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Laie oder Pastor - wer beerdigt? Modellprojekt Neunkirchen

Pastor oder Laie - wer beerdigt? Neunkircher Modellprojekt : So sieht der Lehrplan fürs Beerdigen aus

Monika Schula ist ehrenamtliche Leiterin von Begräbnisfeiern. Geschult im Neunkircher Pilotprojekt für das Bistum. Ein Erfahrungsbericht.

Im Sommer werden sich die Fünf treffen. Sie wollen nach einem Jahr ihre Erlebnisse und Erfahrungen austauschen. Seit Mai 2020 sind sie mit bischöflichem Segen beauftragt, als Laien Begräbnisfeiern zu leiten. Das Quintett war Teil des Neunkircher Modells. Das schulte als Pilotprojekt im Bistum Trier Ehrenamtliche für den Bestattungsdienst (siehe „Info“). 13 Männer und Frauen begannen den Ausbildungskurs. Acht stiegen nach und nach aus. Eine von den Fünfen, die sich auf dem Weg bestätigt sahen, ist Monika Schula aus Landsweiler-Reden. Zweifel habe sie nie gehegt, sagt die 62-Jährige rückblickend im Gespräch mit unserer Zeitung. Auch wenn sie sich während der Ausbildungszeit ein Dabeibleiben oder auch einen Ausstieg immer offen gehalten habe.

„Das Leben ist endlich. Ich möchte, dass ein Mensch würdig verabschiedet wird im christlichen Glauben“, beschreibt Monika Schula, warum sie sich vor zwei Jahren anmeldete. Der entscheidende Test sei für sie während der Hospitation gekommen: Da war sie bei einem Kondolenzgespräch dabei. Und da habe sie die Erfahrung gemacht – sie könne es: „Mit den Trauernden fühlen. Aber auch so weit Abstand halten, dass wir unsere Aufgabe erfüllen können, den Menschen in ihrer Trauer Halt zu geben.“

 Am 14. Mai 2020 beauftragte der Bischof Monika Schula zum Dienst als ehrenamtliche Leiterin von Beerdigungsfeiern in der Pfarrei Heilige Dreifaltigkeit Neunkirchen.
Am 14. Mai 2020 beauftragte der Bischof Monika Schula zum Dienst als ehrenamtliche Leiterin von Beerdigungsfeiern in der Pfarrei Heilige Dreifaltigkeit Neunkirchen. Foto: Claudia Emmerich

Monika Schula hat nach Abschluss des Kurses hospitiert bei Gemeindereferentin Anne Ziegler (Schiffweiler). In dieser Zeit konnte sie neben Kondolenzgesprächen auch aktiv bei Begräbnisfeiern mitwirken, etwa Fürbitten vortragen oder die Trauerrede halten. „Das alles gab mir Halt und Vertrauen, dass es geht. Ich wurde auch gut begleitet.“ Kontakt zu den Angehörigen herstellen, Trauergespräch führen, Traueransprache halten, Trauerfeier gestalten, Beisetzung begleiten. Hoffnung und Zuversicht verkünden – das alles gehört zum Begräbnisdienst.

 Monika Schula hat erste Erfahrungen als Leiterin von Begräbnisfeiern gesammelt.
Monika Schula hat erste Erfahrungen als Leiterin von Begräbnisfeiern gesammelt. Foto: Claudia Emmerich

Herz Jesu Landsweiler-Reden ist ihre Heimatpfarrei. Kirchliches Engagement gehörte und gehört zum Leben von Monika Schula – früher als Kommunion- und Firmkatechetin, im Pfarrgemeinderat und Pfarreienrat, aktuell bei den kfd-Frauen und im Verwaltungsrat. In ihrer Heimatpfarrei war kein Bedarf an unterstützenden ehrenamtlichen Begräbnisleitern. Aber in der Pfarrei Heilige Dreifaltigkeit Neunkirchen.

Im Sommer hatte Monika Schula ihren ersten Einsatz. „Es war corona-bedingt eine kleine Trauergemeinde. Der Bestatter hat Ruhe ausgestrahlt. Ich war gut vorbereitet. Alles hat geklappt.“ Und von den Angehörigen gab es – und das sei das Entscheidende – am Ende anerkennende Worte: „Ich sei dem Verstorbenen gerecht geworden.“

Inzwischen sind weitere Einsätze dazugekommen, der Erfahrungsschatz wird größer. Schula – verheiratet, zwei erwachsene Söhne – hat Routine im Ablauf gewonnen: „Aber jede Beerdigung ist anders. Immer neu vorbereiten, immer neu darauf einstellen.“ Sie hat zudem Kontakte geknüpft, sich vorgestellt. Auch die Urnenträger kennen sie inzwischen. Letztlich, sagt Monika Schula weiter, habe sie jede Beerdigung durch die Nähe zu den Menschen auch als Bereicherung empfunden.

Laie und Frau – wie waren da ihre Erfahrungen? „Dass das auch eine Frau machen kann“, habe sie gehört, mit einem durchaus positiven Unterton. Aber auch schon mal Zurückhaltung gespürt: „Warum nicht der Pastor?“ Der Pastor werde eben doch als Amtsperson gesehen. Verschwiegenheit, erinnert Monika Schula, obliege den Laien natürlich genauso wie dem Pastor.

Leitet sie eine Begräbnisfeier, trägt Monika Schula ein liturgisches Gewand: „Wenn ich es überziehe, dann bin ich fokussiert. Es gibt mir Halt“ Aber auch für die Trauergemeinde sei die Albe ein Zeichen, biete Sicherheit, schaffe Vertrauen.

Das Neunkircher Modell soll im Bistum Schule machen (siehe Interview auf dieser Seite).

Sie gingen aus dem Neunkircher Ausbildungskurs hervor: Lioba Simon-Atzert (Furpach), Hermann-Josef Wagner (Überherrn), Dorothea Klesen (Eppelborn), Monika Schula (Landsweiler-Reden), Ursula Gluch (Heusweiler)