Nerd-Flohmarkt: 2000 Euro bringen die Nerds zusammen

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2500 Besucher kommen zum Flohmarkt in Reden. Wiederholung ist geplant. Fit4Charity spendet Geld für Krebshilfe.

Eine ist am Sonntagabend müde aber megaglücklich ins Bett gefallen. Der von Jennifer Brill organisierte erste Nerd-Flohmarkt konnte als voller Erfolg verbucht werden und soll, wenn alles gut geht, im April 2020 erneut stattfinden. Insgesamt rund 2500 Besucher waren in der alten Werkhalle am Erlebnisort Reden und haben gestöbert, gesucht und meist auch gefunden. „Insgesamt kamen rund 2000 Euro zusammen“, teilt Brill der SZ nach dem Kassensturz am späten Sonntagabend mit. Das Geld - Erlös aus Verzehr, Standgebühr und Versteigerung einer Fark-Logo-Lampe - ist bestimmt für den Verein Fit4Charity, zu dem Brill gehört und der auch die beiden Großveranstaltungen Fark und Mittelaltermarkt Illingen organisiert. „Das ist super, was Jennifer hier geleistet hat“, zeigt sich Benjamin Kiehn stolz auf die Umsetzung der Idee seines Vereinsmitgliedes. Dank vieler helfender Hände aus den Reihen des Vereins hatte alles reibungslos geklappt. Das Geld, das der Verein erwirtschaftet hat, ist für zwei Zwecke bestimmt. Zum einen geht ein Teil allgemein an die Kinderkrebshilfe, ein zweiter Teil geht an die krebskranke achtjährige Michelle Ehrlich. Von ihrem Schicksal hatte Brill erfahren, weil Michelles Vater Martin ein Arbeitskollege ihres Vaters ist. Für Brill und den Verein war schnell klar: „Wir bieten hier Hilfe, im Medizinischen oder auch Sozialen“, sagt Benjamin Kiehn.

Die Familie, neben Michelle und Martin noch Mutter Christine, der 17-jährige Bruder Manuel hatte anderes vor, trifft sich mit der SZ mitten im Getümmel des Flohmarktes. Ganz aufgeregt ist die kleine Michelle mit dem rosa Blütenhaarband, als es fürs Foto vor die Tür geht. Munter plappert sie drauflos, wundert sich über die Jacke der Chronistin, auf der blaue Rosen sind („die gibt es doch gar nicht“), will unbedingt die Fotos sehen, bevor der Fotograf die Kamera wegpackt. Vergnügt hüpft sie Richtung Sitzgarnitur. Scheinbar ein ganz normales Mädchen. Gerne beantwortet sie Fragen. Genau zuhören muss man da. Denn Michelle hat Probleme mit der Aussprache. Und mit dem Sehen. 30 Prozent Sehfähigkeit besitzt sie noch, erzählt der Vater, „auf beiden Augen zusammengenommen“. Schuld daran ist ein Opticus-Tumor. „Genau hier sitzt der“, erklärt Michelle und zeigt an die Mitte der Stirn oberhalb der Nase. „Inoperabel“, sagt die Mutter. Michelle nimmt Zeigefinger und Damen: „so groß ist er, vier Zentimeter.“ Ganz offen, so erzählt Vater Martin sei man immer mit dem Thema umgegangen. Für Michelle gehört der Krebs zu ihrem jungen Leben dazu. „Den ersten Tumor hatte sie mit zwei Jahren“, erzählt Mutter Christine, die bis zur Diagnose an der Winterbergklinik arbeitete. Dann hörte sie auf, zu viel Zeit brauchte die Tochter. Die bekam Chemotherapien, nach anderthalben Jahren war der Tumor im Griff. Zwei Jahre war die Familie glücklich. Als Michelle sechs Jahre alt war, kam der Krebs zurück. Die nächsten Chemos standen an. Vater  Martin  zeigt Fotos: Michelle ohne Haare, „das hat ihr nie was ausgemacht“. Trotzdem gibt es ein Foto: Michele mit Perücke. Die hatte sie vor allem an, wenn sie mit der Tanzgarde aufgetreten ist. Denn von den Hobbys hat sich die kleine Dame nicht abhalten lassen: sie schwimmt - hat sogar ihr Seepferdchen gemacht, tanzt in der Garde in ihrem Wohnort Dudweiler (kommt nun von den Minis zur Kindergarde), fährt Fahrrad. (gut geschützt, weil sie auch schon mal hinfällt). Und was macht sie am allerliebsten? „Singen“, strahlt Michelle. Die Achtjährige besucht die Blindenschule in Lebach. Schließlich ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie ihre Sehkraft ganz verliert, dann soll sie die Braille-Schrift beherrschen. Die Haare sind mittlerweile nachgewachsen. Das hat aber eigentlich keinen schönen Grund: Die Chemo schlägt nicht mehr an, der Tumor ist weiter gewachsen. Jetzt geht sie alle 14 Tage an die Uniklinik in Homburg zur Antikörpertherapie. Mit dabei ist immer Stoffhund Paula. Sozusagen als Ersatz. Denn eines wünscht sich Michelle ganz doll: Einen richtigen Hund. „Warten wir erst mal ab, irgendwann wirst du schon einen kriegen“, lächelt Papa Martin und streichelt ihre Hand.

Am 6. Mai ist erst mal das nächste MRT, dann wird man sehen, ob der Tumor weiter gewachsen ist oder beginnt, sich zu verkapseln, ob die Therapie anschlägt ...