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Viele bunte Typen unterwegs: Es wurde wieder Fark - und wie ! ! ! ! !

Viele bunte Typen unterwegs : Es wurde wieder Fark - und wie ! ! ! ! !

Wenn ganz selbstverständlich bauchfreie Damen mit älteren Herren mit Zylinder durch die Gassen spazieren, wenn Stormtroppler und feengleiche Wesen Arm in Arm gehen - dann bedeutet das ganz klar: Es ist Fark. Drei Tage war es bunt auf dem Gelände der ehemaligen Grube Reden.

Der Umzug aus den Wassergärten nach oben auf das Gelände vor die ehemalige Dampfmaschine hat den Besuchern augenscheinlich ein bisschen Angst genommen. Viel mehr Besucher als früher so scheint es.  Mad-Max-Sumpfläufer Miriam Menelen aus Köln und Naturvolk-Mitglied Matthias Birringer aus München beispielsweise spazieren durch das Lager. Die meisten haben da wie beispielsweise Steven Bogdanovic „Trashman“ hier bereits seit Donnerstag ihr Zelt  aufgeschlagen. Auch Tim Luca Saur gehört dazu. Zu seinem Kostüm gehören Sprungstelzen. „Das macht Spaß und passt irgendwie hierher“, findet er. Seit zwei Jahren ist der 19-Jährige Endzeitler, wurde aber quasi hineingeboren. Seine Eltern leben das Rollenspiel seit Jahren. Grad spaziert eine seltsame Vierergruppe durchs Gelände. Das Bord-Crew-Mitglied und die drei Jawas gehören zur Gruppe der 501. Legion. Ob sie schon mal vorgeschickt wurden, um das Terrain zu erkunden? Schließlich findet traditionell am letzten Fark-Tag ein Kampf zwischen den Stormtroppern und Endzeit-Mitgliedern statt. 100 ihrer bundesweit 800 Mitglieder hat die Legion dieses Jahr bei der Fark. Von Anfang an kommt die German Garnison der Legion schon zur Fark. Ein Neuling allerdings ist Manuel Nau. Er ist einer der Jawas, dieser Wesen im Langen Mantel mit glimmenden Augen und blecherner Stimme, die an diesem Tag vor allem eines haben: heiß. So nutzt auch der Saarbrücker Nau gerne die Gelegenheit fürs Gespräch mit der SZ mal kurz die Kapuze zu lüften. Seit einem halben Jahr ist er Rollenspieler, findet es „toll und die Fark einfach klasse“.  Zum Foto parat für die Fotografen-Riege stehen in ihren Endzeit-Auto derweil schon seit geraumer Zeit Laura Lücke, Nenu und Kahn Oliver sowie Sandy Fae von der Gruppe Rust on Wheels.

Wer die Endzeit-Area verlässt, der landet wieder in der Straße mit den vielen Büdchen rund um alles, was mit Fantasy und Rollenspiel zu tun hat (oben) oder direkt auf dem Platz mit der Hauptbühne (Ausgang unten). Dort wird gerade gesungen, es werden noch mehr Musik, Tanz und Zauberei folgen. Schlusspunkt am Sonntag ist hier dann die Bekanntgabe der Spendensumme. Hier auf dem großen Platz mischen die Kategorien sich ganz wunderbar. Beliebtes Fotomotiv: Das Grayskull Castle aus Heman, zusammengebaut von den Senioren im veranstaltenden Verein Fit4Charitiy, Horst Prams und Werner Boudier. Auf der Treppe vor der Steampunk-Halle formiert sich die 501.Devision zum angekündigten Gruppenfoto, die Tanzgruppe Ashera and the Velvet Serpents üben nochmal das Hüfteschwingen.

Patricia und Robby, leidenschaftliche Steampunker aus Luxemburg, sind begeistert von dem bunten Treiben. Von der Fark haben sie durch einen Flyer erfahren, sind zum ersten Mal hier. „Diese bunte Mischung einfach super“, finden sie. Anna Scheffler kennt das Terrain und die Veranstaltung. Sie ist gebürtig im Kreis und extra zur Fark wieder hergekommen. Ihre Liebe zum Verkleiden hat sie bei der zweiten Fark entdeckt. Dieses Mal ist sie der gruselige etruskische Todesdämon - alles selbst genäht und zusammengestellt, am Sonntag dann ein kleines Hobbit-Mädchen. Selbst gemacht - das ist das Motto für die meisten Kostüme. Auch für das von Poison Ivy, die gerade die Allee entlangschlendert. Die Saarbrückerin hat sich einfach „in das Kostüm der Comicfigur verliebt“. Und weil Audrey 2, die Fleisch fressende Pflanze aus „Der kleine Horrorladen“ so gut dazu passt, wurde die gleich dazu gebastelt und dient sozusagen als Stab-Handtasche.

Stark vertreten wie jedes Mal. Die Steampunker. In der großen Halle gibt es alles rund ums Thema: zu erfahren, zu kaufen und zu bestaunen - alles Dampf betrieben, versteht sich. Auch zwei Herren aus der Schweiz tun dies: Sir James Volt und Jack MacCrail umgarnen Frau Dr. Huhn und sind begeistert. „Hier ist es einfach farktastisch“, ruft Volt. Das bestätigen sofort die Ludwigsburger Anett und Michi. Man erinnert sich: Die Dänin und der Deutsche haben bei der Fark vor zwei Jahren eine Steampunk-Hochzeit gefeiert. Jetzt sind sie nochmal da. „Aus Liebe zur Fark“ und mit der zehn Monate alten Tochter Cat, auf stilecht umgebautem Bobbycar. Die kleine Dame mit dem kecken Hütchen nimmt‘s gelassen, als es weitergeht in die sich immer mehr füllende Gasse. Hier demonstrieren grad Kai und Nicole aus Wellesweiler, dass Stormtropper nicht nur zur 501. Legion gehören. Sie sind Mitglieder des Imperial Order mit Stammsitz in Hamburg. Seit einem Jahr sind sie dabei. Da traut man seinen Augen kaum: Eine Miniaturausgabe der beiden kommt anspaziert. Stolz das Lichtschwert tragend, scheinbar resistent gegen jegliche Hitze: Die vierjährige Emma aus Riegelsberg. Mit dabei die Eltern, keineswegs im Kostüm. „Sie liebt das, wollte das unbedingt zu Fastnacht haben“, sagt die Mutter und der Vater bestätigt: „Sie ist absolut davon begeistert.“ Auf dem Platz zwischen Steampunk-Halle und Gondwana sind viele Zelte aufgeschlagen, hier herrscht Mittelalter vor. Banke laden zur kurzen Pause ein. Grad machen Die Habenichtse Musik. Hier hat sich auch die Gruppe Steampunk Expeditions Gesellschaft 2012 gemütlich eingerichtet, seit der Zweiten Fark regelmäßiger Gast. Ein paar Meter daneben wird geplantscht. Meerjungfrau Nina Gampfer zeigt, wie man mit Flosse richtig schwimmt. Wer erwachsen und fit genug ist, darf in den Container wechseln. Grad üben im Plantschbecken die siebenjährige Raya („hier geht grad ein Traum in Erfüllung“, verrät der Papa), die gleichaltrige Fiona und die neunjährige Lana. Noch ein Abstecher vorbei an den Cosplayern hin zu den Samurai, die sich zu 2015 vergrößert haben in jeder Hinsicht und das japanische Lagerleben bis hin zum typischen Essen demonstrieren, dann geht‘s trepprunter zu den Wassergärten. Unterwegs auf halber Höhe kämpfen in der Wrestling Area grad Mac Maham (der am Ende siegt) und Tim, der Bodyguard. Beim Jedermanns-Kämpfen am Morgen haben sich 15 Menschen getraut, verrät die Dame am Infostand.

Unten in den Wassergärten wird geshooted, was die Kameras und Handys hergeben. Auch Isidor und Juno aus Bayern sowie Ilja und Herr vom Bormbeck („dieses Mal inkognito als Dschinn“) aus der Schweiz dekorieren sich gerne bei den Seerosen. Die Steampunker kommen regelmäßig zur Fark, dann in speziellen Kostümen. „Die Fark ist anders, aber einfach grandios“, sagt Ilja. So entspannt es hier vorne ist, so aufregend geht es am anderen Ende der Gärten zu. Der Kostümwettbewerb steht kurz bevor. Auch Miriam Schnicker will mitmachen, als Mila Phylales aus Word of warcraft. Fan ist sie seit einem Jahr, hat 300 Stunden Arbeit in ihr Kostüm gesteckt und kommt extra aus Hamburg hierher. Nicht ganz so weit hatte es Pia Bergmann. Sie ist das zweite Mal bei der Fark, tritt dieses Jahr als Wettergott auf, „aus einem Anime, das ich immer nach der Schule geguckt habe“. Die 36-jährigie Rheinländerin Desiree tritt im beeindruckenden Kostüm des Drachen Alextraza auf, ebenfalls eine Figur aus „World of Warcraft“, die sie bewundert.

 Aussicht genießen in Lost Eden: Laura Lücke und Nenu auf dem Autodach, hinterm Steuer Kahn Oliver.
Aussicht genießen in Lost Eden: Laura Lücke und Nenu auf dem Autodach, hinterm Steuer Kahn Oliver. Foto: Jörg Jacobi
  Die Stormtrooper Kai und Nicole aus Wellesweiler  trafen die vierjährige Emma aus Riegelsberg.
 Die Stormtrooper Kai und Nicole aus Wellesweiler  trafen die vierjährige Emma aus Riegelsberg. Foto: Jörg Jacobi
 Zur  Rust on Wheels-Gruppe gehört dieser Poser.
Zur  Rust on Wheels-Gruppe gehört dieser Poser. Foto: Jörg Jacobi
 Miriam Schnicker aus Hamburg als Mila Phylales.
Miriam Schnicker aus Hamburg als Mila Phylales. Foto: Jörg Jacobi
 Anna Scheffler (rechts) mit Patricia und Robby.
Anna Scheffler (rechts) mit Patricia und Robby. Foto: Jörg Jacobi
 Wrestler waren erstmals bei der Fark eine Attraktion.
Wrestler waren erstmals bei der Fark eine Attraktion. Foto: Jörg Jacobi
 Frau Dr. Huhn aus Marburg umringt von den beiden Schweizern Sir James Volt (rechts) und Jack McCrail.
Frau Dr. Huhn aus Marburg umringt von den beiden Schweizern Sir James Volt (rechts) und Jack McCrail. Foto: Jörg Jacobi

Während hier unten gebibert wird wird in der Survival Road Schminke verbraucht wie dolle, werden Kleider zerschnitten, angebrannt und verschmiert: Aus Menschen werden Zombies, bereit für den späteren Zombie-Walk.Auch in der ehemaligen Bergwerksdirektion daneben ist einiges los: Hier werden Drachen bewundert, Gemälde beguckt, Infos zu Science-Fiction eingeholt oder in gleich zwei Sälen Autoren gelauscht. Wer dann beim Rauskommen noch Muße hat, der gönnt sich was: einen leckeren Farkbürger vielleicht?