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Aufbruchsignale für Gondwana: Anwalt des Urzeitpark-Betreibers kündigt Investitionen an

Landsweiler-Reden. Vor einem Jahr drohte der Gondwana-Erlebniswelt in Reden ein Kollaps. Jetzt hat sich das Blatt überraschend gewendet. Betreiber Matthias Michael Kuhl plant, die Ausstellung attraktiver und das Marketing professioneller zu machen. Cathrin Elss-Seringhaus

Rückzug? Schließung? Finanzieller Engpass? Monatelang dominierten diese Begriffe die öffentliche Debatte über den Urzeitpark Gondwana, den Matthias Michael Kuhl 2006 auf dem mit über 35 Millionen öffentlicher Gelder entwickelten Strukturwandel-Vorzeigeort Reden eröffnete. Von Beginn an hinkten Ausstellungsangebot wie auch Besucherzahlen hinter den Erwartungen her. Die Folge: ein unschönes Schuldzuweisungs-Pingpong-Spiel zwischen Landesregierung und Investor. Seit 2014 läuft sogar ein Rechtsstreit. Kurz: Die Zeichen standen auf Niedergang.

Umso überraschender muteten jüngst Signale an, die auf ein neues Gasgeben des Investors schließen lassen: Kuhls Sohn, ein Betriebswirt, sei oft vor Ort, hieß es. Außerdem suche Gondwana nach einem Marketingchef. Beides bestätigt Kuhls Sprecher, Rechtsanwalt Hans-Georg Warken: "Ich treffe in Reden einen Unternehmer, der vor Ideen sprüht und viel Energie in die Fortentwicklung steckt." Es werde "intensiv investiert, attraktiviert und verbessert". Woher hat der vermeintlich klamme Kuhl das Geld? "Die Mittel, die investiert werden, sind nicht von der Industriekultur Saar GmbH (IKS)", stellt Warken klar. Kuhl habe im Jahre 2015 rund 2,1 Millionen Euro aus privaten Mitteln in Gondwana gesteckt, unter anderem, um ausstehende Handwerkerrechnungen zu begleichen. Weder Kuhl noch das Praehistorium hätten sich jemals in finanziellen Schwierigkeiten befunden, lediglich die Baufirma Gondwana Invest, so Warken.

Als erfreuliches "Bekenntnis zum Standort" wertet die Vorgänge der Redener Standort-Manager Heinz-Peter Klein (LEG). Er hält Gondwana dort als einzigen "überregional ausstrahlenden Magneten" für wichtig. Klein begrüßt, dass jetzt in die Gondwana-Betriebsführung offensichtlich "stärker Fach- und Sachverstand" eingebracht werde. Und Klein berichtet von Kooperationswillen: Gondwana habe an einer Beiratssitzung aller Reden-Akteure teilgenommen: "Es gibt keine Abgrenzung mehr."

Warken seinerseits sieht Reden endlich auf "seriösem" Weg und hält das Konzept eines Event-Standorts für kompatibel mit dem Bildungsanspruch von Gondwana: "Erlebnisort und außerschulischer Lernort schließen sich nicht aus."

Wie passt diese neue Harmonie zum anhängigen Rechtsstreit? Das Land besteht auf nicht bezahlter Pacht von Kuhl, dessen Widerklage lautet auf über drei Millionen Euro. Den "ersten Pulverdampf" sieht Warken verraucht, ein jahrelanger juristischer Kampf sei weder für das Land noch für seinen Mandanten hilfreich, meint er. Auch hier: überraschende, friedliche Töne.



Meinung:
Selbstkritische Kurskorrektur

Von SZ-RedakteurinCathrin Elss-Seringhaus

Woher der Sinneswandel rührt und ob er hält, wir wissen es nicht. Jedenfalls tut Kuhl jetzt das, worauf Politik und Bürger lange warteten: Er bringt und hält seinen Betrieb aus eigener Finanzkraft auf Vordermann. Derzeit ist es noch unwägbar, ob es zu den angekündigten Investitionen kommt. Trotzdem gilt: Bereits die Botschaft zählt. Denn sie bläst die rufschädigenden Wolken des Niedergangs über dem Gondwana-Park weg. Auch genügt bereits Kuhls Wille zum Weitermachen, um Gondwana in den Köpfen wieder als verlässliche Größe zu verankern. Sprechen wir also nur von einer erfreulichen Stimmungswende? Nein. Von einem Umdenken. Kuhls Vorhaben lässt sich auch als selbstkritische Kurskorrektur deuten. Dass Gondwana nicht so gut lief, wie es das verdient hätte, das hing wohl auch an der Betriebsführung. Nun entlastet Kuhl sich selbst, verstärkt und professionalisiert das Team. Kluge, hoffentlich erfolgreiche Schritte.