Im alten Kloster zieht Leben ein

Jahrelang stand das alte Kloster in der Schiffweiler Klosterstraße leer. An das Projekt Wohnresidenz glaubte im Ort längst nicht jeder. Aber nun hat der östliche Gebäudetrakt ein neues Dach und eine neue Fassade.

Der Blick durch die Gaubenfenster hinaus auf den Striet ist wunderschön. Sattgrüne Wiesen, die Bäume des Kobenwäldchens - der Windpark an der B 41 fällt natürlich auch sofort in den Blick. Hier oben im ehemaligen Schiffweiler Schwesternhaus St. Franziskus, auch "altes Kloster" genannt, ist noch alles im Rohbaustadium. Das Dach ist größtenteils komplett neu, die dicken, frisch eingezogenen Holzbinder sind noch zu sehen. In ein paar Wochen verschwinden sie hinter Zimmerwänden.

Denn die Sanierung des östlichen Trakts des alten Gemäuers in der Klosterstraße, dessen zwei Teile viele Jahre leer standen und einen zunehmend verwahrlosten Eindruck machten, bevor die Bauarbeiten im vergangenen Jahr starteten, geht jetzt in die letzte Phase. Die Außenhülle ist saniert, das Dach dicht, im Inneren sind die Handwerker mit dem Ausbau beschäftigt. Sanitär, Heizung, Elektrik - die Baumaschinen sind überall zu hören. Ende des Jahres sollen bereits die ersten Bewohner einziehen können.

Hartmut Seffrin und Uwe Schlote haben das Gemäuer 2007 erworben. "Wir haben uns zugetraut, in diesem Bereich behindertengerechtes Wohnen anzubieten", erzählt Schlote. Die Schlote GmbH weist als einen ihrer Geschäftsbereiche den Bau von Pflegeheimen und Seniorenresidenzen aus. Natürlich brauche man Phantasie, wenn man ein Objekt mit 2600 Quadratmetern betrete, an dem der Zahn der Zeit genagt hat. Die beiden Herren brachten diese Vorstellungskraft auf. Seffrin ist Bauingenieur, Schlote Kaufmann. Die Internet-Seite des Unternehmens weist eine große Zahl von realisierten Projekten auf.

Schiffweiler Bürger beäugten die ersten Plakate am Kloster vor einigen Jahren kritisch. Denn es wurde schnell wieder ruhig um das Vorhaben, aus den zwei Gebäuden (früher mit Verbindungsgang) eine Wohnresidenz zu machen. Schlote berichtet, zunächst sei ein Vertriebspartner mit an Bord gewesen, der in finanzielle Schieflage geriet: "Das hat uns ein Jahr gekostet." Und dann war da noch die Sache mit dem Steuerrecht. Das alte Kloster ist Sanierungsgebiet. Wer die steuerlichen Vorteile einer Abschreibung nutzen wolle, müsse den Auftrag zum Sanieren selbst geben, erläutert Schlote. Deshalb habe das Unternehmen erst mit der Sanierung begonnen, als der größte Teil der Wohnungen verkauft war und die neuen Besitzer in den Genuss der steuerlichen Vorteile kommen konnten.

In dem östlichen Trakt entstehen 20 Wohnungen. Verkauft sind davon 16, die Schlote GmbH will die restlichen vier selbst behalten und vermieten. Den anderen, zum Altenheim St. Martin gelegenen Trakt haben Schlote und Seffrin komplett verkauft. Auch dort wird schon seit einiger Zeit gearbeitet. "Es wird dort viel schneller gehen", sagt Schlote. Interessenten sähen jetzt, wie das Ganze Gestalt annimmt. Das mache es Kaufinteressenten leichter, eine Entscheidung zu fällen. Einen rascheren Fortgang hätten sich Seffrin und Schlote auch gewünscht. "Als wir das Objekt erworben haben, waren noch alle Fenster drin", sagt Seffrin. Dann kamen die Vandalen. Unbekannte feierten Partys in dem leeren Gebäude und zerstörten dabei, was ihnen unter die Finger kam. Seffrin erklärt, das alte Treppenhaus aus Holz habe man erhalten wollen. Doch die Eindringlinge hätten es zerstört. Jetzt ist neben dem Schacht für den künftigen Aufzug eine Betontreppe im Haus.

Eine besondere Wohnung entsteht am Ostende des Hauses, wo früher die Kapelle war. Die alten, sehr hohen Fenster haben die Bauherren erhalten, indem sie anstelle zweier Stockwerke ein kleineres Zwischenstockwerk eingebaut haben. Von dort sieht man auf das Wohnzimmer und die Fenster.

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Hintergrund Das Schwesternhaus St. Franziskus in der Schiffweiler Klosterstraße ist in den 1890er Jahren gebaut worden. Der östliche Teil ist der älteste, über die Jahre dehnte sich der Gebäudekomplex in Richtung Westen aus. Als Erinnerung an das Schwesternhaus ist nur noch eine kleine Gebetsstätte an der Straße erhalten geblieben. Fast 100 Jahre lang spielte das "Kloster" für die Menschen im Dorf eine wichtige Rolle. Anfangs waren Krankenpflege und Sterbebegleitung dort die Hauptaufgaben. Dann folgten die "Kinder-Bewahranstalt" und die Nähschule. Auch eine Kranken- und eine Geburtenstation wurden eingerichtet.red