Im Wald darf es chaotisch sein

Kaputte Wege, Abholzung, „Unordnung“ im Wald – die Kritik von Wanderern kennt Försterin Nina Dielschneider. Für manchen Ärger hat sie Verständnis, die moderne Forstwirtschaft hält sie aber für richtig.

Der Wald - ein Ort der Erholung und Ruhe, aber auch des Frustes. Zumindest bezeichnet sich SZ-Leser-Reporter Hans-Joachim Schmal als "frustrierter Wanderer ". Er drückt sich drastisch aus: Von Kindesbeinen an viel im Wald seiner Heimat unterwegs, müsse er zunehmend erleben, wie idyllische Landschaften zerstört werden. Der Waldbewirtschaftung des Saarforst-Landesbetriebes kann er nicht viel abgewinnen: "Die schönsten Flecken werden durch brutales Abholzen und Zerpflügen des Waldes und seiner Wege zerstört. Teilweise liegen die gefällten Bäume gestapelt über Jahre - nicht abtransportiert und inzwischen angefault - am Wegesrand und teilweise auf den Wegen." Wirtschaftlich nicht verwertbares Geäst bleibe "chaotisch" im Wald und am Wegesrand liegen, schwere Maschinen machten die Wege unbegehbar. Ein Beispiel sei der Wald am Nusskopf zwischen Landsweiler-Reden und Bildstock.

Das Areal gehört zum Revier von Försterin Nina Dielschneider. Und wenn sie auch einen anderen Blick auf das Arbeiten im Forst hat als der Wanderer , zeigt sie doch Verständnis für den Ärger über schlechte Waldwege und Holzpolter, die lange am Wegesrand liegen. Sie erläutert, dass ein Weg, der im unteren Bereich des Areals die Hauptachse bilde, sei in den Wochen vor Weihnachten saniert worden. Dazu kam erst die Schotterschicht runter. Da es zu dieser Zeit sehr nass war, blieb die Strecke über Wochen im Rohbauzustand. Dielschneider: "Das sieht dann besonders schlimm aus." Kurz vor Weihnachten ist er dann neu geschottert worden. Der Weg sehe wieder "um Welten besser" aus. Die anderen Pfade seien in vernünftigem Zustand. Die Försterin wirbt um Verständnis, dass sie jedes Jahr nur ein begrenztes Budget zur Verfügung habe, um die Wanderstrecken auszubessern. Im Wald seien auch schwere Maschinen zu Gange, die nichts mit dem Forst zu tun hätten. Ob Leitungen zu Angelweihern, Versorgungstrassen oder Schäden durch Bergbau - es gebe viel Verkehr, der den Wegen zusetze. "Es ist schwierig mit den Wegen, das muss ich zugeben", sagt sie.

Und auch Holzpolter, die lange am Wegesrand liegen, sind ihr ein Dorn im Auge. Hintergrund sei, dass Industrieholz-Käufer teils lange warteten, ehe sie ihre Stämme abholten. Da sie Bürgschaft hinterlegten, sei das Holz schon ihr Eigentum. Der Saarforst habe wenig Handhabe, könne nur hinterhertelefonieren. Und auch der Bedarf an Brennholz sei vor dem Hintergrund sinkender Energiepreise zuletzt zurückgegangen. Darauf werde Saarforst reagieren und das Angebot verringern.

An anderer Stelle widerspricht die Försterin allerdings kritischen Stimmen: Von einem Kahlschlag könne man nicht sprechen. Der Forst führe genau Buch über Zuwachs und Einschlag. Im Saarland wachse mehr Holz, als der Motorsäge zum Opfer fällt. Und auch das Chaos im Wald verteidigt sie. Dielschneider: "Wir wollen liegendes und stehendes Biotopholz im Wald. Das ist für ihn deutlich gesünder."

Den Tipp für diesen Artikel bekamen wir von Leser-Reporter Hans-Joachim Schmal aus Stennweiler. Wenn Sie Interessantes zu erzählen haben, hinterlassen Sie eine Nachricht unter Tel. (06 81) 5 95 98 00, mailen Sie an leser-reporter@sol.de oder nutzen Sie das Formular: www.saarbruecker-zeitung.de/leserreporter

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