Minister Jost besucht historische Grubenanlage Itzenplitz: Itzenplitz-Förderer haben noch Ideen

Minister Jost besucht historische Grubenanlage Itzenplitz : Itzenplitz-Förderer haben noch Ideen

Umweltminister Reinhold Jost besucht historisches Gruben-Areal in Heiligenwald und hat viel Lob für privates Engagement.

Der Umweltminister hat an diesem Freitagmittag ein gutes Stück Zeit mitgebracht. Die braucht er auch. Denn um wirklich zu erfassen, was sich hier an der Grubenanlage Itzenplitz tut, muss der geneigte Besucher schon ein paar Meter gehen, sanierte Gemäuer und schöne Natur auf sich wirken lassen. Der Förderverein Grubenanlage Itzenplitz hat Reinhold Jost eingeladen, zeigt ihm die alten Waschkauen und das verträumte Pumpenhaus im Itzenplitzer Weiher, verweist auf den Betsaal und die alte Lampenstube, auf die Pingen im Wald, wo Menschen schon im 14./15. Jahrhundert Kohle an der Oberfläche schürften. Es ist heiß an diesem Freitag mitten in den Sommerferien. Leute vom Förderverein, Bürgermeister Markus Fuchs, die Ortsvorsteher Christina Baltes und Klaus Gorny, Eric Kleer, der viel Herzblut und handwerkliches Können investiert in die Sanierung der Waschkauen, Nachbarn und eben der Minister mit einem Mitarbeiter treffen sich vor den alten Waschkauen.

Von einer „Premium-Grubenanlage“ spricht Rüdiger Zakrzewski vom Förderverein. Ein gewöhnungsbedürftiger Titel, der aber gesichert hat, dass das Land das Areal nicht vergißt. 27 Standorte wurden 2013 analysiert und vier schließlich als Premiumstandorte ausgewiesen, weil sie besonders erhaltenswert schienen. Neben Itzenplitz die Gruben Camphausen, Velsen und Luisenthal. Wer erst einmal in Heiligenwald von der Itzenplitzstraße runter und am Autohaus vorbei ist, der braucht kein „Premium“, um die Besonderheit des Ortes zu begreifen. Fünf Millionen Euro, erläutert Zakrzewski, sind mittlerweile in das Gelände und seine Gebäude geflossen. Die Waschkaue, vor der sich die Runde mit Minister zum Auftakt des Freitagnachmittagsspaziergangs einfindet, war vor ein paar Jahren fast eine Ruine. Dach kaputt, drinnen alles vermüllt. Zwei der drei Kauen sind heute saniert. Eine Investition von rund 1,5 Millionen Euro, und das bis auf etwa 200 000 Euro öffentlicher Unterstützung privat gestemmt. Die sanierten Gebäude bieten 400 Quadratmeter Wohn- und 1600 Quadratmeter Gewerbefläche. Sechs Mieter haben dort derzeit ein Domizil, vom Friseur bis zum Familiennachbarschaftszentrum. Möglich gemacht hat das Eric Kleer. Der Zimmermann hat die drei Gebäude  erworben und mittlerweile bis auf das Gemäuer an der Straße grundlegend saniert. Wofür es von Zakrzewski wie vom Minister ein dickes Lob gibt. Auch auf kleinere Objekte wie den Betsaal der königlich-preußischen Bergbehörde von 1868 (noch als evangelische Kirche genutzt) und die alte Lampenstube von 1909 verweist der Fördervereins-Sprecher. Auch hier sind es privates Geld und Planung, die den Erhalt möglich machen.

Die alte Halle, die hinter den Waschkauen in Richtung der Fördertürme stand, ist mittlerweile verschwunden. Die Gemeinde, erläutert Bürgermeister Fuchs, hat sie gekauft und abgerissen. Und damit auch die düstere Atmosphäre beseitigt, die dort lange herrschte. Eric Kleer zeigt der Gruppe das Dachgeschoss einer Waschkaue und sperrt gegenüber die Tür auf in das Pendant zur Straße, das noch im Originalzustand ist. Das 110 Jahre alte Gebälk sieht noch gut aus. Der Vergleich der beiden Häuser macht aber auch dem Laien klar, was es bedeutet, einen solchen Standort wieder aufzumöbeln. Minister Jost lobt die Gemeinde Schiffweiler, die den Entwicklungsprozess positiv begleite, aber insbesondere die Leute, die vor Ort die Ärmel hochkrempeln. Es sei „aller Ehren wert“, wie sich die Grubenhäuser seit seinem letzten Besuch vor drei Jahren entwickelt hätten. Was er in Heiligenwald vorfinde, sei ein „starkes Stück Heimat“.

Von den Waschkauen geht es vor die alten Fördergerüste. Jost setzt sich gegen die sengende Sonne einen zerbeulten Strohhut auf den Kopf. Wer kann, findet unter Bäumen ein bisschen Schatten. Das Gelände steht unter Bergaufsicht. Am Zaun erläutert Heiligenwalds Ortsvorsteher Gorny, die Bergbaurelikte bedürften dringend eines neuen Anstrichs. Damit dürfe man nicht mehr allzu lange warten. Zakrzewski erinnert daran, dass dieser älteste noch stehende Förderturm des Landes Baujahr 1863 sei. Und hinter den Türmen, vom Wald verschluckt, befinden sich weitere alte Gebäude, die zu erhalten sich lohne.

Den Abschluss der Tour (vorm gemeinsamen Kaffee) führt in das Pumpenhaus auf dem Weiher. 110 Jahre alt, hat der Förderverein vier Jahre in seine Renovierung gesteckt. Und dabei 50 000 Euro investiert. Zakrzewski nennt es ein „Unikat im Bestand des deutschen Bergbaus“. In diesem Unikat habe sich ein paar Stunden zuvor noch ein Paar das Jawort gegeben. Denn was der Förderverein nicht will: Aus dem Gelände ein Museum machen. Die Anlagen und Häuser sollen bespielt werden und für die Bürger zugänglich sein.

Ideen gibt es viele, wie es am Itzenplitz weitergehen kann. Bürgermeister Fuchs spricht von einem Kindergarten, der in der alten Elektromaschinenzentrale entstehen könnte. Ortsvorsteher Gorny sagt, der Förderverein habe in den zehn Jahren seines Bestehens vielleicht zehn Prozent dessen realisiert, was er gerne machen würde, nimmt man die privaten Initiativen wie die von Eric Kleer heraus. Gornys Part sei es, den Gedanken der Förderer an die nächsten Generationen weiterzugeben. Und was wäre so ein Minister-Besuch, wenn er nicht noch ein paar positive Impulse setzen würde. Jost sagt dem Förderverein Unterstützung zu. Denn der will der Öffentlichkeit die Pingen im Wald besser zugänglich machen.

Der Himmel sieht mittlerweile nach Sommergewitter aus. Aus dem Pumpenhäuschen raus steuert die Gruppe auf den Tennisclub zu für ein Abschlussgetränk. Der Minister hat für seine Visite tatsächlich ausreichend Zeit mitgebracht.

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