Blumenwiesen als Streitobjekte

Ursprünglich waren sich alle einig: Einige Flächen in der Gemeinde Schiffweiler sollten seltener gemäht und nicht mehr gedüngt werden. Dadurch sollte mehr Natur in Dorf und Gemeinde gebracht werden.

. "Man darf nicht zart besaitet sein, wenn man erleben muss, wie ein ganz banaler Vorschlag ad absurdum geführt wird, wie aus einem einfachen Antrag auf extensives Mähen plötzlich ein hochtrabendes 'Bepflanzungsprojekt' wird." Das schreibt der Vorsitzende der Gruppe Schiffweiler des Nabu Deutschland, Peter Treitz, in einer Pressemitteilung zu unserem Bericht über die Sitzung des Stennweiler Ortsrates vom 6. November. Hintergrund ist Folgender: Bereits im März vergangenen Jahres hatte der Nabu an die Gemeinde plädiert, "ab diesem Jahr möglichst viele Grünflächen nicht mehr zu düngen und nur noch zweimal jährlich zu mähen". Das sei natürlich und billiger. In einer gemeinsamen Kampagne sollte die Bevölkerung informiert werden. Die Idee schien vom Natur- und Umweltausschuss akzeptiert zu werden, so Treitz.

Mit Schreiben vom 11. Dezember schlugen die ehrenamtlichen Naturschützer der Gemeinde sechs Flächen in den vier Ortsteilen vor, wo für die Öffentlichkeit gut sichtbar werden sollte, wie schnell und einfach "mehr Natur in Dorf und Stadt" zu bringen ist. Am 11. März überraschte der Bürgermeister den Nabu mit dem Gegenvorschlag eines "Konzeptes zur Umgestaltung der Grünflächen, um diese langfristig unterhalten zu können". Damit solle die Nabu-"Idee der Entwicklung von extensiven Mähwiesen aufgegriffen und ergänzt" werden. Wildblumensamen statt Mähreduzierung lautete die Idee. Der Nabu widersprach. "Wir warnen aus- und nachdrücklich vor unnötigen menschlichen Eingriffen in die von uns vorgeschlagenen 'Demonstrations-Flächen'", hieß es im März. Schließlich: "Die Blumenwiesen sind dort ja bereits vorhanden. Man muss sie nur zum Blühen kommen lassen." Sollte man das Mähen bis Ende Juni/Anfang Juli lassen, könne man eine blühende Landschaft sehen. "Ohne menschliches Zutun und kostenfrei für die Gemeinde." Durch die Ausführungen der Umweltbeauftragten in der Ortsratssitzung vom 6. November sieht sich der Nabu bestätigt. "Die Ursache dafür, dass das Säen nicht wunschgemäß funktioniert hat, lag nicht am fehlenden Regen. Das Saatgut hatte - wie vorausgesagt - einfach im hohen Gras keine Chance", meint Günter Kirsch vom Nabu Schiffweiler . "Und wieso sollen das nächstes Jahr besser sein?"

Jetzt habe man am Stennweiler Dorfplatz die Blumenwiese gemulcht und das Mähgut liegen lassen. So wurden viele Insekten vernichtet, und es gelangen mehr Nährstoffe in den Boden. Das sei kein Beitrag zur Artenvielfalt und das Gegenteil von dem, was auf der Infotafel suggeriert werde. Warum die Blumenwiese am Dorfplatz "öfter gemäht werden müsse", sei nicht nachvollziehbar.

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