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China liegt zurzeit in Schiffweiler

China liegt zurzeit in Schiffweiler

Herbert Dreisow ist ein Schaffer. In seiner Galerie in der Schiffweiler Hauptstraße hat er diese Woche über 60 Kunstwerke eines chinesischen Malers aufgehängt. Daneben stehen Keramiken von Hannelore Seiffert.

Drei große rote Wäschekörbe stehen direkt hinterm Treppenaufgang an der Wand. Darin eingewickelt jede Menge Wunderbarkeiten. Darin versunken die Schiffweiler Keramikerin Hannelore Seiffert. Berge kramt sie daraus hervor und Wolken aus Glas für drumrum, Regenschauer und Nebelschwaden, Wind, aber auch abstrakte gitterförmige Flächen. "Ich habe eingepackt, was ich dachte, was zur Ausstellung passen könnte, als Herbert Dreisow mich anrief." Gekannt hat sie die Bilder von Zou Junyuan bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht. "Ich dachte mir, die Keramiken von Hannelore Seiffert könnten die vielen Bilder wunderbar ergänzen", erläutert Herbert Dreisow.

Dreisow hat die Galerie Miteinander im vergangenen Jahr gegründet. Ziel: Die Bilder der Menschen mit Behinderung der Lebenshilfe auszustellen und zu verkaufen, zusammen mit Werken renommierter Künstler. Fünf Ausstellungen sind es bisher gewesen: im unteren Stock die Lebenshilfe-Künstler, im oberen die bekannten saarländischen Größen.

Nun aber müssen die Lebenshilfe-Bilder bis Oktober erst einmal abgehängt auf allerengstem Raum zusammenrücken. Der Chinese Zou Junyuan braucht Platz. Um die 60 zum Teil großformatige Bilder sind es, die an diesem Tag gehängt werden müssen. Noch sind die völlig unterschiedlichen Werke entlang der Wände drapiert, die beiden Künstler suchen gemeinsam Plätze dafür.

Ölgemälde gibt es da, teils abstrakt, teils mit chinesischen Schriftzeichen und Symbolen und knalligen Farben. Aber auch Werke, die an Miró erinnern. Dazu kommen Aquarelle in den unterschiedlichsten Größen. Auch hier viel Symbolik, viel Abstraktes, aber auch wunderbar Gegenständliches - wenn auch so manches erst auf den zweiten Blick erkennbar ist. Dann aber sieht man sie: Die Städte, Dörfer und Felder, umgeben von Wasser, und kann verstehen, dass gerade sie zu Dreisows Lieblingsbildern wurden. Wasser ist logisch, schließlich kommt der Künstler aus einer Stadt des Wassers, der kleinen pittoresken Wasserstadt Tongli nahe Suzhou, 100 Kilometer vor Shanghai .

Weit ist es von dort bis nach Schiffweiler . Eigentlich. Aber wie so vieles im Leben kam es auch zu dieser besonderen Ausstellung über seltsame Umwege. Dreisows Schwiegersohn Joachim Bockenheimer war 2005 bis 2010 dienstlich in China. Dort lernte er den Künstler kennen und schätzen und versprach ihm bei der Abreise, eine Ausstellung in Deutschland zu organisieren. 2013 war es dann so weit: Mit Unterstützung der China-Initiative Heidelberg zeigte er Gemälde am Konfuzius-Institut an der Universität Heidelberg . Mit großem Erfolg, wie Dreisow weiß.

Nach Schiffweiler passen sie ganz wunderbar. Schließlich lautet das Lebensmotto des Künstlers und damit auch der Titel der Ausstellung "In Search for the Understanding Mind" (zu deutsch: Auf der Suche nach dem verstehenden Geist) - wie geschaffen für die Idee der Galerie Miteinander also. In Heidelberg war allerdings nur ein kleiner Teil der Bilder zu sehen - die Ölgemälde, die vermutlich im oberen Stockwerk der Schiffweiler Galerie ihren Platz finden werden. Die anderen, die Aquarelle , die Wasserstädte, sieht man nun in Schiffweiler zum ersten Mal überhaupt in Deutschland. Kein Wunder, dass Dreisow stolz darauf ist. "Beim Auspacken habe ich immer wieder neue Überraschungen erlebt, war ganz begeistert. Das hat so viel Spaß gemacht."

Mit der Ausstellung hofft Dreisow auch, die Galerie bekannter zu machen. Zeit, Geld und Arbeit hat er seit über einem Jahr hineingesteckt, der Besuch war allerdings eher zurückhaltend. Mit Zou Junyuans Bildern soll sich das endlich ändern. Dass das gelingt, da unterstützt wie seit Anbeginn die Schiffweiler Künstlerin Hannelore Seiffert den engagierten ehrenamtlichen Galeristen mit Rat und Tat - und dieses Mal außer mit ihren Keramiken mit einem echt chinesischen Kimono. Der hängt im Schaufenster als echter Hingucker.

Als die SZ die Galerie in der Hauptstraße verlässt, sind auch die Wäschekörbe geleert und Hannelore Seiffert und Herbert Dreisow in intensive Diskussionen vertieft, wie sich Bilder und Keramiken am besten ergänzen.

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Zur PersonZou Junyuan wurde 1944 geboren, lebt in der Altstadt von Tongli bei Sozhou, 100 Kilometer außerhalb von Shanghai . Der Maler lernte Joachim Bockenheimer während des fünfjährigen China-Aufenthalts kennen. Zou Junyuan ist in chinesisch-traditioneller Malerei ausgebildet, malte bis zu seinem 60. Lebensjahr in dieser Technik. Westliche Kunst beeinflusst sein Spätwerk. Im Jahr 2013 stellte Zou Junyuan mit Unterstützung der China Intiative Heidelberg im Konfuzius Institut an der Uni Heidelberg aus. ji

 Ein echter alter chinesischer Kimono und eine Chinesen-Keramik von Hannelore Seiffert zeigen dem Vorbeischlendernden schon das Thema der Ausstellung. Rechts Herbert Dreisow.
Ein echter alter chinesischer Kimono und eine Chinesen-Keramik von Hannelore Seiffert zeigen dem Vorbeischlendernden schon das Thema der Ausstellung. Rechts Herbert Dreisow.
 Der Künstler Zou Junyuan hat bereits 2013 in Heidelberg ausgestellt. Foto: Bockenheimer
Der Künstler Zou Junyuan hat bereits 2013 in Heidelberg ausgestellt. Foto: Bockenheimer Foto: Bockenheimer
 Hannelore Seiffert ergänzt die Bilderschau mit ihren Keramiken.
Hannelore Seiffert ergänzt die Bilderschau mit ihren Keramiken.

Zum Thema:

Auf einen BlickPhilosophie der Galerie Miteinander in der Spieser Hauptstraße ist, wie es auf der Website heißt, die Schaffung eines Dialogs zwischen Kunst und Öffentlichkeit. Die Ausstellungsfläche geht über zwei Stockwerke und 200 Quadratmeter. Gegründet im Sommer 2013 von Herbert Dreisow, hat die Galerie es sich zur Aufgabe gemacht, gemalte Werke von Menschen mit Behinderung der Lebenshilfe professionell zu präsentieren. Die Werke kann man in der Galerie in hochwertigen Rahmungen erwerben, der Erlös kommt der Lebenshilfe zu Gute. Zusätzlich gibt es Wechselausstellungen namhafter Künstler. jiGeöffnet: Montag bis Freitag 17 bis 19 Uhr, Samstag 10 bis 12 Uhr.