De Baddis, mehr als Modellprojekt

Landsweiler. Immer morgens früh um sechs zieht Konrad Engel das große Eisengitter hoch, sperrt die Tür zu seinem Laden auf. Und das bereits seit 1988. Zuvor hatte es sein Vater Franz von 1947 an getan und davor der Opa, Matthias Baptist Engel, der 1902 in Landsweiler sein Kolonialwarengeschäft eröffnete. Von dem Gründer ist noch der Name übrig geblieben

Landsweiler. Immer morgens früh um sechs zieht Konrad Engel das große Eisengitter hoch, sperrt die Tür zu seinem Laden auf. Und das bereits seit 1988. Zuvor hatte es sein Vater Franz von 1947 an getan und davor der Opa, Matthias Baptist Engel, der 1902 in Landsweiler sein Kolonialwarengeschäft eröffnete. Von dem Gründer ist noch der Name übrig geblieben. "De Baddis" kennt in dem Lebacher Stadtteil jeder. Im Laufe des 108-jährigen Bestehens hat sich einiges geändert.

Für Mensch und Vieh

Matthias Baptist Engel bot in seinem Laden alles feil, was in irgendeiner Art und Weise zur Versorgung der Dorfbewohner notwendig war. Neben Lebensmitteln hatte de Baddis auch Medikamente - den Apothekerschrank hat Konrad Engel noch im Keller stehen -, stellte Kräutermischungen für kleine und große Unbefindlichkeiten her, bot Lesehilfen an, Spezialfutter fürs Vieh, alles für den Haushalt und den Handwerker. Es gab einfach alles. Diesem Prinzip ist Sohn Franz, der nach dem Zweiten Weltkrieg den Laden mit seiner Frau Marianne führte, auch treu geblieben. Sie haben das Angebot um Textilien erweitert. Und Marianne Engel erzählt bei unserem Besuch, dass sie es schon schwer hatten. Vor allem, bis sie das Geld für ein Auto zusammengespart hatten, damit ihr Mann immer nach Saarbrücken in die Markthalle fahren konnte, um die Lebensmittel zu kaufen. "Für ein Jahr hat mein Mann als Lagerarbeiter einen Job angenommen." Zusammen mit dem Schwiegervater hat sie sich in dieser Zeit allein ums Geschäft gekümmert.

Vom Gartenzaum bis zur Schubkarre, von Töpfen (auch Nachttöpfe) bis Pfannen, von Lampen bis zur Glühbirne, das Geschäft war mehr als ein Geschäft. "Zeitweise gab es in Landsweiler zehn Geschäfte", erzählt die Seniorchefin. Und heute gibt es in vielen Ort überhaupt keinen Lebensmittelmarkt mehr. Die Stadt Lebach beteiligt sich an dem Projekt "Wir leben hier, wir kaufen hier", das vor allem auf die Bedürfnisse von älteren Menschen eingehen solle. Firmen und Geschäfte sind aufgerufen, sich zu beteiligen. "Auch schon vor diesem Modellprojekt, haben wir dies getan", betont Konrad Engel stolz. Der 47-Jährige hat sich zwar von dem Verkauf von Futtermitteln und dergleichen verabschiedet, er legte einen neuen Schwerpunkt auf Service, was auch einen Partyservice miteinschließt. Ist jemand krank oder nicht mehr gut zu Fuß, ein Anruf genügt und der Konny bringt alles. Oder er fährt die Kunden heim. Dazu gehören auch Gäste, die das Bistro besuchen. Allen voran die Dienstagsmorgens-Kaffeetrinker. Die kommen seit zehn Jahren. Zwischen 12 und 15 Frauen und mittlerweile auch Männer treffen sich immer dienstags gegen 9 Uhr und frühstücken zusammen.

Dann wird in munterer Runde geplaudert, an Geburtstagen gibt's noch ein Sektchen und an Feiertagen hat Gretel immer ein kleines Präsent für alle. Was es an Ostern gibt, weiß die 68-Jährige noch nicht. Es ist ein munteres Grüppchen und Gisela betont ausdrücklich "wir sprechen nicht nur von Krankheiten". Von Anfang an dabei sind Lonie und Franziska, die beide 83 Jahre alt sind. Seit zwei Jahren gehört auch das Ehepaar Fries zur Runde. Die kommen eigens aus Aschbach. "So schön ist es hier."

Meinung

Den Krisen getrotzt

Von SZ-Redakteurin

Monika Kühn

Für das Modellprojekt "Wir leben hier, wir kaufen hier" haben Stadt Lebach, Umweltministerium und Handwerkskammer Geld in die Hand genommen. Vor allem die älteren Menschen sollen die Möglichkeit haben, in ihrem Ort oder in unmittelbarer Nähe alles Notwendige kaufen zu können. In Landsweiler ist das auch ohne Modellprojekt möglich. De Baddis hat mit seinem Warenangebot mehr als ein Jahrhundert allen Krisen getrotzt, ohne sich jedoch ständig auch auf neue Gegebenheiten und Kundenwünsche einzustellen.

Stolz zeigt Konrad Engel die erste Registrierkasse.