„Das Erbe“ macht wieder auf

Wegen eines Steins, der von der Decke fiel, war die Ausstellung „Das Erbe“ im Redener Zechenhaus seit Ende August geschlossen. Gutachter fanden keine weiteren Schäden. Nun soll es übernächstes Wochenende weitergehen. Doch wie lange noch? Die Grundsatzentscheidung, ob die Bergbau-Schau auch 2015 fortgeführt wird, lässt weiter auf sich warten.

. Bis auf Weiteres geschlossen - es gibt kaum eine fatalere Formulierung, wenn es um Kultur-Institutionen geht, sagen Experten. Denn Besuchswünsche würden nicht bis "auf Weiteres" abgehakt, sondern final. Doch seit dem 28. August sendete die Homepage der Bergbau-Ausstellung "Das Erbe" auf dem früheren Gruben-Areal Reden der Gemeinde Schiffweiler genau diese Botschaft. Die Begründung? "Ein wenig Putz" sei von der Decke gefallen, hieß es. Doch gar so harmlos war es dann doch nicht. Vielmehr war ein Betonzementbrocken von der Decke der Ex-Waschkaue zu Boden geknallt - eine Gefahr für Besucher, aber auch für Glasvitrinen und Exponate. Die landeseigene Strukturholding Saar (SHS), die für die Ausstellung zuständig ist, reagierte aus Haftungsgründen vorsorglich mit Schließung.

Gestern nun gab SHS-Geschäftsführer Thomas Schuck auf SZ-Nachfrage Entwarnung. Es handele sich nicht um ein grundlegendes Problem der Dach- und Deckenkonstruktion, sagte er. Bei Untersuchungen seien "keine nennenswerten Risiken" aufgetaucht. Am Montag finde eine letzte Begutachtung statt: "Wir gehen davon aus, dass wir kurz danach weitermachen", so Schuck. Die Kuratorin des "Erbes", Julia Hennings, hält das übernächste Wochenende (19./20. September) für realistisch.

Die SHS hat nach Aussage von Schuck eine schnelle, unbürokratische Problemlösung angestrebt. Die SHS ist Untermieterin des Landes, die die Räume wiederum vom Gondwana-Park-Betreiber Matthias Michael Kuhl gemietet hat. Der ist Eigentümer des Zechenhauses - und zugleich finanziell klamm. Das Wirtschaftsministerium teilt dazu mit, man sehe den Vermieter "in der Pflicht, die Mängel zu beseitigen". Kuhl argumentiere jedoch dagegen. "Das Finanzressort koordiniert nun das weitere Vorgehen", so ein Ministeriumssprecher. Laut Schuck will die SHS die Kosten der Begutachtung - etwa 3000 Euro - übernehmen.

Die SHS hat nach Auflösung der Industriekultur Saar GmbH (IKS) Anfang des Jahres die Betreuungsaufgabe für die Bergbau-Ausstellung übernommen, die 1,25 Millionen Euro kostete und 2012 mit der Option konzipiert wurde, eine Redener Dauereinrichtung zu werden. Etwa 500 000 Euro jährliche Betriebskosten fallen an. Doch die Schau mobilisiert weit weniger Menschen als erhofft. Im ersten Halbjahr 2014 kamen rund 17 000 Besucher. Wird es trotzdem 2015 weitergehen? Dazu hat die Landesregierung immer noch keine Grundsatzentscheidung gefällt. Schuck drängt auf eine zumindest "mittelfristige" Planbarkeit für drei bis fünf Jahre. Ohne eine klare Terminierung sei eine effiziente Vermarktung nicht möglich. Schuck hält ein Finanzierungs-Kooperationsmodell mit der RAG-Stiftung für wünschenswert - und machbar. Bereits in diesem Jahr habe sich die RAG mit rund 200 000 Euro beteiligt. Schuck: "Ich erlebe die Verantwortlichen in der Stiftung aufgeschlossen und interessiert."

Schuck sieht die Ausstellung "Das Erbe" allerdings nicht isoliert. Er hat die "Bespielung" des gesamten Zechenhauses im Blick. Für die Geologische Sammlung und das Bio-Dokumentationszentrum müssten "neue Präsentationsformen" gefunden werden, sagt er. Auch biete ein Ausstellungs-Austausch mit dem Deutschen Bergbaumuseum in Bochum zusätzliche Möglichkeiten. Das Erbe ist eine Ausstellung auf Abruf. Was tun mit dieser klug inszenierten Schau, die es nicht in die Herzen der Saarländer geschafft hat? Als Touristen-Attraktion war sie weder gedacht noch tauglich. 2014 gab die Landesregierung dem "Erbe" eine Gnadenfrist. Man drückte sich vor der Entscheidung, 1,25 Millionen Euro als einmalige Event-Investition verloren zu erklären und den "außerschulischen Lernort" Reden zu schwächen. Nach dem Motto: Schön war's, ungemein wichtig war's, aber jedes Jahr weitere Hunderttausende hinterher zu werfen - das ist in Sparzeiten unmöglich. Es sei denn, man findet andere Finanzquellen für ein Weitermachen. Zumindest so lange, bis das Zechenhaus so bespielt ist, dass es seine Funktion als "Herz" des Standortes erfüllt. Dann hätte "Das Erbe" seine Schuldigkeit getan.