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Kunst im öffentlichen Raum - Brunnen von Otto Zewe in Schiffweiler

Serie Kunst im öffentlichen Raum : Brunnenskulptur blieb unvollendet

Kunst muss sichtbar sein. Das Paradoxe an der „Kunst im öffentlichen Raum“ ist, dass sie durchaus sichtbar ist, und sie dennoch unsichtbar bleibt, denn kaum jemand nimmt Notiz von ihr. In einer Serie stellen wir Kunstwerke im öffentlichen Raum im Kreis Neunkirchen vor. Heute: der Brunnen hinter dem Rathaus Schiffweiler von Otto Zewe.

Ein Kunstwerk muss nicht unbedingt vollendet sein. Franz Schubert, Anton Bruckner oder Gustav Mahler zum Beispiel, hinterließen einiges „unvollendet“. Die Tatsache, dass es in der Natur „nulla linea“ („keine Linie“) gibt, verleitete Bildende Künstler dazu, darin die höchste Form der Abstraktion zu erkennen, das Unvollendete als Kunstform zu begreifen. Das ist bei dem Kunstwerk von Otto Zewe am Rathaus in Schiffweiler allerdings etwas anders.

Im Zuge einer Ortskernsanierung sollte das Wiesenstück zwischen Rathaus und Pfarramt durch einen Brunnen gekrönt werden. Die Ortskernsanierung wurde abgeschlossen, der Brunnen blieb Rudiment, die „funktionslose“ Skulptur überdauerte. Der Schiffweiler Bildhauer Otto Zewe, ein Schwager des Malers Walter Bernstein, schenkte das Werk seiner Heimatgemeinde, vollendete die Arbeit jedoch nicht. Warum? Die Gründe hierfür sind heute nicht mehr eindeutig zu belegen.

Auf jeden Fall passt das Werk, gehört zu dem Standort. Zewe spielte mit dem aus dem Bergbau bekannten Material Stahl, und mit der ebenso industriellen Form Rohr. Er skizziert seine stark von der Montanindustrie geprägte Heimat, indem er aus einer runden Betonplatte drei starke Rohre etwa drei Meter in die Höhe ragen lässt. Zwischen den metallenen Trägern hat der Künstler kleinere und unterschiedlich lange Rohre angeordnet; sie erinnern an Orgelpfeifen.

Wenn man sich die unvollendete Brunnenskulptur länger anschaut, kann man zu dem Schluss kommen, dass Zewes Arbeit, auch ohne formal abgeschlossen zu sein, Harmonie und Standhaftigkeit vermittelt. So gesehen fehlt dem Kunstwerk seine einst vorgesehene Funktion als Wasserspiel letztlich nicht. Aber es wäre schön, wenn es ein paar Hinweise auf den Urheber des Kunstwerkes gäbe.

Leider fristen Kunstwerke im öffentlichen Raum oft ein eher stiefmütterliches Dasein. Sie stehen einfach herum, werden nicht von vielen Menschen beachtet. Es ist nicht ersichtlich, warum die Auftraggeber, meist sind es die Kommunen, die die Kunstwerke entweder erworben und beauftragt haben, oder oder ob es Schenkungen waren, der Dämmerung der Nichtbeachtung überlassen. Das Rudiment des Brunnens von Otto Zewe ist nur ein Beispiel dafür.

Otto Zewe lebte von 1921 bis 2003. Er studierte von 1946 bis 1950 an der Schule für Kunst und Handwerk in Saarbrücken bei Theo Siegle, Karl Lorenz Kunz und war Meisterschüler bei Otto Steinert. Der Künstler hatte zu Lebzeiten zahlreiche Ausstellungen in Prüm, Paris, Ludwigshafen am Rhein, Frankfurt und vielen anderen Orten, wo Menschen auf seine Kunst aufmerksam geworden waren. Seine Arbeiten schmücken viele öffentliche Räume, vor allem im Umfeld seiner Wirkungsstätte Spiesen-Elversberg.