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Gottesdienst im Auto gab es an Christi Himmelfahrt in Reden

Ein besonderer Gottesdienst in Reden : Gottesdienst-Besucher lassen Wünsche fliegen

An Christi Himmelfahrt feierten Gläubige in Reden gemeinsam, aber mit viel Abstand in ihren Autos.

„Willkommen Euch allen in den Autos.“ Pfarrerin Wiltrud Bauer war sichtlich gerührt: Gut 60 Pkws hatten sich am Feiertag um 11 Uhr vor ihrem mobilen Altar eingefunden. Bei einer Insassenzahl, die zwischen einer und vier Personen schwankte, kann man locker von 150 Besuchern ausgehen. Keine schlechte Quote für einen Gottesdienst an Christi Himmelfahrt. Besonders war er gleich in mehrfacher Hinsicht: So feierte die Evangelische Kirchengemeinde Landsweiler-Schiffweiler mit dieser Location eine Premiere. Zwar hat der Open Air Gottesdienst am Vatertag schon gute Tradition, allerdings oben auf der Alm, die diesmal nur als Kulisse diente. Zudem handelte es sich um den ersten Gottesdienst der Gemeinde nach dem Lockdown. Wie tief sie die ungewollte Pause getroffen hat, war unschwer herauszuhören, als Pfarrerin Bauer Rückschau hielt – auf Ostern in der leeren Kirche, das Osterfest „to go“ draußen vor der Kirche, ihr regelmäßiges Glockenläuten 10 und 19.30 Uhr als Angebot zum zwar räumlich getrennten, aber dennoch gemeinsamen Gebet, und die 40 „kirchfreien“ Tage, die nach Ostern noch folgten – bis Donnerstag. „Jetzt wollen wir nur noch, dass es aufhört“, sprach Wiltrud Bauer vielen aus der Seele und gab den Kurs für das „Danach“ vor: „Heute fahren wir los in Richtung Genesung und Neuanfang.“ Doch zuerst einmal galt es gemeinsam zu feiern, „mit Gott in unserer Mitte“ und in „jedem Auto“.

Mit ihr auf der Bühne zelebrierten Anna Ziegler von der katholischen Gemeinde St. Martin Schiffweilern und Presbyter Marc Hoffmann den Gottesdienst. Stimmungsvolle, lebendige Live-Musik steuerte Gitarrist Peter Knerner bei. Zwischen Bild und Ton von der Bühne mixte das Technik-Team der Heusweiler Firma Promotion Pictures immer wieder Videosequenzen auf die Leinwand, sogar einen Musik-Clip von Revolverheld „Lass uns gehen“. Für noch mehr Kurzweil sorgte die lokale Kunstfigur „Scherer Erwin“ alias Joachim Weyand. Der warb im blauen Hausmeisterkittel für die Aufrechterhaltung des Brauchtums auch unter erschwerten Bedingungen. So wird das Vatertags-Wägelchen einfach zwei Meter hinter sich hergezogen, „dafür muss man nur ein bissel ins Hohlkreuz“. Für den korrekten Gesichtsschutz sorgen zwei Spezialanfertigungen vom „Irmschen“: eine Maske „mit rundem Loch fürs Rostwürstle und eine mit Reißverschluss fürs Bier“. Wenn Mann dann noch regelmäßig mit Zwetschgengeist „desinspiziert“, steht dem Spaß „mit ein paar gudde Kamerad“ eigentlich nichts mehr im Weg, so Weyand. Was die Gäste mit einem Hupkonzert honorierten.

Während des Gottesdienstes waren die Besucher aufgerufen, per Handy kleine Botschaften und Fotos zum Thema „Der Himmel ist für mich … “ beizusteuern. Diese wurden am Ende gezeigt und schließlich Dutzende bunte Luftballons mit noch mehr persönlichen Botschaften fliegen gelassen. Womit sich schlussendlich auch noch das Tagesmotto „Schaut in den Himmel!“ erfüllte – ein dickes Kompliment an das Orga-Team, das dies alles minutiös vorbereitet hat. „Kein Virus kann unsere Verbindung zum Himmel in Frage stellen“, damit entließ Pfarrerin Bauer die gutgelaunte Festgemeinde in den Feiertag.