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Kunst in Schiffweiler: Redener Hannes

Serie Kunst im öffentlichen Raum : Der bildgewordene Ausdruck des Kumpels

Kunst muss sichtbar sein. Das Paradoxe an der „Kunst im öffentlichen Raum“ ist, dass sie durchaus sichtbar ist, und sie dennoch unsichtbar bleibt, denn kaum jemand nimmt Notiz von ihr. In einer Serie stellen wir Kunstwerke im öffentlichen Raum im Kreis Neunkirchen vor. Heute: der „Saarbergmann mit Grubenlampe“ von Fritz Kölle.

Man könnte beim Anblick von Fritz Kölles Werk „Der Saarbergmann“ vor dem Haupteingang der früheren Grube Reden sarkastisch werden und sagen, dass der 1895 in Augsburg geborene Künstler den nationalsozialistischen Kunststil, die Arno-Breker-Ästhetik, vorweggenommen hat. So sehr ähneln Kölles Werke dem damals geltenden Kunstgeschmack. Aber, so ist vielen Quellen zu entnehmen, Kölle gestaltete seine Arbeiter weder romantisch, noch als stolze Heroen der Arbeit, noch mit Blut und Boden verklärt oder ideologisiert, sondern realistisch, derb und von der Schwere ihrer Tätigkeit gezeichnet, aber mit würdevollem Habitus.

Zeitweise galt im Nationalsozialismus seine Kunst als „bolschewistisch“ und „entartet“, dies ist so etwas wie ein Freispruch von der Schuld, mit den Nazis kooperiert zu haben. Aufgrund seiner „bolschewistischen Kunstauffassung“ wurde 1934 für den Künstler gar eine Haftstrafe im Konzentrationslager Dachau beantragt. Eine an der Münchner Akademie zuvor in Aussicht gestellte Professur für Fritz Kölle wurde abgelehnt.

Nach wenigen Tagen Gestapo-Verhör sei der Künstler schließlich aus der Haft entlassen worden. Die genauen Umständen sind nicht bekannt. Überraschenderweise erhielt der Bildhauer nach der kurzen Haft lukrative staatliche Aufträge. So fertigte er zum Beispiel er eine Horst-Wessel-Büste. Es war ihm auch möglich, im Münchner Haus der Kunst an der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ teilzunehmen.

Kölles „Saarbergmann“ in Reden aus dem Jahr 1937 gilt heute als eines seiner wichtigsten Werke, ja manche bezeichnen den Bergmann gar als Hauptwerk des Künstlers. Im Volksmund trägt er den Spitznamen „Redener Hannes“. Grün patiniert, blickt der wuchtige Kumpel seit 84 Jahren in eine imaginäre Ferne, die aber schon an der Fensterfront der angrenzenden Bürofassade endet.

1922 reiste Kölle, auf der Suche nach seinem Sujet, zum ersten Mal in das damalige Saargebiet, und studierte die Arbeit in Hütten und Gruben. Zur Anschauung des „echten Lebens“ stellte ihm sogar Firmenchef Hermann Röchling 1928 in Völklingen ein Atelier auf dem Werksgelände zur Verfügung, wo Kölle nach Herzenslust zeichnen und modellieren konnte. An der Saar fand der Augsburger Künstler auch sein persönliches Glück und heiratete 1925 die St.Ingberter Malerin Elisabeth Karmann. Nach Kriegsende wurde sein künstlerisches Schaffen im NS-Staat in einigen Medien kritisch betrachtet. Zu konform und zu angepasst an das Kunstverständnis des NS-Regimes seien seine Werke gewesen, lauteten die Stimmen seiner Kritiker.

Aber 1946 wurde Kölle als politisch Verfolgter anerkannt. Und im Anschluss trat er eine Professur in Dresden an. So schließt sich der Kreis. 1953, mit nur 58 Jahren, starb Kölle. Die soziale oder politische Anklage sei nie seine Motivation. Vielmehr habe er seine Skulpturen aus „reiner Lust am plastischen Gestalten“, erschaffen, als „bildgewordener Ausdruck eines harten Lebens“, so resümiert ein Rezensent auf der Seite der Stadt Augsburg.