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„Gondwana gehört zu Reden“ - Der frühere Grubenstandort hat ein neues Management

Reden ist nach Meinung der Landesregierung ausbaufähig. Hier der Mosesgang in den Wassergärten. Foto: Rolf Ruppenthal
Reden ist nach Meinung der Landesregierung ausbaufähig. Hier der Mosesgang in den Wassergärten. Foto: Rolf Ruppenthal FOTO: Rolf Ruppenthal
Schiffweiler/Saarbrücken. Vor über einem Jahr wurde die Industriekultur Saar aufgelöst – seitdem fehlten dem mit Subventionen aufgepäppelten Strukturwandel-Vorzeigeort Reden Kompass und Kapitän. Jetzt gibt es einen neuen Standortmanager: Heinz-Peter Klein. Cathrin Elss-Seringhaus

Da weiß einer, wie's geht, will man meinen. Der Name Heinz-Peter Klein ist eng verknüpft mit zwei Saar-Erfolgsgeschichten: mit dem Ferienpark am Bostalsee (Center Parcs) und mit der Therme in Rilchingen-Hanweiler. Bei beiden Projektgesellschaften ist der Prokurist der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) Geschäftsführer. Nun hat das Wirtschaftsministerium ihm zusätzlich das Strukturwandel-Areal Reden anvertraut und ihm den Titel und die Alleinverantwortung als Standortmanager gegeben.

Klein soll langfristig die "Marke Reden " entwickeln und vermarkten. Doch im ersten, ganz praktischen Schritt, geht zunächst mal um Belebung und Bewegung. Dafür hat sich Klein, wie er der SZ sagt, Bespielungs-"Hoheit" ausbedungen. Sprich: In Zukunft entscheidet Klein, wer in Reden als Veranstalter zum Zuge kommt und wer nicht. Ein Budget von maximal 100 000 Euro steht ihm für 2015 zur Verfügung. Wobei die Liste der Events für 2015 bereits vor Kleins Berufung vorlag (die SZ berichtete). In Reden mischt sich nun also Bewährtes (SR-Sommeralm, Haldenlauf) mit Testläufen (Open-Air-Kino, Sport-Messe, Rock-Festival).

Klein sieht sich als "Koordinator" und "Steuerer" von Prozessen, Mitarbeitern und Akteuren. Eine enge Verzahnung mit der Tourismuszentrale des Landkreises Neunkirchen (TKN) ist vorgesehen. Für seine Tätigkeit könne er auf Personalressourcen der SHS zurückgreifen, so Klein. Das Thema Gebäudemanagement und Infrastruktur obliege weiterhin der früheren Projektentwicklerin Sandra Meyer. Sprich: Die neue Struktur für Reden gebiert keine neue Gesellschaft samt Apparat. Ob es ein Standortmanagement-Büro in Reden geben wird, ließ Klein offen.

Ist dies die von der Lokalpolitik geforderte intensive Vor-Ort-Verankerung? Zumindest beendet Kleins Bestellung ein Organisations-Vakuum samt Entwicklungs-Stillstand, das sich im Frühjahr 2013 nach Auflösung der Industriekultur Saar GmbH (IKS) auftat. Endet auch die Gondwana-Park-Dauerkrise, der Haldenmetro-Streit und die "Erbe"-Ausstellung-Wackelpartie? Solcherart Langzeit-Ziele sind eng verknüpft mit einer Neuausrichtung. Für Letzteres hat Klein den Konzept-Stein der Weisen noch nicht in der Tasche; es wäre verfrüht. Trotzdem hört man bereits jetzt klare Ansichten. Klein favorisiert eine Mischnutzung ohne klassisches Gewerbe und hält deshalb den Begriff des "außerschulischen Lernorts als alleiniges Label für zu wenig". Wenn überhaupt, möchte er Reden nicht auf Unterrichtslernen reduziert sehen. Klein schwebt eher Weiter- und Fortbildung vor. Auch sieht er die Urzeit-Ausstellung als "integralen Bestandteil": "Ich mache kein Entwicklungskonzept ohne Gondwana", sagt Klein. Wobei er nicht ausschließt, dass womöglich ein anderer Betreiber als Matthias Michael Kuhl, mit dem das Land in Streit liegt, das Prähistorium fortführen könnte.



Meinung:
Ist Knatsch programmiert?

Von SZ-Redakteurin Cathrin Elss-Seringhaus

Das Wirtschaftsministerium gibt Reden eine zweite Chance. Dies, obwohl der Standort als "ausentwickelt" galt und - wegen des "Subventionsgrab"-Vorwurfs - als politisch verbrannte Erde. Doch man erkannte: Das Verharren auf dem jetzigen Stand hätte zur Agonie geführt. Nun spielt den Retter ein Mann, dessen Vita belegt, dass er ein Händchen hat für die Verzahnung von privatem Invest mit öffentlichen Aufgaben. Bis zum Beweis des Gegenteils darf man das als Verheißung nehmen. Zweifel bestehen nur, ob Kleins Agieren, wie einst zu IKS-Zeiten, als Fernsteuerung erlebt wird. Die Lokalpolitik hatte sich einen Event-Manager mit lokaler Vernetzung gewünscht. Ist der Knatsch bereits programmiert? Nicht, wenn Klein schnelle Erfolge vorweist.