1. Saarland
  2. Neunkirchen

Sarah Müller vom TuS Neunkirchen ist eines der größten deutschen Tennistalente

TuS Neunkirchen : „Am liebsten zu den Australian Open“

Sarah Müller vom TuS Neunkirchen ist eines der größten deutschen Tennistalente. Sie misst sich im Teenageralter mit gestandenen Weltranglistenspielerinnen und hat die Teilnahme an einem Junior-Grand-Slam fest im Blick. Dabei hätte sie fast einer anderen Sportart den Vorzug gegeben.

Ein wenig sind auch ihre beiden älteren Brüder daran Schuld, dass die 16-jährige Sarah Müller vom TuS Neunkirchen heute zu den größten Tennistalenten Deutschlands zählt. Weil Julian (heute 21) und Tobias Müller (24) in jungen Jahren ständig auf den saarländischen Sandplätzen unterwegs waren, kam die fünfjährige Sarah mit dem Schläger in der Hand irgendwann einfach mit – und entdeckte ihre Liebe für den Sport. „Wo ich die ersten Bälle gespielt habe, weiß ich heute aber gar nicht mehr so genau – es muss in Bous oder Überherrn gewesen sein“, sagt Sarah Müller, die gebürtig aus Wadgassen stammt.

Dass ein Tennismatch gegen ihre Brüder Sarah Müller heute noch vor eine große Herausforderung stellen würde, darf bezweifelt werden. Denn wo auch immer sie das erste Mal die gelbe Filzkugel über das Netz jagte – es war der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Mit neun Jahren gewann Müller das „Deutsche Jüngsten-Turnier“ im westfälischen Lippe, das als deutsche Meisterschaft der Altersklasse U10 gilt. Mit zwölf Jahren nahm sie das erste Mal an den Saarlandmeisterschaften der Erwachsenenkonkurrenz teil – und gab im kompletten Turnier nicht einen Satz ab. Dass sie zwei Wochen zuvor in ähnlich souveräner Manier den U18-Titel gewonnen hatte, geriet da beinahe zur Randnotiz. 2017 und 2018 wurde Müller zur Nachwuchssportlerin des Jahres der Stadt Neunkirchen gewählt. Zuletzt schlug die Teenagerin bei der „German Ladies’ Series“ des Deutschen Tennisbundes in Stuttgart auf und maß sich dort mit gestandenen Weltranglistenspielerinnen. Deshalb verpasste Müller auch den Saisonauftakt mit dem TuS Neunkirchen in der der Frauen-Oberliga Ende Juni beim TC Boehringer Ingelheim (9:12).

Müllers Erfolge sind umso beeindruckender, weil ihre Konzentration lange Zeit nicht ausschließlich dem Tennis galt. „Ich war auch eine ziemlich ambitionierte Turnerin beim TV Schaffhausen“, erzählt das Top-Talent. Bis sie zehn Jahre alt war habe sie die beiden Sportarten deshalb „zweigleisig“ betrieben, ergänzt die 16-Jährige, die auf Vereinsebene zuerst für den TC Überherrn spielte ehe sie 2016 zum TuS Neunkirchen wechselte. Dort ging es dann richtig für mich los“, sagt Müller.

Damit meint die Seriensiegerin der Saarlandmeisterschaften etliche Turniererfolge, die sie über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht haben. In der Altersklasse der U13 und U14 gewann sie die deutsche Meisterschaft. Auch bei Turnieren der ITF (International Tennis Federation) stand Müller auf dem Podest schon ganz oben. „Anfang 2019 habe ich in Belgien im Einzel und Doppel gewonnen. Und im September dann noch einmal im Einzel in der Schweiz“, berichtet sie.

In diesem Jahr gewann Müller bei den Saarlandmeisterschaften der Aktiven im Finale gegen ihre Vereinskameradin Aiva Schmitz und trat danach mit dem deutschen Nationalteam bei den U16-Hallen-Europameisterschaften an. „Wir wurden in der Vorrunde in Schweden Erster und sind dann ins französische Brest zur Endrunde weitergereist“, erzählt Müller. Dort gewann Deutschland zunächst mit 3:0 gegen Polen und musste sich erst im Halbfinale dem späteren Sieger Russland geschlagen geben.

Dann kam mit Corona ein Einschnitt. Doch in Stuttgart durfte die 16-Jährige eingeschränkt trainieren und ackerte weiter hart an sich. Der Lohn war eine Wildcard für die German Ladies’ Series. Ein Überbrückungsturnier des Deutschen Tennisbundes, das ohne Zuschauer ausgetragen wurde.

„Ich wusste, dass es für mich dort unheimlich schwer wird, überhaupt mitzuhalten. Am Ende habe ich dann aber sogar noch ein Spiel gewinnen können und war auch recht zufrieden“, sagt Müller, die ihre vier Gruppenspiele gegen weitaus erfahrenere Gegnerinnen zwar verlor, im Platzierungsspiel um Rang sieben dann aber gegen Bundesligaakteurin Carmen Schultheiss (TEC Waldau) in drei Sätzen knapp die Oberhand behielt.

Ein großes Erfolgserlebnis für die 16-Jährige, für die die nackten Ergebnisse aber gar nicht so sehr im Vordergrund standen. Sie sei einfach nur froh gewesen, nach der Corona-Pause wieder einmal in einer Wettkampfsituation antreten zu dürfen. Nun freut sie sich, dass sie wieder mit ihren Teamkameradinnen vom TuS Neunkirchen in der Oberliga antreten kann. An den letzten beiden Wochenenden stand sie wieder auf dem Platz. Den ersten Spieltag hatte sie verpasst. Ob sie auch am finalen Doppelspieltag am kommenden Wochenende mitwirken kann, will sie „aus taktischen Gründen nicht verraten“. „Wir wollen unseren Gegnern ja nicht in die Karten spielen“, erklärt die 16-Jährige und muss schmunzeln.

Wenn Sarah Müller nicht gerade auf nationalen oder internationalen Turnieren unterwegs ist, pendelt sie zwischen Mannheim, Stuttgart, Neunkirchen und Wadgassen. In Mannheim besucht sie ein privates Gymnasium und will dort in zwei Jahren ihr Abitur ablegen. In Stuttgart gehört sie dem Porsche Junior Team unter Federführung von Bundestrainerin Barbara Rittner an. Dort werden talentierte Spielerinnen gefördert, die aktuell den Spagat zwischen Leistungssport und Schule meistern müssen. „Unser Ziel ist es, diese Spielerinnen trotz schulischer Verpflichtung bestmöglich individuell zu unterstützen. Mit dieser breiten Basis wollen wir als Verband noch mehr Spielerinnen über die Jugend-Weltrangliste in die Jugend-Grand-Slams führen. Dort können sie wertvolle Erfahrungen für die nächsten Karriereschritte sammeln“, meint Rittner.

Dann gibt es noch Neunkirchen, wo die 16-Jährige beim TuS an Position eins des Oberliga-Teams gesetzt ist. Und die elterliche Heimat in Wadgassen dient als „Rückzugsort zum Runterkommen von der Tennisszene“, wie Müller sagt. Dankbar ist sie dafür, dass Mutter Karin und Vater Ralph sie „quasi rund um die Uhr“ unterstützen. Dazu gehörten auch zu Corona-Zeiten Fahrten von Mannheim nach Stuttgart. Ab und an reist sie aber auch gerne mit dem Zug. Unterwegs bleibe dann auch einmal die Zeit, über das Erreichte und Ziele zu reflektieren.

Aktuell wird Sarah Müller in der Junioren-Weltrangliste auf Position 328 geführt, Anfang des Jahres stand sie in dieser Wertung bereits unter den besten 250. Doch dann kam Corona und wichtige Ranglistenpunkte konnten nicht verteidigt werden. Zudem steht die Schule bei ihr noch gleichberechtigt neben dem Sport: „Ich will das mit dem Abitur unbedingt durchziehen und bin normalerweise unter der Woche meistens zwei Tage in der Schule in Mannheim.“ Dort büffelt sie dann für Arbeiten oder schreibt Klausuren. Wenn sie nicht persönlich vor Ort ist, könne sie „den Rest online erdledigen“, erklärt Müller und ergänzt: „Es ist ein beruhigender Gedanke, eine Schulausbildung in der Hinterhand zu haben. Aber natürlich will ich meine Chance nutzen, in den Profibereich zu kommen.“

Im kommenden Jahr – „wenn Corona dann hoffentlich kein Thema mehr ist“ – will sie erstmals an einem Junior-Grand-Slam teilnehmen. Also der Juniorenvariante der vier größten Turniere der Welt. Den Australian Open, den French Open, Wimbledon und den US Open.

„Am liebsten wäre mir die Teilnahme bei den Australien Open“, schwärmt Sarah Müller. Doch sie weiß: „Man muss dafür unter die Top 100 in der Junioren-Weltrangliste kommen. Es ist mein Ziel, das so schnell wie möglich zu schaffen.“

Als große Stärken in ihrem Spiel beschreibt sie die vom Turnen herrührende Athletik, ihre Rückhand – und ihren großen Ehrgeiz. Luft nach oben sieht sie bei ihrer Vorhand, „mit der ich noch viel mehr direkte Punkte machen müsste“.

Müllers Vorbilder sind die deutsche Wimbledonsiegerin Angelique Kerber und die Schweizer Tennislegende Roger Federer. „Mit Angelique konnte ich schon einmal ein paar Worte wechseln. Mein allergrößter Wunsch wäre aber einmal eine Unterhaltung mit Roger führen zu dürfen“, schwärmt Müller.

Was sie dem Altmeister dann wohl erzählen würde? Vielleicht wie die fünfjährige Sarah ihre Brüder das erste Mal auf jenen Tennisplatz begleitete, an den sie sich heute nicht mehr so genau erinnern kann. Oder dass sie in jungen Jahren fast dem Ruf der Turnsporthalle – und nicht dem des Tennis-Courts gefolgt wäre.

2017 und 2018 wurde Sarah Müller (li) zur Neunkircher Nachwuchssportlerin des Jahres gewählt. Foto: Jörg Jacobi

Gegensätzlicher hätten die Ergebnisse des Frauenteams vom Tennis-Oberligisten TuS Neunkirchen am letzten Wochenende nicht sein können. Der TuS unterlag am Samstag dem Regionalliga-Absteiger und punktverlustfreien Spitzenreiter TC BASF Ludwigshafen mit 0:21. Auch TuS-Spitzenspielerin Sarah Müller verlor ihr Einzel gegen Natasja Schunk mit 1:6 und 5:7. Einen Tag später gewannen die Neunkircherinnen dann gegen Schlusslicht TC Mutterstadt mit 21:0. Am kommenden Wochenende spielt der drittplatzierte TuS zunächst um 10 Uhr auswärts beim Zweiten TC Ludwigshafen-Oppau, am Sonntag (10 Uhr) steht das Saar-Derby gegen die SG WMA Nordsaar auf dem Programm.