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Leserbrief
Betriebsausflug statt Workshop

Zum Artikel „Nackter Asphalt ein Atmosphäre-Killer“ vom 18. August

Der Bürgermeister will am nicht einladenden Entree der Gemeinde (Schiffweiler) das optische Ortsbild verbessern. Studenten der Uni Kaiserslautern und ein „Atmosphäre-Check-Workshop“ sollten dabei der Gemeindeverwaltung auf die Sprünge helfen. Durchgrünung, Baumallee und Mittelinseln wurden dabei angedacht. Wenn man allerdings mit offenen Augen durch die Ortsteile geht, dann kann man auch ohne Workshop den Handlungsbedarf feststellen. Große Grünflächen, die vor Jahrzehnten immer gepflegt und gemäht wurden, bleiben jetzt übers ganze Jahr meterhoch und wild verwuchert als sogenannte Blumenwiesen für die Bienen liegen. Der Anspruch ist ja aller Ehren wert, nur Blumen wuchsen in diesem Gestrüpp noch nie – man spart sich aber die Mäharbeiten. Schaut man sich dann noch die gemeindeeigenen Bauminseln in verkehrsberuhigten Zonen und anderen Straßen an sowie die vor Jahren aufgestellten Blumenkübel, die nicht mehr gepflegt werden und teilweise zerbröseln, dann fragt man sich: Wie will die Gemeinde mit noch mehr Grünflächen fertig werden, wenn sie das Vorhandene nicht pflegen kann oder nicht will? Ich will nicht falsch verstanden werden, auch ich fände schöne und gepflegte Gemeindestraßen toll. Es reicht aber nicht, etwas mit Zuschüssen neu zu erschaffen, wenn man in der Folge die Erhaltungsarbeiten nicht stemmen kann. Es wundert mich nur, wenn ich in Frankreich durch die kleinen Dörfer im Elsass und in Lothringen fahre, die mit Sicherheit finanziell nicht besser gestellt sind, es aber schaffen, ein properes, mit Blumen farbenfrohes und gepflegtes Ortsbild zu präsentieren. Vielleicht sollte man, statt Studenten einer Uni zu befragen, mal nach Frankreich fahren (es ist ja nicht so weit) und sich dort Rat einholen. Ein solcher Betriebsausflug kostet bestimmt auch nicht so viel wie ein Workshop, und die Nachbarn in Frankreich würden sich sicher freuen.


Hans Joachim Schmal, Stennweiler