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Lik Nord: Am Strietberg in Schiffweiler steht jetzt eine Herde Galloway-Rinder

Rinder am Strietberg : Zwei kleine Strietis staksen am Berg

Am Rand von Schiffweiler grast seit Kurzem eine kleine Herde Galloway-Rinder. Sie sind Teil des Lik-Nord-Projekts.

Schwarz und struppig stehen sie da, die Fahrbach-Kühe. Halten den Beobachter genau im Blick. Schließlich staksen zwei noch ganz junge Kälber mit der Herde. Strieti 1 und Strieti 2 heißen die. Sie sind erst ein paar Tage alt und hier am Fuß des Strietberges geboren. Neben dem alten Pumpenhäuschen hat die Herde frisches Quellwasser und ein schattiges Plätzchen zwischen alten Bäumen. Eine kleine Idylle am Rande von Schiffweiler. Perfekt für sengend heiße Sommertage. Die kleine Herde Galloway-Rinder ist ein weiteres Puzzle-Teil des Naturschutzvorhabens Lik Nord (siehe Info). Sie haben hier ein neues Zuhause, können sich auf einem Teil des Berges frei bewegen. Das Naturschutzvorhaben hat am Schiffweiler Strietberg bereits einiges bewegt. Der Fahrbach ist in seinem Oberlauf im Kobenwäldchen renaturiert, Landschaftsgärtner haben verbuschte Areale des südlichen Striets freigeschnitten. Dort sollen wieder blühende Wiesenlandschaften entstehen, wie es sie früher gab. Freischneiden ist dabei das eine, Offenhalten das andere. Um schnell wachsende Sträucher und Pflanzen davon abzuhalten, binnen kurzer Zeit wieder alles zu verschlucken, sind die Rinder sozusagen engagiert worden. Sie stammen von einem Bauern aus dem nördlichen Saarland, erläutert Uli Heintz, Geschäftsführer von Lik Nord. Der Bauer ist sogar gebürtiger Schiffweiler. Was Lik Nord hier in der Gemeinde macht, läuft unter dem Titel „Neuerfindung der Bergmannskuh“. Eine Begrifflichkeit mit Tücke. Die Bergmannskuh des Arbeiters war seinerzeit nämlich eine Ziege. Mehr konnten sich die Leute damals nicht leisten. Die heutigen Bergmannskühe von Lik Nord dagegen sind erst einmal diese stattlichen Rinder. Auf das Areal kommen aber womöglich noch Ziegen und Schafe.

Die neuen Fahrbach-Kühe fühlen sich ganz offensichtlich wohl auf ihrem eingezäunten Areal, das in den kommenden Monaten noch erweitert wird. Mit Daniela Nau und Günter Kirsch haben die Tiere ein Betreuer-Team, das täglich nach dem Rechten sieht. Und den Jüngsten, Strieti 1 und 2, ihre Namen gegeben hat. Mit dem raschen Nachwuchs hatte niemand gerechnet. Sind die neun erwachsenen Galloways und jetzt drei Kälber doch erst seit Pfingsten am Striet. Am Schiffweiler Ortsrand in Richtung Ottweiler können die Anwohner die neuen Nachbarn manchmal muhen hören. Ihren Job machen sie gut, zeigen die beiden Betreuer vor Ort. Ein Feld von Brennnesseln und Gestrüpp haben sie bereits weggefressen, ins lichtere Unterholz ein paar Liegeplätze reingedrückt.

Die beiden Kälber sind am 14. und 16. Juli auf die Welt gekommen. Und er rechne bald mit einem weiteren, sagt Günter Kirsch. Der 75-Jährige weiß noch aus eigener Erfahrung um die „Bergmannskuh“. Als kleiner Junge habe er die Ziegen der Familie in den Strietberg getrieben, erzählt er. Kirsch wohnt in der Klosterstraße. Lik Nord-Chef Heintz habe ihn und seine Mitstreiterin angesprochen, ob sie sich in das Projekt einbringen wollten. „Ich laufe sowieso jeden Tag über den Striet“, sagt er. Deshalb sei es für ihn kein Problem, bei den Rindern nach dem Rechten zu sehen und den Elektrozaun abzulaufen, um Beschädigungen auszuschließen. Die zweite Runde am Tag übernimmt Daniela Nau. Die 49-Jährige wohnt in der Donnersbergstraße, also ebenfalls ganz in der Nähe. Mit Tieren ist auch sie vertraut: Ihre Eltern hatten einen landwirtschaftlichen Betrieb. Dennoch waren Nau und Kirsch verblüfft, als in schneller Folge zwei Kälber auf die Welt kamen. Und am Anfang besorgt. Das erste Kälbchen wurde von der Mutter zunächst nicht so recht angenommen. Befürchteter Durchfall stellte sich als Geburtspech heraus. Kennenlernen mussten auch die Rinder ihre neuen Bezugspersonen erst einmal. Kirsch: „Es hat fünf sechs Tage gedauert, bis sie überhaupt mal zu mir gekommen sind.“ Mittlerweile fressen sie ihm aus der Hand.

Nahe heran lassen die Rinder andere Besucher nicht. Nähern sich die Zweibeiner auf wenige Meter, trotten die Tiere davon. Und werden laut, wenn sich jemand Strieti 1 oder Strieti 2 nähert. Sie wollen ihre Ruhe, so viel steht fest. Und so können sie auch am besten ihren Job erledigen und wegfressen, was die Lik-Nord-Wiesen überwuchern will. Und was sie dann auf der Rückseite wieder verlässt, erläutert Lik-Chef Heintz, ist ebenfalls von großer Bedeutung für den Naturschutz. Der Kot sei nicht nur Dünger für den Boden, sondern auch Lebensgrundlage für diverse Insekten, an denen es mittlerweile ja „an allen Ecken und Enden“ fehle.

Beim Besichtigungstermin vor Ort hätte Schiffweilers Bürgermeister Markus Fuchs sicher gerne auf das eine Insekt, das ihn in die Kniekehle sticht, verzichtet. Die Galloway-Herde am Rande des Ortes erlebt auch er als Gewinn. Um das Naturschutz-Vorhaben zu verwirklichen, sagt er, habe sich auch die Gemeinde beim Ankauf von Flächen stark mit eingebracht. Es sei super, was hier am Erlebnisweg geschaffen werde.

 Günter Kirsch bei einem der am Strietberg geborenen Kälber.
Günter Kirsch bei einem der am Strietberg geborenen Kälber. Foto: Gerhard Kirsch/Günter Kirsch

Die schwarzen Zottel-Tiere verfolgen das Gespräch aus sicherer Entfernung. Die beiden kleinen Strietis, die zunächst etwas abseits am Wassertrog gestanden hatten, trotten zur Herde. Gemeinsam geht es aus dem Schatten heraus auf die Wiese im Berg. Die Galloways haben einen Job zu erledigen.