Ein Triumph der Langsamkeit: Laxem

Viel Arbeit gab es am Donnerstagabend für die zahlreichen Helfer auf dem Vorplatz der Pfarrkirche St.Martin in Schiffweiler. Der Ortsrat hatte zum gemeinsamen Laxemkochen eingeladen, das turnusgemäß alle zwei Jahre neben der Pfarrkirche stattfindet.

. Mit der gemeinschaftlichen Herstellung dieser ganz besonderen Zwetschgenmarmelade soll ein alter Brauch zu neuem Leben erweckt werden. "Das Laxemkochen war früher ein großes gesellschaftliches Ereignis im Dorf", erklärte Ortsvorsteher Winfried Dietz. Als solches versteht sich auch das heutige gemeinsame Kochen der Marmelade. "Wir wollten diesen Brauch wieder aufleben lassen und mit einem wohltätigen Zweck verbinden", schilderte Dietz.

Seit 2006 wird alle zwei Jahre der "Original Schiffweller Laxem" von vielen Freiwilligen hergestellt, der Erlös geht in den "Laxemfonds". Mit diesem Geld soll Bürgern der Gemeinde Schiffweiler geholfen werden, die unverschuldet - beispielsweise durch einen Brand - in Not geraten sind.

In diesem Jahr wurden 1,2 Tonnen Zwetschgen zur Herstellung des Laxem eingesetzt, was nach Fertigstellung etwa 1000 Gläsern Marmelade entspricht. Doch bevor an ein Kochen der Früchte zu denken war, mussten diese erst entkernt werden. Dazu haben sich mehr als 50 freiwillige Helfer eingefunden, die - durch ein Zelt vor Wind und Regen geschützt - knapp zwei Stunden lang mit großem Elan die Kerne aus den Zwetschgen holten. Marcella Trehm war bereits zum fünften Mal beim Laxemkochen dabei und entkernte in knapp 120 Minuten gut 20 Kilogramm Zwetschgen . "Das ist mittlerweile zur Tradition geworden", stellte sie fest. Der Grund für ihr Engagement war schnell gefunden: "Es ist sehr schön für das Gemeinschaftsgefühl, man trifft immer Bekannte", sagte die Freiwillige während sie die Kerne aus den Früchten schnitt. Ortsvorsteher Winfried Dietz sieht dieses Gemeinschaftsgefühl als einen der Hauptgründe an, weshalb sich so viele Helfer beteiligten. "Es entsteht ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das man so heute nicht mehr kennt", sagte er. Gerade viele ältere Helfer hätten dieses Gefühl noch "von früher" in Erinnerung.

Guido Jung vom Arbeitskreis Heimatkunde sah dies ähnlich: "Früher haben Familien oder Bewohner einer ganzen Straßen zusammen den Laxem hergestellt, da nur begrenzt Kupferkessel zur Verfügung standen", erklärte er. Diese Zusammenarbeit förderte den Umgang der Menschen miteinander. Einen Unterschied zur Herstellung der Marmelade im Vergleich zu heute gibt es aber: "Da Zucker damals sehr teuer war, wurde der Laxem nur mit dem Fruchtzucker gekocht", schilderte Jung. Bis zu 24 Stunden musste die Masse kochen, bis das Wasser verdampft war. Der heutige Laxem, mit Zuckerzusatz, sei bereits nach 10 bis 12 Stunden kochen und rühren fertig. Eine weiter mühevolle Arbeit, die von Donnerstag bis Samstag von vielen Helfern übernommen wurde, bis alle 1000 Gläser Laxem abgefüllt waren.

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Auf einen Blick Noch an diesem Samstag werden auf dem Platz neben der Pfarrkirche St.Martin Schiffweiler die Laxemkessel angefeuert und die fertige Marmelade abgefüllt. Ein Glas des "Original Schiffweller Laxem" ist zum Preis von fünf Euro zu erwerben. Die "Hobbyköche " halten für die Besucher am Samstagnachmittag original saarländische "Bibbelschesbohnesopp" und leckerer "Quetschekuche" bereit. kev