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Es tut sich was
Itzenplitz: vorwärts in kleinen Schritten

 Der Fördervereins-Vorsitzende Rüdiger Zakrzewski.   
Der Fördervereins-Vorsitzende Rüdiger Zakrzewski.   FOTO: Gerd Wehlack
Heiligenwald. Der Förderverein Historische Grube Itzenplitz hat noch viel vor. Die SZ war mit dem Vorsitzenden Rüdiger Zakrzewski auf dem Gelände in Heiligenwald unterwegs. Von Solveig Lenz-Engel

Jetzt hätten die Merchweiler Seelöwen als Eisschwimmer ideale Bedingungen am Itzenplitzer Weiher: still und starr ruht der See. Von Ruhe in Itzenplitz will Rüdiger Zakrzewski jedoch gar nichts wissen. Sein Förderverein lässt sich nach wie vor nicht davon beirren, dass die Historische Grubenanlage Itzenplitz zwar seit 2013 als einer der vier förderungswürdigen Bergbau-Premiumstandorte geführt wird, das Land aber bisher eher untätig gewesen ist. Dabei gibt es auf der Heiligenwalder Anlage, die als Wiege des saarländischen Bergbaus gilt, jede Menge Baustellen. Und wenn die große Politik nicht in die Gänge kommt, setzen die Akteure vor Ort eben auf die Kraft der kleinen Schritte.


„Die Treppe von der Aussichtsplattform zum Pumpenhaus, das nach der Renovierung zum beliebten Trau-Ort geworden ist, soll noch dieses Jahr fertig werden“, freut sich Zakrzewski. Dann geht es weiter auf der Erkundungstour durch das Gewerbegebiet zwischen Wasser und Fördertürmen. „Ungeordnet“ nennt man wohl solch eine Mischung aus Gewerbehallen, Brachflächen, einem Hufbeschlags-Museum, dem schön sanierten ehemaligen Bahnhof, wunderbar renovierten Industriebauten (Eric Kleer) und als Krönung einer wilden Sperrmüll-Halde. Der Unrat liegt auf Gelände der RAG, die will sich laut Förderverein bald um die Entsorgung kümmern. Dann soll in diesem Bereich mit den blauen Seilscheibengerüsten ein kleiner Park entstehen. Im Gespräch ist auch eine Handwerkergasse, dort, wo eine große Halle abgerissen wurde. „Das könnte eine weitere Attraktion werden“, meint Zakrezewski. Schließlich besuchen den beliebten Naherholungsbereich Itzenplitz schon jetzt Tausende. Der Zweckverband Itzenplitz hat Zählungen gemacht: 8000 Leute kämen an einem schönen Wochenende an den „Lago Itzenplitz“. Durch die Nähe zum Erlebnisort Reden mit der touristisch hochattraktiven Bergmannsalm und den Wegeverbindungen rückt Itzenplitz weiter in den Fokus des Interesses.

In der Diskussion ist seit vergangenem Jahr bereits eine ganz besondere Kindertagestätte in der ehemaligen Elektromaschinenzentrale, in der den Kindern neben den üblichen vorschulischen Bildungszielen Industrie- und Waldkultur nahe gebracht werden könnte. Aber dieses Thema ist noch in der Prüfphase beim saarländischen Kultusministerium, wo ja mittlerweile auch der ganze Bereich Industriekultur angedockt worden ist.



Ein großes Thema sollen in diesem Jahr die Pingen beziehungsweise Schürfen sein. Bereits im 15. Jahrhundert bis nach dem Zweiten Weltkrieg haben die Menschen aus der Region an der Oberfläche Kohlen ausgebuddelt. Die Stollen waren nur so lang, „wie die Luft gereicht hat“ und sind meist längst eingefallen. Abgestützt wurde ja nichts. Geblieben sind rund 300 Löcher oder Mulden, die aus dem Waldstück hinter der ehemaligen Grube (1960 stillgelegt) eine Art Buckelpiste gemacht haben. So mancher Spaziergänger hat schon Bombeneinschläge fälschlicherweise dafür verantwortlich gemacht. In der Nähe des Premium-Wanderweges Pingenpfad will der Förderverein mit Hilfe der Neuen Arbeit Saar einige der Pingen so freilegen, dass ihre Ursprünge erkennbar werden. Auch Info-Tafeln mit QR-Code für die Handys soll es geben. Und Kunst am Wegesrand. Die Bildhauerin Astrid Hilt ist beauftragt, eine Stele zu kreieren, die eine Verbindung schafft zwischen Natur, Kohle und Bergbau. „Aber ohne die sonst so bergbautypischen Symbole wie Schlägel und Eisen“, will Zakrzewski etwas sehen, was in den Wald passt. Rundum soll eine kleine Anlage mit Bänken zum Verweilen einladen. Itzenplitz ist in der Tat ein Ort mit ganz vielen Möglichkeiten, der zurzeit sehr stark vom Engagement von Privatinvestoren profitiert. Und von Idealisten, wie den rund 110 Leuten im Förderverein.

Der Förderverein Historische Grubenanlage Itzenplitz trifft sich an diesem Freitag, 25. Januar, 19 Uhr, in der Ratsschenke in Heiligenwald (Pestalozzistraße 38) zur öffentlichen Mitgliederversammlung.