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Eine Nacht am Weiher
Aha-Erlebnisse am Itzenplitzer Weiher

Bei der 11. Weihernacht des Nabu-Schiffweiler war auch das Jugendzentrum vertreten. Die jungen Leute informierten über Mülltrennung.
Bei der 11. Weihernacht des Nabu-Schiffweiler war auch das Jugendzentrum vertreten. Die jungen Leute informierten über Mülltrennung. FOTO: Andreas Engel /
Heiligenwald. Auch die elfte „Nacht des Weihers“ lockte wieder viele naturliebende Familien aus Nah und Fern an. Von Anja Kernig

„Schneeflöckchen, Weißröckchen“, singt der unverschämt gut gelaunte Herr des Popcorns kurz vor 22 Uhr. Tatsächlich rieselt es weiß hernieder. Ist aber nur Puderzucker – auf den frisch im Eisentopf über dem Feuer gepoppten Mais. Nicht sparen, lautet die Devise von Walter Vogt, der für seinen Einsatz eigens aus dem nördlichen Ruhrgebiet angereist war: „Es ist einfach zu schön, die Freude in den Kinderaugen zu sehen.“


Gespart wurde am Freitagabend überhaupt nirgends rund um den Itzenplitzer Weiher. Nicht beim Spaß, nicht beim Engagement und erst recht nicht bei der Kreativität. Allein die zweibeinigen Einhörner, Faune und Elfen in ihren originellen Fark-Kostümen, die vielen „Geister“-Lämpchen im Forst und die heiteren Bläserklänge á la „When the Saints Go Marching In“ des Quintetts Brassilikum waren einen Besuch wert. Wettermäßig ging es gerade noch mal gut aus. Nach dem Regen am Nachmittag war es trocken und nur schwach bewölkt, sodass der zunehmende Mond immer mal wieder nach dem Rechten schauen konnte.

Zum elften Mal hatte die Schiffweiler Ortsgruppe des Naturschutzbundes zusammen mit dem Kinder- und Jugendbüro der Gemeinde und dem Kreisjugendamt zur „Nacht des Weihers“ eingeladen. Vor allem Familien nutzten das Angebot gern, sodass man an vielen der Dutzend Mitmachstationen ein bisschen Wartezeit mitbringen musste. Die Geduld zahlte sich wie immer aus: „Sollte man nicht meinen, dass der Wolf so große Füße hat“, meinte Ulrike Keller, als sich der vierjährige Leon verwundert beim Tierspuren-Rätsel die Augen rieb und den letzten verbliebenen Abdruck dem Foto des Isegrims zuordnete. Stolze zwölf mal zehn Zentimeter misst so eine Vorderpfote immerhin – ohne Krallen.



Ob er und seine siebenjährige Schwester Marlene nicht ein bisschen Angst haben nachts im dunklen Wald? Nein, schüttelte Leon den Kopf. Oma und Opa sind ja dabei. Außerdem hatte man auch Taschenlampen mit im Gepäck. Ausmachen musste man die nur beim Blindparcours. Dort hieß es: Tuch über die Augen, Hände ans Seil und dann vorsichtig vorwärts tasten. Ein echtes Aha-Erlebnis, auch für die Großen. „Gerade die müssen ihren Komfortbereich verlassen“, erklärte Barbara Baltes. Fällt der Seh-Sinn weg, „verstärken sich die anderen Sinne“ und es wird richtig interessant. Allein die Dicke des Seils, ob es faserig ist oder glatt, macht plötzlich einen Riesenunterschied, vom Fuß ins „Nichts“ setzen ganz zu schweigen.

„Dein Papa ist ein Eichhörnchen.“ Das sagte Pelle, die knubbelnasige Handpuppe von Uli Goebel, der zehnjährigen Lena auf den Kopf zu. Papa Sascha nahm’s mit Humor. Für seinen 1,50 Meter-Sprung bekam er von Karoline Weisgerber eine Papier-„Medaille“ umgehängt. 50 Zentimeter mehr hätten ihn zum Hasen befördert. Und weiter ging es um den Weiher. Kurze Schrecksekunde an der Wegekreuzung: Der Baum neben dem Wegweiser bewegt sich. Es war aber „nur“ Thomas Schünemann, der die Wanderer – holzig verkleidet - vorm Verlaufen bewahrte. Echte Bäume zu unterscheiden galt es an der Saarforst-Station. „Die Lärche hat dunkles Kern- und helles Splintholz, das sieht man schön“, klärte Forstwirtschaftsmeister Hans-Jürgen Pruß geduldig die Kids auf. Fast weiß ist dagegen das Holz der Hainbuche.

Danach galt es noch, Wasserschalen und Steine zum Klingen zu bringen, eine Hängeleiter hoch zu klettern und zu staunen, dass Eulen im Dämmerlicht noch das letzte Spinnenbeinchen aus der Ferne erkennen. Kurz vor den finalen Popcorn- und Stockbrotfeuern wurde es erstmals maritim bei der Weiher-Nacht. Schickten doch die Modellbauer des SMC Dillingen einen Lösch-Kreuzer auf große Fahrt.

Später glitt noch ein Schubschiff mit Motorgeräuschen und Licht durch den wabernden Nebel – sehr atmosphärisch. „Wir wussten schon, dass es schön ist“, schwärmte denn auch Sabine Werkle, die mit Stefan Hauten und Sohn Henri als Wiederholungstäter-Trio vor Ort war. „Natur erleben, im Dunkeln, das macht den Reiz aus.“