24 Türchen für die Mama

Ein Adventskalender gehört seit dem 19. Jahrhundert zum christlichen Brauchtum in der Zeit des Advents. Die meiste Freude bereitet sicher ein selbst gebastelter und befüllter Kalender. In unserer Vorweihnachtsserie stellen wir die Ideen von SZ-Lesern vor. Heute sind wir bei Familie Eckert in Schiffweiler zu Gast.

Damit hatte sie nicht gerechnet. "Ich hab' gar nicht gewusst, um was es geht, als es plötzlich hieß: ‘Mama, ich habe eine Überraschung für dich'." Und für diese hat sich die zwölfjährige Lea Eckert aus Schiffweiler ganz schön ins Zeug gelegt. Ein selbst entworfener Adventskalender , wie sie ihn zuvor noch nie gebastelt hatte. "Die 24 Türchen zu falten, war nicht leicht", erzählt die Sechstklässlerin. Die Idee hatte sie vor ein paar Wochen in der Schule aufgeschnappt. Dort bastelten ihre Klassenkameraden einen Adventskalender für ihre Lehrerin. Einen, bei dem es im wahrsten Sinne des Wortes auf die "inneren Werte" ankommt. In Strümpfen hatten die Schüler Zettel versteckt, auf denen sie das verewigten, was sie an ihrer Klassenlehrerin schätzen. Dieses Konzept fand Lea genau passend und entwarf einen Kalender mit Botschaften in kleinen Papierumschlägen ("Türchen"). "Es ist viel besser, was zu basteln", sagt Lea und erklärt, dass bei gekauften Adventskalendern der Inhalt ja auch nicht jedem bekomme: "Einige essen keine Milchschokolade. Für Leute, die Allergien haben, ist das dann nicht so gut." Außerdem seien gekaufte Adventskalender ohnehin viel zu teuer. Am 20. November machte sich Lea ans Vorweihnachtswerk. Zuerst wurden die kleinen Umschläge nummeriert. "Da bin ich ständig durcheinandergekommen", gesteht sie. Dann ging es ans Falten. An die "Feinarbeit", wie es ihre Mama würdigend nennt. Getackert wurde danach und "dann habe ich noch ein paar Engelchen draufgeklebt". So weit das Adventsgerüst. Doch war es nicht schwer, der Mama 24 Mal aufzuschreiben, wie sehr man sie mag? "Nein, eigentlich nicht. Ich weiß ja, was ich an meiner Mama gut finde", sagt Lea und lacht. Und so lautete die Botschaft zum ersten Advent : "Du bist die beste Mama der Welt." Deshalb habe es Mama Sabine auch sehr berührt, als sie die Eigenkreation ihrer Tochter entdeckte. Auf den ersten Blick wirkt der Kalender eher schlicht, auf den zweiten fallen die Feinheiten ins Auge: Viele kleine Aufkleber mit Engelsmotiven, eine pink-violette Schleife, die kleinen, aufwendig gefalteten Türen und als Basis vier Din-A-4-Blätter, die Lea zu einem großen Din-A-3-Blatt zusammengeklebt hat. Ihre Mutter vermutet: "Wenn sie uns um ein größeres Blatt gebeten hätte, hätten wir vielleicht was von ihren Plänen geahnt." Da war es doch klug, lieber nicht um Hilfe zu bitten. "Das hat sie alles ganz alleine gemacht", sagt die Mama stolz. Lea wäre auch nicht Lea, wenn sie etwas dem Zufall überlassen würde. Die Umschläge befüllt sie immer am Morgen. Falls die Mama am Tag davor auf die Idee kommen sollte, hineinzublinzeln. "Niemals", versichert Sabine Eckert und lacht. Sie lasse sich gerne überraschen und freue sich jeden Tag aufs Neue auf die Botschaften ihrer Tochter, die sie noch bis Heiligabend täglich gegen 7 Uhr morgens lesen wird.

Leas Geschenk ist in guter Gesellschaft: Vier Adventskerzen zieren den Esstisch. Daneben duften Lebkuchenherzen mit Spekulatius um die Wette. Die Weihnachtsstimmung hat es sich bei Familie Eckert bereits gemütlich gemacht. Auch wenn Mama Sabine "erst nächste Woche" mit dem Backen beginnt. Und worauf freut sich Lea besonders? "An Heiligabend bin ich froh, wenn der Onkel kommt. Ich freue mich auch aufs Singen und auf die witzigen Sendungen im Fernsehen."