das Schiffweiler Rathaus – letztlich mit Erfolg.
Selbst die jüngsten Garden sturmten entschlossen das Schiffweiler Rathaus – letztlich mit Erfolg. FOTO: Jörg Jacobi
Schiffweiler. Närrische Rebellen nutzten am Samstag die Gunst der Stunde und brachten das Schiffweiler Rathaus in ihre Gewalt. Von Gerhard Krämer

Fast gespenstisch ruhig war es kurz nach Mittag in Schiffweiler. Lediglich einige Absperrschilder und die Rostwurstbude vor dem Feuerwehrhaus ließen vermuten, dass was im Gange ist. Doch als dann plötzlich an einem Samstag im Rathaus Hektik ausbrach, war klar, es geht um etwas Wichtiges, es geht um die Macht, die Macht im Rathaus. Da wurden sie munter im Rathaus. Am Saalbau stellte sich eine ansehnliche Streitmacht auf. Die Karnevalsvereine HCV Die Flitsch und Die Elleretze aus Heiligenwald, der KKV Landsweiler-Reden und die Fastnachtsabteilung des SV Stennweiler formierten sich, um die Macht im Rathaus zu übernehmen. Minigarden, Juniorengarden, Aktivengarden, Prinzengarden mit Prinzenpaaren aus Stennweiler und Heiligenwald und vier Sitzungspräsidenten waren angetreten, unterstützt durch die Schützengilde Wemmetsweiler, die mit zwölf  Gewehr zum Salutschießen zur Verfügung stand. „Der Musikverein Harmonie Schiffweiler, gegründet 1924, ist immer noch jung genug, um mit dem richtigen Ton den Sturm anzuführen“, sagte Hans-Herrmann Woll,  Vorsitzender und Baritonist, ganz stolz. Zahlreich angetreten war auch die Jugendwehr der Freiwilligen Feuerwehr Schiffweiler. Der ansehnlich bunte karnevalistische Tross setzte sich pünktlich und mit großem „Tamtam“ in Richtung Rathaus in Bewegung, wo sich schon viele Menschen versammelt hatten.


Weder karnevalistische Schunkler noch gute oder derbe Worte konnten beim starrsinnigen Bürgermeister und den versammelten Rätinnen und Räten etwas bewirken. So mussten die angetretenen Garden mit mehreren Angriffswellen, unterstützt von Salutfeuer der Schützengilde und einem vielstimmigen Schunkelgesang für Eindruck sorgen. Als alles nichts nutzte, half nur eine List. Des Bürgermeisters reizendes Töchterlein, als Geisel genommen, brachte den störrischen Vater zur Einsicht; er kapitulierte, und die Narren waren am Ziel. Sogleich verkündeten sie ihre Gesetze und übernahmen die (leider) leere Gemeindekasse. Beim anschließenden Umtrunk ging es dann wieder friedlich zu. Im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung verdeutlichte Klaus Gorny, Ortsvorsteher in Heiligenwald, „Karneval ist ein Kulturgut, das müssen wir unbedingt unterstützen.“

Übrigens, Sicherheit wurde groß geschrieben. Die Polizei war vor Ort und alle Zufahrtsstraßen waren durch große Feuerwehrfahrzeuge zugestellt. Und an den technischen Absperrungen beobachteten Feuerwehrfrauen und -männer die Situation.