Kuhfladen ausdrücklich erwünscht

150 Minuten harrten die Zuschauer am Freitagabend im Mühlbachstadion aus, um zu sehen, auf welchem der 750 Parzellen die beiden Vogesen-Kühe ihr Geschäft verrichten. Damit ließen sich die vierbeinigen Stars aber bis nach Spielschluss Zeit, weshalb das Los über den Gewinn entschied.

. "Scheiß doch. Jetzt scheiß doch mal." Die Nachwuchskicker werden langsam ungeduldig. Immerhin schauen sie Alpine und Tochter Amelie jetzt schon fast 40 Minuten zu - beim Beine in den trächtigen Bauch Stehen, beim gemächlichen hin und her Trotten, beim tiefenentspannten Wiederkäuen und Löcher in die Schiffweiler Luft starren. Absoluter Höhepunkt war bisher ein kräftiger Strahl Kuhurin, mit dem Amelie Quadrat D26 gedüngt hat.

Das Ganze nennt sich "Kuhfladen-Bingo" und ist auf dem besten Wege, Tradition hier in der Prowin Akademie Arena zu werden. Lud doch der gastgebende Fußball Förderverein Schiffweiler bereits zum zweiten Mal im Rahmen eines kleinen, feinen Sommerfestes zu dieser kultverdächtigen Veranstaltung ein. "Seit ich in der Jugendmannschaft war, gab es kein Sommerfest. Jede Abteilung hat ihr eigenes Ding gemacht", erzählt Vorsitzender Kay Oliver Denne. Der Förderverein selbst, aktuell 30 Mitglieder stark, verbrachte Jahre im "Tiefschlaf" und ist nun unter Dennes Vorsitz dabei, sich wieder aufzurappeln - unter anderem mit dem Sommerfest, zu dem ein Einlagespiel der E- gegen die D-Jugend gehörte.

Über 200 Mädchen und Jungen kommen regelmäßig zum Training in Mühlbachtal. Darunter, laut Trikotaufschrift, Lewandowski, Mandzukic und Costa, die sich gerade über die verdächtig braunen Popos der beiden Rindviecher austauschen. Alle zwei bis zweieinhalb Stunden erleichtert sich so eine Kuh normalerweise, weiß Denne noch vom letzten Mal: "Ich musste mich ja vorab über die Darmflora belehren lassen." Ansprechpartner ist da Martin Simon. Dem gehören die beiden Vogesen-Kühe. Der Rest seiner neunköpfigen Mini-Herde weidet daheim in Güdesweiler. Was die elf Jahre alte Alpine und die fünfjährige Amelie besonders prädestiniert für das Bingospiel? "Sie sind die Bravsten."

Dass der auf Finkenrech arbeitende Gärtner Kühe besitzt, hat sich so entwickelt. "Ich bin in die Landwirtschaft reingeboren", erzählt Simon. Die geerbten Flächen beweidete er zunächst mit Pferden, dann probierte er es mit zwei Exemplaren der alten, seltenen Vogesen-Rasse. "Die haben mir gut gefallen" - so gut, dass er einen Bullen ins Team holte und nun regelmäßig Nachwuchs bekommt. Amelie dürfte in drei Wochen soweit sein, ihre Mutter Ende Oktober.

Den goldenen Fladen blieben die beiden um die 600 Kilogramm schweren Damen den Zuschauern diesmal schuldig. Nach zweieinhalb Stunden pfiff der Unparteiische, Jurist Markus Engel, das Glücksspiel ab. "Und was ist, wenn die Kuh kein Kacka macht", hatte lange vorher ein Steppke seine Eltern gefragt. "Dann wird halt gelost." Unter allen 341 verkauften Anteilen machte dabei Parzelle F18 das Rennen. Die in Schiffweiler lebende Gewinnerin kann sich über 1000 Euro freuen. Und der Verein? Der freut sich schon aufs nächste Mal, dann aber wieder an einem Sonntag und vielleicht mit etwas mehr Rahmenprogramm.