Ein Schmuckstück glänzt wieder

Auf der Grubenanlage Itzenplitz wird am Samstag, 9. April, das Richtfest der restaurierten historischen Waschkauen gefeiert. Eigentümer Eric Kleer zeigte der SZ vorab, wie weit die Sanierung vorangeschritten ist.

. "Tränen in die Augen" kriegt der Großvater eines seiner ältesten Freunde, wenn er die restaurierte Waschkaue aus dem Jahr 1910 auf dem ehemaligen Grubengelände Itzenplitz betritt. Eric Kleer weiß, was im Opa seines Freundes, der 50 Jahre lang hier nach der Schicht geduscht und sich umgezogen hat, vorgeht. Es ist ein Gefühl großer Dankbarkeit, dass hier ein junger Mensch die Kraft, die Ausdauer und den Mut hat, ein Stück Bergbaugeschichte vor dem endgültigen Verfall zu bewahren. "Es war alles Schutt und Asche" verdeutlicht Eric Kleers Vater Norbert, in welchem Zustand sich der dreiteilige Waschkauenkomplex vor sechs Jahren präsentierte. Das könne man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Wie Sohn Eric selbst gelernter Zimmermann, hatte der Vater damals beim Anblick der vermüllten Ruinen gesagt: "Du haschd se nimmeh all. Awwer wenn ich 20 Johr jinger wär, würd' ich es genauso machen." Keine Frage, dass das Ehepaar Kleer den Sohn, der 2010 den Kaufvertrag für die Grundstücke abschloss, seither tatkräftig in seinem Großprojekt unterstützte.

Eric Kleer selbst hat nie gezweifelt. "Es ging auch alles so reibungslos", sagt der 38-jährige Vater eines Sohnes. Immer habe alles funktioniert, Stück für Stück, auch mit den Mietern. "Es geht immer weiter. Wenn es ein Problem gibt, muss man es lösen." Und es hat etliche Probleme gegeben. Nicht nur den Müll, der tonnenweise entsorgt werden musste. Die Gebäude waren in einem jämmerlichen Zustand des Verfalls. Viel habe nicht gefehlt und man hätte alles abreißen müssen, betont Kleer.

Unter ökologischen Gesichtspunkten und mit viel Liebe zum Detail wurden die Gebäude von Grund auf saniert und nach und nach an verschiedene Interessenten vermietet. Der Dachstuhl der großen Waschkaue, für den noch ein Mieter gesucht wird, wurde eins zu eins nach eigenen Vermessungen gebaut. Sei es die Verschalung oder die verzierten Pfostenenden in der Dachmitte - man spürt förmlich, dass hier viel Herzblut investiert wurde. Die vergangenen fünf Jahre habe er nichts anderes gemacht, als hier zu arbeiten, sagt Eric Kleer ohne Bedauern. Zum Glück blieb noch etwas Zeit, um eine Familie zu gründen, für die wenigstens an den Wochenenden Zeit abgeknapst wird. Für die baut Kleer - fast wie nebenher - noch ein modernes Nest in den alten Gemäuern. Im nächsten Jahr soll die Waschkaue, die zur Straße hin gegenüber dem alten Bethaus liegt, saniert werden. Ein weiteres Erbe des Bergbaus wäre damit gerettet. Doch damit nicht genug, als Vorstandsmitglied im Förderverein Itzenplitz hat Eric Kleer mit seinen Mitstreitern das "große Ganze" buchstäblich im Auge, nämlich den Förderturm und die Anlagen drumherum. Die Tagesanlage soll für Besucher auf Vordermann gebracht werden, das sei das nächste größere Ziel. "Wir sind uns alle einig, wo wir mit dem Ganzen hinwollen." Es gelte nun, die Akteure zusammenzubringen. Diese werden sich wohl beim Richtfest der restaurierten Waschkauen am 9. April treffen und Gelegenheit zum Gedankenaustausch haben. Dabei wird sicher auch zur Sprache kommen, welches "Schmuckstück im Denkmalbestand des Saarbergbaus" die Waschkauen geworden sind. Rüdiger Zakrezewski, der Vorsitzende des Fördervereins Itzenplitz, ist voll des Lobes für die "Kleersche Restaurationswerkstatt". Genau wie der Großvater des Freundes von Eric Kleer ist er beeindruckt vom Ergebnis der Arbeit. Ob auch Zakrezewski bereits die ein oder andere Träne im Auge hatte, ist nicht überliefert.

 Wer zum Itzenplitzer Weiher fährt, kommt an den historischen Waschkauen vorbei.
Wer zum Itzenplitzer Weiher fährt, kommt an den historischen Waschkauen vorbei.
 Saniert und außer dem 300 Quadratmeter großen Dachgeschoss auch bereits vermietet ist diese Waschkaue.
Saniert und außer dem 300 Quadratmeter großen Dachgeschoss auch bereits vermietet ist diese Waschkaue.
 Auch diese Waschkaue soll ab dem nächsten Jahr von Grund auf saniert und dann vermietet werden. Fotos: Heike Jungmann
Auch diese Waschkaue soll ab dem nächsten Jahr von Grund auf saniert und dann vermietet werden. Fotos: Heike Jungmann

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Hintergrund1910 wurde auf der Grubenanlage Itzenplitz eine zweiteilige Kaue (Belegschaftsbad) mit den notwendigen Verwaltungsräumen errichtet. Beide Kauenflügel wurden von einem weit gespannten Mansarden-Satteldach mit aufgesetztem Dachreiter als Belüfterkuppel abgeschlossen. Jeweils sechs breite Korbbogenfenster durchbrachen die Längswände. Später wurde den Kauen noch eine weitere Halle aus Klinkern angegliedert. Quelle: Förderverein Itzenplitz