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Gründung der Interessengemeinschaft zur Abwendung von Bergschäden
Die Angst vor Bergschäden ist groß

Solch hässliche Risse in den Wänden – das ist wohl der Alptraum jedes Hausbesitzers. Um Schäden möglichst zu verhindern, organisieren sich immer mehr 
Menschen in Interessengemeinschaften.
Solch hässliche Risse in den Wänden – das ist wohl der Alptraum jedes Hausbesitzers. Um Schäden möglichst zu verhindern, organisieren sich immer mehr Menschen in Interessengemeinschaften. FOTO: dpa-tmn / Andrea Warnecke
Stennweiler. Die neugegründete Interessengemeinschaft zur Abwendung von Bergschäden, IGAB Saar Ost, hat Bedenken, was die RAG-Pläne zur Grubenflutung bedeuten. Von Anja Kernig

Macht es Sinn oder nicht? Das war die Eingangsfrage der von Politikwissenschaftlerin und Volkswirtin Patricia Bauer initiierten Gründungssitzung im Gasthaus Zichlersch. 25 Bürger, die meisten aus Schiffweiler, aber auch aus Quierschied und Nalbach, waren der Einladung gefolgt. Was also genau soll es bringen, solch eine Interessensgemeinschaft ins Leben zu rufen? „Bisher sind Bergbaubetroffene im Ost-Saarland wenn überhaupt, dann nur punktuell durch den Haus- und Grundeigentümer-Verband vertreten“, argumentierte Patricia Bauer. „Aber es geht ja um viel grundsätzlichere Angelegenheiten“, allen voran die durch den unkontrollierbaren Austritt von Methan und Radon verbundenen Gesundheitsrisiken, mit denen bei einer Grubenflutung zu rechnen ist.


„Grundsätzlich stößt man bei der RAG, der Landesregierung und dem Bergamt auf eine Blockadepolitik“, was Informationen anbelangt, resümierte Bernhard Mommenthal aus Nalbach, der zusammen mit Manfred Reiter den Landesverband der Bergbaubetroffenen vertrat.

Er hält es für wichtig, „hier und jetzt eine IG zu gründen“. Bislang sei die Neunkircher Region in Sachen Anti-Grubenflutungs-Bürgerengagement noch „Terra incognita“, witzelte Mommenthal. Je mehr Unterstützer, desto größer der Druck. „Das soll eine richtige saarlandweite Dimension erhalten. Ich weiß, dass einige Herren jetzt schon nervös werden.“



Doch bevor man zu den Formalien kam, stieg man erst mal in die Diskussion ein. Dass diese zum Teil emotional wurde, liegt in der Natur der Sache. Denn „die Ängste sind da“, so Patricia Bauer. Der Mediziner Dr. Günther Jochum verwies auf einen SZ-Artikel, dem man entnehmen könne, dass auch ohne Flutung bereits Schwermetalle ins Grundwasser gelangen und von einer Trinkwasserverseuchung auszugehen ist. „Man weiß bis heute nicht, wie viele 1000 Tonnen hochgiftige Betriebsmittel verklappt worden sind“, ergänzte Mommenthal. Wogegen sich Saarberg-Mitarbeiter Harald Sauer verwehrte: Für alles habe es behördlich genehmigte Betriebspläne gegeben.

Und dann wurde sie endlich gegründet, die Interessengemeinschaft zur Abwendung von Bergschäden (IGAB Saar Ost) für den Bereich Landkreis Neunkirchen und Saarbrücker Land. „Die Zahl der Mitglieder hat sich bereits von 15 auf 20 erhöht“, informierte die frischgebackene Vorstandssprecherin Partricia Bauer am Tag danach. Sie lebt mit ihrem Mann in Stennweiler und pendelt beruflich nach Siegen. Dort betreut die promovierte Wissenschaftlerin ein Forschungsprojekt an der Universität. Als zweite und damit gleichberechtigte Vorstandssprecherin wurde Versicherungsfachwirtin Alexandra Cepusch gewählt. Sie leitet die Barmenia-Geschäftsstelle in Heiligenwald. Als Beisitzer konnte unter anderem auch Bürgermeister Markus Fuchs gewonnen werden, der im Vorfeld bereits seine Bereitschaft zur Unterstützung signalisiert hatte.

Fest steht auch schon das nächste Treffen: Am 21. März um 19 Uhr am selben Ort will man beginnen, Informationen zu sammeln und zu strukturieren. Als Arbeitstitel für den Abend ist „Die Entwicklung von der Ewigkeitslast zur Grubenflutung“ angedacht. Wofür Patricia Bauer ein Impulsreferat plant. Nähere Informationen erteilt sie unter E-Mail pakbauer@t-online.de.