Kostenpflichtiger Inhalt: Fark auf der Halde in Reden : Wo Träume wirklich wahr werden

9000 Besucher schon am Eröffnungsabend des Fantasie- und Rollenspielkonvents, der Fark. Rekord, wie Organisator Benjamin Kiehn feststellen durfte. Insgesamt wurden es 55 000 Besucher.

Manchmal werden Träume wahr. Man muss nur Geduld haben. Und dann trifft man - schwupps - knapp 50 Jahre, nachdem man beschlossen hat, später mal nur einen Vulkanier, am liebsten Mister Spock persönlich, zu heiraten, eben dieses außerirdische Crew­mitglied von Raumschiff Enterprise höchstpersönlich. Kaum gealtert und fürs Foto bereit. So etwas kann nur an einem Ort passieren: Bei der Fark, dem Fantasie- und Rollenspielkonvent, in Reden. The German Spock, alias Jens Dombek, ist bekannt als das Alter ego des kühlen Vulkaniers. Der Berliner lebt die Rolle, war gerade erst in Kanada, in Vegas ( „da wird man im nächsten Jahr einiges von mir hören“), dann in Berlin. Nächste Station dann: Landsweiler-Reden. „Auf der Fark bin ich zum ersten Mal“, erzählt er im SZ-Gespräch. Man habe ihn eingeladen. Mit dem Flugzeug ist er am Tag zuvor angekommen, bleibt den Samstag und dann geht es zurück. Übernachtet hat er in Illingen. „Das ist schön hier, das gefällt mir, ein tolles Event – ihr habt einen schönen Planeten“, lacht Dombek alias Spock und kümmert sich dann um einen Stormtrooper, der vor der Kulisse von „Game of Thrones“ im Foyer von Gondwana eine ganz persönliche Erinnerung an das Zusammentreffen zweier Science-fiction-Welten haben möchte.

Draußen dampft derweil die Hitze. Das stört niemanden, denn wie schon am Freitagabend („9000 Besucher, das ist Rekord für den Eröffnungsabend“, sagt Benjamin Kiehn), ist auch an den beiden anderen Tagen Mensch an Fantasywesen unterwegs. Eine Herausforderung für die Crew des Veranstalters. Mitglieder des ausrichtenden Vereins Fit4Charity haben die Parksituation im Auge. 2000 Plätze mehr gibt es in diesem Jahr. Die sind jeweils schon um die Mittagszeit rar, die immerfreundlichen Vereinsmitglieder helfen beim Finden. Viel Lob gibt’s dafür auch auf der Facebook-Seite der Fark. Alle bleiben ruhig und gelassen. Freuen sich, dass sie sind, wo sie sind. Die Hitze ist sekundär. Sowohl für Christian aus Düsseldorf im kuschelig dicken Bärenkostüm, als auch für Sonja und Jenni. Die beiden Steampunkerinnen kommen vom Bodensee. Wie jedes Mal, wenn Fark ist, reisen sie an, treffen sich mit der großen Famile der Steampunker.

Der Themenbereich hat in diesem Jahr mehr Platz bekommen. Nicht nur die Halle mit ihren modischen Schnickschnacks, dem Amt für Ätherangelenheiten, singenden Zeitreisenden und sogar einem Hochzeitspaar, das sich hier trauen lässt. Die große Freifläche ist noch dazu gekommen, dort, wo vor zwei Jahren noch das Mittelalter war, steht nun Zelt an Zelt. Von Holger, Saskia, Stefan und Falko aus dem Ruhrgebiet beispielsweise von der Steampunk-Expeditions-Gesellschaft. Steampunk Maschinistinnen Petra von der Nordsee und Clara aus dem Ruhrgebiet sorgen derweil dafür, dass zumindest ein bisschen Abkühlung unters Volks kommt. Auf der Steampunk-Maschine, die die größte der Welt werden soll, stehen sie und spritzen Wasser, machen Seifenblasen. Die Wand der Maschine füllt sich während der Messetage Zahnrad um Zahnrad für den guten Zweck. Denn, man erinnert sich: Hier kostet es keinen Eintritt, es darf nach Belieben gespendet werden.

Das finden die Steampunker Michael und Beate top. Sie sind das erste Mal hier, kommen aus Karlsruhe. „Beide Daumen hoch“, sagt Beate, und Michael zeigt’s. Und auch Andreas und Sven aus Kassel, die sich gleich mit Christian aus Nohfelden zusammengetan haben, lieben die Fark. „Es ist einfach so toll, dass man hier alle Genre trifft, so viele verschiedene Facetten sieht. Da lohnt es, ein bisschen Urlaub zu opfern. Und in einem schönen Hotel sind wir auch untergebracht“, sagt Sven. Dann fahren Thomas und Susanne vorbei mit ihrem fahrbaren Kaufladen: „Bonbons, Schokokekse, alles für den guten Zweck!“

Träume werden wahr. 50 Jahre später trifft die Chronistin endlich Mister Spock, alias The German Spock, alias Jens Dombek. Foto: Ida Jacobi

Den Geldbeutel, den zücken die Besucher gerne. „Das ist so toll, was die hier auf die Beine stellen, sowas erlebt man doch nirgends sonst“, freut sich Carl aus Spiesen-Elversberg, und investiert gleich mal in ein paar Lose. Die große Tombola ist gespendet, das Geld fließt direkt ins Kässchen. Ein T-Shirt nimmt Carl mit nach Hause. „Das wird mich jetzt immer an die Fark erinnern.“ An Erinnerungen wird es wohl kaum einem Besucher mangeln, denn es wird fotografiert, was das Akku hergibt. Etwa 50/50 ist die Mischung gewandet/ungewandet. Ob in der Gasse der Untoten, im Endzeit-Lager Lost Eden oder ganz am anderen Ende, dort, wo sich die Fläche um Heidiland erweitert hat und wo die Star-Wars-Gemeinschaft und die Samurai zu finden sind, ob in den Lesehallen mit so renommierten Namen wie Wolfgang Hohlbein und Markus Heitz oder der Prowin-Akademie mit Vortragenden wie Robert Vogel oder Lieven L. Letaer, dem Klingonisch-Lehrer, ob vorm Becken der Meerjungfrauen am einen oder dem Kletterturm der THW Illingen am andern Ende – drei Tage lang sind die Massen geströmt, haben gestaunt, gekauft, gespendet und sich gewundert. Waren alle gerne mal „ganz farktastisch“, haben eine Gemeinschaft gebildet, niemanden ausgrenzt, so hatte Schirmherr und Ministerpräsident Tobias Hans am Eröffnungsabend die „lieben fantastischen Gäste, Elfen, Orks, Starwars-Fans und Cosplayer“ begrüßt. „Sie passen ganz hundertprozentig in unser Land.“ Und machte spendennmäßig mal gleich einen 2500-Euro-Anfang. Damit auch für kranke und bedürftige Kinder so manches Wunder wahr werden kann.

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