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Show und Wissenschaft
Der fliegende „Dracula“ aus der Urzeit

Mathias Michael Kuhl zeigt auf den Ornithocheirus. Die Nachbildung der prähistorischen Flugechse hängt in der Eingangshalle des Gondwana-Parks.
Mathias Michael Kuhl zeigt auf den Ornithocheirus. Die Nachbildung der prähistorischen Flugechse hängt in der Eingangshalle des Gondwana-Parks. FOTO: Thomas Seeber
Landsweiler-Reden. Im Gondwana-Park findet gerade eine Ausstellung über Flugsaurier statt. Das Museum ist stolz auf seinen Ruf. Von Claudia Emmerich

„Dracula“ geistert durch die Urzeit-Wissenschaften und die Medien. In einer Ausstellung über Flugsaurier im Altmühltal (siehe Info) wird eine rekonstruierte Flugechse präsentiert („Weltsensation“). Sie könnte eine Flügelspannweite von über zwölf Metern gehabt haben. „Dracula“ wäre ein hochgerechneter Rekordhalter. Die bislang größten bekannten Lebewesen der Lüfte spannten ihre Flügel auf bis zu zwölf Meter.


Zum Beispiel der Ornithocheirus. Eine Nachbildung hängt in der Eingangshalle des Redener Prähistoriums. Graue Haut, roter Kopf, schmale lange Schnauze mit Zahnreihen im Kiefer, perfekt geeignet zum Fischen. Diese Echsen flogen vor 145 Millionen Jahren durch die Lüfte, lernt man weiter, und waren weltweit verbreitet.

Von Rekord liest der Gondwana-Besucher über Ornithocheirus allerdings nichts, lediglich „sehr großer Flugsaurier“. Kann also nichts passieren mit „Dracula“. Aber wie schafft es das Prähistorium grundsätzlich, mit seinem selbstgesetzten Anspruch auf wissenschaftliche Genauigkeit immer auf der Höhe der Wissenschaft zu sein?



Mathias Michael Kuhl, Macher des Gondwana-Parks, bleibt ganz gelassen. „Man lernt, abzuwarten“, sagt der Mann, der in seinem Haus die Geschichte der Evolution vom Urknall bis heute stimmig erzählen will. „Es gibt ständig neue Meldungen“, schildert Kuhl im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Markt neuer oder vermeintlich neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse sei schon „hektisch“. Für ihn gelte umso mehr: „Gründlich überprüfen, Meinungen von anderen einholen.“ Sein Credo: „Warten auf die herrschende Meinung.“ Wenn sich etwas im wissenschaftlichen Diskurs durchsetzt, zur herrschenden Meinung wird, dann sei es belastbar. Zu schnelles Reagieren auf Neues könne für ihn heißen „kaufmännisch Geld verlieren und inhaltlich  blamieren“.

Kuhl sichert sich ab, auch mit eigenem Beobachten der Szene und mit persönlichen Kontakten: „Ich habe ein weltweites Beziehungsgeflecht an Wissenschaftlern.“ Auf deren Urteil vertraut er. Dazu gehören Dr. Andreas Braun, der schon die Aufbaujahre von Gondwana wissenschaftlich begleitete, Paläontologen-Kollege und Dino-Experte Professor Rodolfo Coria, der eng mit Kuhl und Gondwana verbunden ist, oder auch Professor Joachim Reitner, Chef der Paläontologischen Gesellschaft. Da Gondwana mehr zeigt als die Dino-Geschichte, ist auch das Experten-Netz inhaltlich und geografisch weit gespannt. Zu „Dracula“ jedenfalls fehlt noch eine herrschende Meinung.

„Ich zeige die große Linie“, sagt Kuhl über sein Erlebnis-Museum. Mit dem Anspruch detailgenauer und lebensechter Lebensformen und Öko-Systemen aus den Erdzeitaltern. Eine Schau entlang der „großen Linie“, so Kuhl, habe ein lediglich geringes Korrektur-Risiko. Da müsste es sich beispielsweise erweisen, dass es den Menschen früher gab als bislang angenommen und in Gondwana dargestellt. Einzelne Funde, die etwa Echsen größer werden lassen, fallen weniger ins Gewicht. Alles was er in Gondwana zeige und in Szene setze, sei bislang ohne jegliche Korrekturen durchgegangen: „Und wir stehen unter kritischer Beobachtung.“ Unter den Besucher seien Fachleute, auch Professoren mit ihren Studenten. Fehler in der Schau, „das wäre das Schlimmste“.

In diesem Jahr will das Prähistorium auch feiern: sein zehnjähriges Bestehen (2008 bis 2018).