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Die Aktion „Gabenzaun“ verteilt in diesem Jahr zu Ostern in der gesamten Gemeinde Schiffweiler.

Osteraktion in Schiffweiler : 220 Osternester für Kinder in Schiffweiler

Die private Aktion „Gabenzaun“ ist mittlerweile in vielerlei Hinsicht aktiv.

Nach der Premiere im vergangenen Jahr schlüpfte Sina Hitzler zum zweiten Mal in die Rolle des Osterhasen. Gemeinsam mit den Schülern aller Schiffweiler Grundschulen bastelte Hitzler 220 Osternester für Schiffweiler Kinder. Unterstützt wurde sie dabei von Nicole Hoffman, die einen weiteren Gabenzaun in Heiligenwald installiert hat, und ihrer Mutter Anja. In diesem Jahr durften sich, im Gegensatz zum letzten Jahr, alle Kinder aus der Gemeinde für ein Osternest anmelden. Dies ging über Social-Media-Apps, per E-Mail oder per Telefon. Bekanntgemacht wurde die Aktion im Gemeindeblatt und ebenfalls über Social-Media-Plattformen.

Gefüllt wurden die Nester mit Ostereiern und allerlei Süßigkeiten. Auch ein kleiner Osterhase durfte dabei nicht fehlen. Möglich wurde die Aktion, neben dem Engagement von Hitzler und ihren Helfern, auch durch die Spenden vieler Bürger und Gewerbetreibenden aus der gesamten Gemeinde. Hitzler: „Ich bin immer wieder sprachlos, wie groß die Hilfsbereitschaft der Schiffweiler Bürger ist. Auch nach einem Jahr“. Jedes Osternest wurde in Handarbeit mit dem Namen des empfangenden Kindes versehen. Damit die Corona-Abstandsregeln eingehalten werden konnten, wurden die Kinder vorab darüber informiert, wann sie ihre Osternester auf dem Hof ihrer Schule abholen können. Hitzler und ihre Helfer brachten alle 220 Nester in der Zeit von Ostersamstag bis -montag dorthin.

War die Aktion „Gabenzaun“, inzwischen gibt es einen weiteren in Heiligenwald, betreut von Nicole Hoffmann, eigentlich nur für eine Übergangszeit zu Beginn der Pandemie gedacht, hat sich diese Idee inzwischen als Dauerinstallation etabliert. Denn nach wie vor sind viele Menschen völlig unverschuldet in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Durch Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit fehlt in vielen Haushalten das Einkommen, das für den Lebensunterhalt benötigt wird. Vor allem alleinerziehende Mütter, die durch die Pandemie ihren 450-Euro-Job verloren haben und ältere Menschen mit geringer Rente, sind die Leidtragenden. Der Gabenzaun, früher am Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr in Schiffweiler, hat sich zu einer festen Einrichtung in der Garage Hitzlers gewandelt. Hier stehen Regale, die mit den bestellten Lebensmitteln befüllt werden und auch abgeholt werden können.

Das Engagement Hitzlers geht inzwischen weit über das Bereitstellen von Lebensmitteln, Kleidern und Haushaltsgegenständen hinaus. Die alleinerziehende Mutter kümmert sich auch um alltägliche Probleme von Hilfsbedürftigen. So hat sie beispielsweise für einen Jungen einen Drucker besorgt, damit dieser am digitalen Unterricht teilnehmen konnte. Hitzler: „Der Schüler hatte keinen Computer und musste seine Hausaufgaben mit dem Handy erledigen. Geld für einen Drucker war keins vorhanden. Der war aber notwendig, damit der Junge seine Hausaufgaben ausdrucken konnte.“ So oder so ähnliche Fälle häufen sich, berichtete uns Hitzler im Gespräch. „Ich werde auch immer öfter bei familiären oder schulischen Problemen angesprochen und um Hilfe gebeten. Die Menschen haben Vertrauen zu mir, obwohl oder gerade, weil ich von keiner offiziellen Behörde komme.“

Für ihren Einsatz bekommt Hitzler keinerlei finanzielle Unterstützung seitens der Gemeinde. Die Beschaffung von Lebensmitteln und sonstigen Dingen, erfolgt ausschließlich über Spenden. Selbst der renommierte und international bekannte Schriftsteller und Krimiautor Sebastian Fitzek (Passagier 23) ist auf die Aktion aufmerksam geworden und hat angeboten, Hitzler bei Bedarf finanziell zu unterstützen. Ihre eigenen Kosten, für Besorgungsfahrten, Bring- oder Abholdienste, bestreitet Hitzler aus ihrer privaten Tasche. Bleibt zu hoffen, dass die Bereitschaft in der Bevölkerung und der einheimischen Wirtschaft zur Fortführung der Aktion „Gabenzaun“ durch Spenden noch lange anhält. Denn Bedarf gibt es genug und wird es weiterhin geben. Auch nach Corona.