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Ilse und Günter Welker sind seit 70 Jahren verheiratet: Das Rezept fürs Glücklichsein

Ilse und Günter Welker sind seit 70 Jahren verheiratet : Das Rezept fürs Glücklichsein

Ilse und Günter Welker aus Heiligenwald sind seit 70 Jahren verheiratet und feiern heute ihre Gnadenhochzeit.

Mit einem verschmitzten Lächeln beugt sich Günter Welker zur Seite und gibt seiner Ilse einen zärtlichen Kuss. Der SZ-Fotograf musste nicht lange bitten, das „Küssje“ gibt der 93-Jährige seiner Frau auch nach 70 Jahren Ehe liebend gern. Am heutigen Dienstag, 15. Mai 2018, feiern Günter und Ilse Welker, geborene Dörr, ihre Gnadenhochzeit. Ein Jubiläum, das nur wenige Paare feiern können. Auf dem Balkon seines Hauses mit der gigantischen Aussicht auf die Halde in Reden erzählt das Ehepaar, wie es Höhen und Tiefen in all den Jahren gemeinsam gemeistert hat.

Ilse Welker staunt selbst ein bisschen über ihre eigene Geschichte. „Dass wir so alt geworden sind, dass wir unsere Enkel und Urenkel erleben dürfen, das ist ein Geschenk“, sagt sie dankbar. Sie erinnert sich genau an den Tag, als sie ihren späteren Ehemann Günter kennenlernte. Es war der Tag vor Buß- und Bettag im November 1946. Mit Freundin Irene lag die 19-Jährige, wie es früher üblich war, am Fenster des Elternhauses und schaute auf die Straße. Da kam der fast drei Jahre ältere Günter des Wegs. Eigentlich wollte er ins Kino. Er blieb aber am Haus in der Kaiserstraße 100 stehen, um auf der Treppenstufe sein Bein, das nach einem Unfall in Gips war, zu entlasten. Die jungen Damen und der 21-Jährige aus Landsweiler-Reden kamen ins Gespräch. Zwei Stunden lang. Die Kinovorstellung war längst zu Ende, und Günter verabredete sich für die Kinovorstellung am nächsten Tag. Mit Ilse und Irene. Denn die Freundin war bei allen späteren Verabredungen stets dabei. Sechs Wochen lang. „Bis mich der Günter fragte, ob wir nicht einmal allein ausgehen können“, erinnert sich Ilse schmunzelnd.

„Es war keine Liebe auf den ersten Blick“, antwortet Ilse Welker auf eine entsprechende Frage, es habe ein bisschen gedauert. „Sie war mir aber gleich sympathisch“, fügt Günter hinzu. „Erst Sympathie, später kam die Liebe. Und die ist bis heute geblieben.“ Die blauen Augen des 93-Jährigen leuchten bei diesen Worten. In der Kennenlernphase seien sie oft zusammen tanzen gegangen, zum Beispiel in die Heiligenwalder Turnhalle. Günter habe schon früher heiraten wollen, aber Ilse meinte: „Nee, ich hann noch Zeit.“

Im „Wonnemonat Mai“, am 15. Mai 1948, fand sie dann schließlich statt, die Hochzeit. Bei windigem, aber sonnigem Wetter. Zuerst standesamtlich im Rathaus Heiligenwald und ein paar Stunden später im evangelischen Bethaus dann die kirchliche Trauung. Es sei eine arme Zeit gewesen damals, erzählt Ilse Welker. Zigaretten habe die Familie gesammelt und nach Düsseldorf zur Tante gebracht, um dafür Mehl und Zucker für die Hochzeitsfeier sowie Stoff für das Brautkleid einzutauschen. Kurz vor der Hochzeit habe es dann alles gegeben ohne Bezugskarten, „aber da hatten wir nicht viel Geld“, berichtet Ilse Welker. Gefeiert wurde im Elternhaus von Ilse. In zwei Zimmern, die dafür ausgeräumt wurden. Es sei „ziemlich eng, aber gemütlich gewesen.“ Ein Bekannter habe mit seinem Schifferklavier Musik gemacht, dazu wurde auch auf engstem Raum getanzt.

Ilse, das Einzelkind mit vielen Cousins und Cousinen, heiratete in eine große Familie ein. „Das war der einzige Unterschied zwischen uns“, meint Günter. „Ich war das siebte Kind von insgesamt neun Geschwistern.“ Das junge Ehepaar zog in ein Zimmer in Ilses Elternhaus. Der Vater war durch die Arbeit unter Tage krank geworden, litt an Silikose und starb schließlich 1954. Sein Wunsch sei es gewesen, dass die Familie zusammen bleiben möge. „Und so haben wir’s gehalten“, betont seine Tochter heute. Der Zusammenhalt in der Familie sei ihnen immer wichtig gewesen, das bekräftigt auch Günter Welker. Das könne man schon als Rezept fürs Glücklichsein bezeichnen. Mit den Töchtern Birgit und Ulrike, den drei Enkeln und zwei Urenkeln und deren Familien blicken Günter und Ilse Welker auf ein arbeitsreiches, aber erfülltes Leben zurück. Günter sorgte zunächst in der Kokerei, später bei der Grubenbahn in Reden für das Auskommen. Große Sprünge waren nicht drin, aber die Familie war zufrieden, wenn sie Busreisen mit der Kreissparkasse nach Bayern oder Österreich unternehmen konnte. Einen Führerschein hat Günter Welker nie gemacht und dies nie bereut. Schließlich konnte er zu Fuß zur Arbeit gehen, und in ihrem schönen Zuhause in „Helljewald“ haben die Welkers die weite Welt nicht vermisst. Viel wichtiger war, dass die große Familie immer einen Anlaufpunkt hatte und hat.

 Ilse und Günter Welker am Tag ihrer kirchlichen und standesamtlichen Trauung – 15. Mai 1948.
Ilse und Günter Welker am Tag ihrer kirchlichen und standesamtlichen Trauung – 15. Mai 1948. Foto: Welker

Zum Abschied zeigt Enkelin Martina Puhl-Krapf die Fotos von der Hochzeit am 15. Mai 1948. „Da waren wir 70 Jahre jünger“, sagt Ilse Welker trocken. „Aber wir haben uns ganz gut gehalten“, meint ihr Ehemann. Und lächelt verschmitzt.