Karate kennt keine Grenzen

Das Hayashi Karatecenter in Schiffweiler bringt behinderte und nicht behinderte Sportler zusammen. Dafür wurde der Verein jetzt mit dem kleinen silbernen Stern des Sports geehrt. Die Entwicklung geht dabei immer weiter.

Konzentration. Schnelligkeit. Disziplin. Selbstkontrolle. Vier Fähigkeiten, die man beherrschen sollte. Insbesondere in der Kampfsportart Karate . Eine gute Atmosphäre ist dabei enorm wichtig. Dass dabei die Zusammensetzung der Gruppen jedoch keine Rolle spielt, zeigt das Hayashi Karatecenter in Schiffweiler . Unter dem Motto "Karate ohne Grenzen" bietet der Verein Jung (ab zwei Jahren) und Alt an, sich in der japanischen Sportart zu probieren. Dabei werden auch Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung integriert. Egal ob mit einer Spastik , einer Gehbehinderung oder einer geistigen Behinderung, in der Halle ist jeder willkommen.

Für dieses Engagement wurde der Verein vor Kurzem in der Saarbrücker Staatskanzlei mit dem kleinen silbernen Stern des Sports ausgezeichnet. Das Hayashi Karatecenter musste sich beim Landesentscheid den Sportfreunden 05 Saarbrücken geschlagen geben, die das Saarland im Januar 2015 beim Bundesentscheid in Berlin vertreten werden. Das Karatecenter, das etwa 350 Mitglieder hat, erhielt zur Auszeichnung ein Preisgeld in Höhe von 1500 Euro. Mit dem Geld organisierten die Karateka eine Weihnachtsfeier, bei der es Geschenke für die Mitglieder gab.

Erste Idee schon 1988

Die Idee, Karate mit behinderten Menschen durchzuführen, kam Gründer Dirk Dohm schon 1988. Er bemerkte damals im Training eines anderen Karatevereins, dass ein gleichaltriger Kämpfer mit Behinderung ausgegrenzt wurde und nur selten am geregelten Ablauf des Trainings und bei Gürtelprüfungen teilnehmen durfte. So reifte in ihn ein Plan heran: "Ich wollte einen eigenen Verein gründen, damit mir keiner mehr sagen kann, wie ich etwas zu machen habe. Ich wollte erreichen, dass jeder Teilnehmer ein vollwertiges Mitglied im Verein und Training darstellt."

Im Jahr 2010 war es dann soweit. Dohm gründete - trotz Gegenwind von Trainerkameraden und ohne Hilfe der Öffentlichkeit - das Hayashi Karatecenter. Mit seinem Motto, das für Inklusion im Sport steht, erreichte er zu Beginn sechs Mitglieder mit Behinderung. Daraufhin ging er auf Leute mit körperlichen Beeinträchtigungen zu und sprach mit Behinderteneinrichtungen. So sind heute neun Trainer im Verein tätig, die mehr als 120 behinderte Athleten betreuen. Bald werden diese Zahlen weiter ansteigen, weiß Dohm: "Wir stehen gerade in Kooperationsverhandlungen mit einer bekannten Behinderteneinrichtung, bei denen durch uns etwa 800 Personen betreut und trainiert werden können."

Ein Problem stelle aber die Hallenmiete dar, denn das Saarland ist eins von mehreren Bundesländern, in dem Mietkosten bei Aktivitäten mit behinderten Sportlern selbst getragen werden müssten, sagt Dohm. Die Entwicklung geht immer weiter. "Wir haben eine enge Zusammenarbeit mit dem Innenministerium und der Innen- und Sportminister Klaus Boullion sicherte bei der Verleihung des silbernen Sternes weitere Gespräche zu", erklärt der erfahrene Karate-Trainer stolz. Er hofft nun, dass Behindertenkarate in Zukunft einen noch größeren Stellenwert genießen wird. Der Grundstein hierfür wurde in diesem Sommer mit der Gründung des Weltverbandes "Inclusive Karate Federation" mit Sitz in England gelegt, bei der Dohm Vizepräsident ist. Heute sind über 20 Mitgliedsstaaten in dem Verband vertreten. Das soll in naher Zukunft dazu führen, dass auch Menschen mit Behinderung als Kampfsportler voll akzeptiert werden.

karateohnegrenzen.de

Behinderte und nichtbehinderte Sportler trainieren beim Hayashi-Karatecenter zusammen.

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Auf einen BlickDie Sterne des Sports werden seit 2004 vom Deutschen Olympischen Sportbund vergeben. Dabei werden Sportvereine ausgezeichnet, die durch besonderes gesellschaftliches Engagement überzeugen. dko