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In Landsweiler-Reden zogen zwei Reiterinnen an St. Martin durch die Straßen

Sankt Martin : St. Martin(a) kam im Doppelpack

In Landsweiler-Reden zogen zwei Reiterinnen in Erinnerung an den Heiligen durch die Straßen.

Für Emely wäre es der fünfte Martinsumzug ihres fünfjährigen Lebens gewesen. „Das hat so Tradition“, bestätigte ihre Mama Sarah. Aber dieses Jahr ist nun mal alles anders. Landauf, landab wurden die traditionellen Umzüge gestrichen. Stattdessen rief die evangelische Gemeinde zum Schmücken der Treppenstufen vor der Herz Jesu Kirche auf. Dort brannten am Dienstagnachmittag bei Anbruch der Dunkelheit dutzende Kerzen. Pfarrerin Wiltrud Bauer trug an einem langen Stab eine ganz besondere, filigrane Holzlaterne – ein Relikt ihrer Kindheit. „Die habe ich selbst mit fünf, sechs Jahren angefertigt“, äußerte die Pfarrerin. „Ich hab wochenlang gesägt. Mein Vater machte als Werklehrer öfter so etwas mit seinen Schülern.“

Emelys Spinne besteht zwar „nur“ aus Pappe, ist dafür aber besonders originell, da die Beine gleichzeitig eine Art Korb für die Kerze bilden. Im Kindergarten hat man sich einen schönen Ersatz für den ausgefallenen Umzug ausgedacht, erzählte Sarah Brill. So durften die Mädchen und Jungen diesmal ganz lang im Kindergarten feiern, „bis 18 Uhr“. Intern gab es auch einen Mini-Lampionumzug.

Doch zunächst wartete Familie Brill am Vorabend des 11. Novembers an der Mündung Illinger Straße unterhalb der Kirche geduldig auf St. Martin. Was gleich doppelt belohnt wurde. War doch in Landsweiler-Reden nicht nur ein Heiliger mit Helm und rotem Mantel hoch zu Ross unterwegs, sondern auch noch sein Zwilling: St. Martina I und II, wenn man so will. Kurz hintereinander führten ihre Routen an Herz Jesu vorbei.

„Sie reiten nicht durch unsere Straße, deshalb sind wir hierher gekommen“, erklärte Sarah Brill. Tochter Emely zeigte sich bestens informiert über Martin von Tours: „Er hat den Armen zu essen gegeben. Und seinen Mantel hat er durchgeschnitten, mit dem Schwert, um denen zu geben, wo kalt haben.“ Sie selbst war warm eingepackt – und all zu lange dauerte es nicht, da war das Blaulicht des Feuerwehr-Begleitfahrzeugs des ersten Trupps schon zu sehen.

Organisiert und vom Ordnungsamt absegnen lassen hatte das Ganze Markus Weber, Rektor der Landsweiler Grundschule. „Normaler Weise wären wir ja mit den Kindergartenkindern und unseren Schülern zur Kirche gezogen.“ Um den Martinstag 2020 nicht ganz sang- und klanglos verstreichen zu lassen, rief er bei Familie Marx durch. „Die Mutter ritt früher immer mit“, diesmal sagte Luzie Marx zu, „eine ehemalige Schülerin“. Für ihr erstes Mal holte sei gleich noch ihre Freundin Isabelle Schmitt mit ins Boot. „So konnten wir fast ganz Landsweiler abdecken“, freute sich Weber, der selbst zu Fuß mit ging. „Wir waren zwei Stunden unterwegs.“ Die Reaktionen fielen größtenteils positiv aus: „Die Kinder haben Lieder gesungen“ und natürlich wurde das schöne Fotomotiv fleißig geknipst. „Eine einzige Dame hat sich aufgeregt“, so Weber. Sie nannte den Umzugs-Ersatz „erbärmlich und bescheuert“.

Lena und Max Jacob aus Fürth haben nicht nur eine Laterne gebastelt. Von ihrem Fenster aus senden viele verschiedene Laternen ihr Licht in die Welt. Foto: Sabrina Jakob
Julia Karrenbauer aus Shhiffweiler-Heiligenwald ließ sich nur zu gerne mit ihrer Laterne fotografieren, hat sie sie doch selbst gebastelt. Foto: Annemarie Karrenbauer
Eine Fan-Laterne hat Philipp aus Hüttigweiler hier gebastelt. Sie ist dem großen Bären nachempfunden und würde dem FC Bayern München zur Ehre gereichen, oder? Foto: Michael Geselbracht
Diesen schönen Roboter hat Luca Maximilian Lang aus Neunkirchen gebastelt. Und noch drei weitere Laternen, so teilt der Fünfjährige mit. Jeden Abend leuchten sie am Fenster. Und am Martinstag, da gab es noch ein Martinsfeuer mit den Eltern im Garten, es wurden Martinslieder gesungen, Martinsbrezeln gegessen und Kinderpunsch getrunken. Foto: Michelle Monique Lang
Diese wunderschöne Latrnendame mit roten Wangen hat Smilla Spaniol aus Ottweiler gebastelt. Foto: Smilla Spaniol
Diesen entzückenden, leicht bedröppelt guckenden Esel als Laterne hat uns Mathilde Thull aus Eppelborn geschickt. Weitere Fotos unserer Leser sind unten abgebildet. Foto: mathilde Thull

Was der dreijährige Henry, dessen Pinguinlaterne schon etwas matt auf der Straße schliff, zum Glück nicht hörte. „Warum geht der weg“, fragte der Kleine traurig, als St. Martina I und ihr Tross durch die Kirchenstraße weiter zogen. „Die anderen Kinder wollen St. Martin auch sehen“, lautete die Antwort. Und während ganz Schiffweiler langsam im Nebel versank, absolvierten die zwei Mini-Trupps im Andenken an den dritten Bischof von Tours tapfer ihre Runden.