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Lesung mit Kinderbuch-Autor Martin Klein an Grundschule Landsweiler-Reden

Lesung in Landsweiler-Reden : Ein Mix aus Fantasie und Wirklichkeit

Autor Martin Klein fachsimpelte mit Grundschülern in Landsweiler-Reden über Bücher schreiben, Fußball und Autos.

Rennfahrer. Oder noch besser: Mittelstürmer bei Borussia Dortmund, „also praktisch Lewandowski“. In diese Richtung zielten die Berufswünsche von Martin Klein, als er im Alter von Leonie, Nils oder den drei Maximilians war, die mit ihren 33 Mitschülern sagenhaft diszipliniert vor ihm sitzen. 700 Kilometer ist der Autor auf Einladung des hiesigen Friedrich-Bödecker-Kreises aus Potsdam angereist; drei Lesungen stehen an diesem Vormittag in der Grundschule im Wiesengrund auf dem Programm. Als erste haben die 4a und 4b im Musiksaal Platz genommen.

„Okay Leute, ich hab Bücher dabei“, verkündet Klein nach der Begrüßungsrunde grinsend und holt einen ganzen Schwung aus seinem Rucksack. Was sich halt so ansammelt in mehr als 30 Jahren Schriftstellerei. Im Jahr 1990 hatte er seinen Erstling veröffentlicht: „Lene und die Pappelplatztiger“. Für damalige Verhältnisse fast revolutionär, spielte doch ein Mädchen in dieser Fußballgeschichte die Hauptrolle. Inzwischen sind rund 70 Klein-Bücher erschienen, vom winzigen Pixi-Heftchen (etwa Nr. 1577: „Der Königsball“) hin zum großformatigen Bilderbuch „Der Sternenhase“, das von einem mutigen Langohr und Sternbildern handelt. Kleins Geschichten haben als deutschsprachige Gesamtauflage die Schall-
grenze von einer Million Exemplaren durchbrochen und sind in 15 Sprachen übersetzt worden.

Zugute kommt dem gebürtigen Lübecker seine Vielseitigkeit, die sich in der Vita widerspiegelt: Nach Abitur und Zivildienst an einer Förder-Schule folgten ein paar Semester Sportstudium. Verletzungsbedingt sattelte Klein um und ging unter die Landschaftsgärtner. Damit nicht genug, ist der Diplom-Ingenieur für diverse Rundfunksender und als Synchronsprecher tätig. In seiner Freizeit steht er als Fußballcoach im Verein auf dem Platz. Was man sofort glaubt. Disziplinprobleme kennt er jedenfalls keine.

Viel gelacht und geplaudert wurde in dieser Stunde. Und natürlich gelesen. „Speedy rennt“ ist einer von Kleins „kleinen Romanen“ mit jeder Menge Identifikationsfläche für junge Zuhörer: Rafa und Niki hadern mit ihrer Familie. Rafa will Rennfahrer werden, wozu er auf die Kartbahn müsste, aber seine Eltern sind strikt gegen diese klimaschädigende, stinkende Rumgurkerei. Seine Zwillingsschwester Niki wiederum wünscht sich sehnlichst einen Hund. Was der Familienrat inklusive Rafa strikt ablehnt. Für schnelle Happy Ends ist Klein der falsche Ansprechpartner. Er schenkt den Geschwistern lieber eine Zufallsbegegnung mit einem roten Porsche. Der ist im Buch kurioser Weise gelb abgebildet, „künstlerische Freiheit“ lautete die Begründung von Illustratorin Barbara Jung, plaudert Klein aus dem Nähkästchen. In letzter Sekunde können die Zwillinge eine Hündin vorm Überfahren werden retten und taufen sie „Speedy“.

Wie stark Kleins Erzähl- und Vortragskunst ist, zeigt sich, als die Viertklässler nach der Lesung in ihre Klassenräume zurückgehen. „Mir hat am besten gefallen, als die Schildkröte plötzlich angeblich keine Beine mehr hatte“, erzählt ein Junge schwer begeistert. Seine gelenkige Mitschülerin führt vor, wie das ausgesehen haben könnte mit dem Beine in den Panzer einziehen. Mitgenommen haben sie zudem Tipps fürs Buchschreiben á la „Überschriften sind nicht so wichtig“ oder „am besten ist immer ein Mix aus Phantasie und Wirklichkeit“ – und wie sündhaft teuer so ein neuer Porsche ist.