Es geht eine Sammlung auf Reisen

Seit über 20 Jahren ist die Schiffweilerin Hannelore Seiffert nicht nur selbst künstlerisch aktiv, sondern sie sammelt auch. Keramikkunst aus aller Welt findet Platz in ihrem Haus. Ihre Fachkenntnis ist international gefragt. Ab Sonntag werden erstmals einige ihrer Sammlerstücke ausgestellt.

. Dem kleinen dicken Sumoringer läuft der Geifer aus dem Mund. Was die pralle junge Frau wenig kümmert. Selbstversunken genießt sie mit geschlossenen Augen sich selbst. Im Hintergrund der Szenerie "wächst" ungewöhnliche Vegetation. Zusammengestellt wurde sie von Monika Gass vom Keramikmuseum Westerwald. Zu sehen ist die Kombination aus drei Keramiken auf der Einladungskarte für die Ausstellung "keramoVIEL", die am Sonntag, 4. Oktober, 11.30 Uhr, eröffnet wird und gleich in zweierlei Hinsicht ein Novum darstellt. Denn erstmals seit langem wird hier eine Sammlung präsentiert. Und das - und hier kommt der Kreis Neunkirchen ins Spiel - ist die erste Präsentation der Sammlung Hannelore Seiffert.

Die Schiffweiler Keramikerin, lange Jahre Vorsitzende des Künstlerkreises Neunkirchen, gestaltet seit vielen Jahren nicht nur selbst. Bekannt ist sie mittlerweile weltweit für ihre ungewöhnliche und große Sammlung. Über 20 Jahre, seit 1992, trägt sie Stück um Stück zusammen. "Wichtig war mir immer, dass es Keramiken sind, die aktuell entstanden sind", erzählt Seiffert bei ihrem Besuch in der Redaktion. Mittlerweile darf es dann auch schon mal was sein, was schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat.

Mehr als 1000 Stücke von rund 400 Künstlern aus 30 Ländern hat die 72-Jährige inzwischen zusammengetragen. Die Kunstwerke sind dabei nicht in gesonderten Räumen ausgestellt. Sie sind überall im Haus zu finden. Damit alle auch wirklich Platz finden, musste allerdings schon zwei Mal vergrößert werden. Schließlich wächst die Sammlung weiter. Durchschnittlich um 50 bis 70 Teile pro Jahr. "Wenn man dabei bleibt, dann kann man eine Sammlung aufbauen, ohne dass man zu viel Geld in die Hand nehmen muss." Ihr eigenes Kaufverhalten hat sich in der letzten Zeit gewandelt. Mittlerweile kauft sie nicht mehr zwei, drei Stücke auf einer Ausstellung, sondern nur noch das Teil, das ihr wirklich ganz besonders gut gefällt. So ein bisschen Magengrimmen hat sie deshalb schon gehabt, als Anfang der Woche der Museumsbus gekommen ist, um die spezialverpackten Teile zu verladen. "Das ist zwar alles gut versichert, aber ja trotzdem nicht zu ersetzen." Alles sind schließlich Unikate und absolute Spitzenstücke. Dass Seiffert zu allen ihren 1000 Keramiken noch weiß, wo und wann sie sie erstanden hat, eine Geschichte dazu erzählen kann und natürlich die meisten der Künstler persönlich kennt - das versteht sich fast von selbst.

Insgesamt 75 Stücke aus 22 Nationalitäten sind es, die ab Sonntag bis 15. November im Museum im Westerwald zu sehen sein werden. Das Aussuchen, erinnert sich Seiffert, war gar nicht so einfach. Als Kuratorin Monika Gass im Hause Seiffert zum Auswählen der Stücke ankam, da hatte sie eine Liste dabei, auf der 60 Teile hätten aufgeführt werden können. Bei 88 hat sie dann aufgehört. Aus Platzgründen wurden nochmal Sachen rausgenommen. Für die übriggebliebenen wurde im Museum ein ganzer Flügel reserviert. Insgesamt 4500 Einladungen sind für die Vernissage verschickt worden - in alle Welt. Was kein Wunder ist. Schließlich hat Seiffert längst weltweit einen Namen in Keramik-Künstler-Kreisen. Nicht nur, dass sie regelmäßig für Fachzeitschriften - vor allem die amerikanischen wie "Ceramics International" und "Ceramics Art and Perception" - schreibt, immer wieder wird sie als Jury-Mitglied angefragt. Sie unterhält Kontakte zu Künstlern weltweit, vermittelt auch mal Ausstellungen, ist beliebte Anlaufstelle für Künstler von überall. Manche kommen regelmäßig, wenn sie im größeren Umkreis unterwegs sind. "Mittlerweile hat es sich rumgesprochen, mein bed, breakfast and art", lacht Seiffert. Viele der Kontakte kommen und kamen auch zu Stande durch die Mitgliedschaft in der internationalen Keramik-Akademie Genf. Der kann man nicht beitreten, man wird berufen. Und die eröffnet der ewig jungen Sammlerin ganz neue Möglichkeiten. Ideen genug hat sie jedenfalls. Inzwischen, so gesteht sie, macht ihr dieses Organisieren eigentlich mehr Spaß als das eigene Schaffen. Jetzt aber freut sie sich erstmal auf die Ausstellung ihrer Sammlung im Keramikmuseum Westerwald. Wenn so mancher aus der Heimat vielleicht den Weg dahin findet, das würde sie freuen. Sie selbst fährt erst zur Vernissage am Sonntag hin. Die Begrüßung macht dann Monika Gass, die Einführung gibt Beate Thiesmeyer, für Musik sorgen Peter Bongard und René Rösler. Bleibt noch der Titel. Die Ausstellung "keramoVIEL" fasst in einem Wort das Motto der Schiffweiler Künstlerin und Sammlerin zusammen: "Kunst gibt viel mehr als sie kostet."

keramikmuseum.de

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