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Autokonzert am Zukunftsort Reden: Petra Williams und Die Höhner sorgten für Stimmung.

Kostenpflichtiger Inhalt: Autokonzert in Landsweiler-Reden : Schunkeln, bis das Auto wackelt

Petra Williams mit ihrer Band und Die Höhner sorgten ordentlich für Stimmung in Reden. Fans aus Kaiserslautern brachten besonderes Equipment mit, um zu etwas Konzertatmosphäre beizutragen.

Die sind ja mutig. Während anderswo die Risikogruppe konsequent die Wohnung hütet, reisen die Höhner, deren älteste Bandmitglieder die 60 lange überschritten haben, trotz Pandemie in der Weltgeschichte herum – um anderen Menschen Freude und, nötiger denn je, mal ein bisschen Abwechslung zu schenken. Damit die Anstrengung nicht ausufert, präsentierte man den 100 Autos und ihren schätzungsweise 250 Insassen beim Open-Air-Konzert in Reden abwechselnd Livesongs und eingespielte Video-Clips. Was öde klingt, aber letztlich bestens zur Örtlichkeit passte – schließlich ist der Platz am Fuße der Bergehalde mit einer 1A-Leinwand und entsprechender Technik ausgestattet, die selbst die Kölner Gäste überraschte: „So scharf hab ich mich selbst noch nie gesehen“, witzelte Frontmann Henning Walter Krautmacher. Sich immer mal wieder runter auf die Wiese trauend, attestierte der Sänger der Situation eine gewisse „Dreidimensionalität: Leinwand, Bühne und ich vermittel dazwischen.“

Als perfekte Eisbrecher hatten sich zuvor Petra Williams und ihre Band erwiesen. Mit sympathischem Saar-Pop aus ihrem Album „Johrelang“, gespielt von Herzen und auf Platt, punkteten sie bei den Zuhörern. Zum Dank für die „Geschichten ausm Läwe“ wurde ausgiebig gehupt. Einmal mehr, als die gebürtige Elversbergerin ein Autodach erklomm und sich dort oben feiern ließ.

Bester Stimmung war auch Joachim Harig aus Bexbach. Zusammen mit seiner Partnerin und zwei befreundeten Ehepaaren feierte er das erste Wiedersehen seit dem Lockdown – und zwar gebührend mit italienischem Fingerfood, Wein aus stilechten Gläsern, aber auch den unvermeidlichen Masken. Die musikalische Untermalung war da schon fast nebensächlich. „Hauptsache, man sieht sich noch mal. Das ist das Wichtigste.“ Corona und Ausgangsbeschränkungen haben ihm klar aufgezeigt: „Es gibt nichts schöneres als die Gemeinschaft.“ Woraufhin die anderen fünf nicken. Claudia Röhlinger und ihre Mann hatten das Prinzip „Autokonzert“ bereits in Blieskastel getestet – und für gut befunden. „Ich war erst skeptisch“, verrät die Heiligenwalderin. Aber siehe da: Das macht richtig Laune. Davon abgesehen war das Sextett sichtlich froh, mal raus zu kommen. „Wir wollen Spaß haben“, lautete das Motto des Abends.

Was die Hühner (auf Kölsch „Höhner“), oder eher Hähne aus Köln ähnlich sahen. Sie spielten einen bunten Mix ihrer Hits, übertragen auf 92,7 Megaherz per Autoradio in die ordentlich im Halbkreis vor der Bühne aufgereihten Fahrzeuge. Im Freien selbst war es für ein Open-Air Konzert sensationell leise. Kein Dröhnen aus überdimensionalen Boxen, dafür wurde in fast jedem der Wagen textsicher mitgesungen. Und dazu rhythmisch aufs Dach oder die Tür geklopft.

Bei Eva-Maria und Robert Brell darf es allerdings gern noch ein bisschen mehr Stimmung sein. Das extra aus Kaiserslautern angereiste Paar hatte bereits Autokonzert-Erfahrung und diverse Discokugeln, rotierendes Blaulicht, Leuchtstäbe und diverses anderes Equipment dabei. Fürs leibliche Wohl sorgten „Salzstängelchen“, Chips und Getränke. Leider sei man etwas spät gekommen, bedauerte Brell. Statt sonst in der zweiten Reihe reichte es diesmal nur zu einem der hinteren Plätze. Was die Sicht etwas einschränke: „Schade, dass die Bühne so tief ist.“ Dafür gab es von den Pfälzern ein dickes Lob für die LED-Wand. „Die ist klasse.“ Für die eingefleischten Karnevals-Fans ist das Autokonzert eine prima Konzert-Alternative in diesen seltsamen Zeiten. Ihrer Erfahrung nach kommt trotz eingehaltener Sicherheitsabstände Stimmung auf, spätestens wenn die Interpreten die Bühne verlassen und sich unters Blechvolk mischen.

Dass die Höhner in der Krise trotz abgesagter Touren und Jubiläum auch an andere denken, beweist ihr neuer Titel „Zeit für Menschlichkeit“, dessen Erlöse Obdachlosen zu Gute kommen. Gute Vorbilder für Hugo, der das Geschehen aus dem Autofenster lehnend verfolgt. Aus Illingen war der Neunjährige mit seinen Großeltern hergepilgert: „Die Höhner sind eine meiner Lieblingsbands.“ Gelohnt hat es sich allemal. Einmal mehr, als Keyboarder Micki Schläger bei „Anna Havanna“ dazu aufruft, „die Autos tanzen zu lassen“. Also Handbremse los und alle Mitfahrer unisono nach rechts und links schwingen – schon wackeln die Karosserien und nicht nur Micki ist happy.

Zum Autokonzert brachten sich einige Gäste auch richtig was mit fürs kleine Picknick auf dem Areal. Foto: Thomas Seeber

Höchste Zeit für die Brells, ihre neonfarbenen Tamburine zu zücken. Rhythmisch aus dem Autofenster geschüttelt, leuchten die grünen Rasseln in schönem Kontrast zur untergehenden Sonne im Rückspiegel. (> weiterer Bericht zu den Auto-Veranstaltungen auf Seite C 5)