"Sale" heißt das ZauberwortDie Kunden wissen Sonder-Angebote zu schätzen

Neunkirchen. Traditionsgemäß bricht in der letzten Januarwoche die Zeit der Schnäppchenjäger an. Dabei gibt es offiziell in Deutschland seit einer Gesetzesänderung 2004 gar keinen Winter- oder Sommerschlussverkauf mehr

Neunkirchen. Traditionsgemäß bricht in der letzten Januarwoche die Zeit der Schnäppchenjäger an. Dabei gibt es offiziell in Deutschland seit einer Gesetzesänderung 2004 gar keinen Winter- oder Sommerschlussverkauf mehr. Die damalige Änderung in der Gesetzgebung zum Unlauteren Wettbewerb stellt es dem Einzelhandel frei, selbst zu entscheiden, wann Rabatt-Aktionen, heute gerne "Sale" genannt", das Angebot vergünstigen. Allerdings scheint der Traditionstermin Winter-Schlussverkauf zurzeit in Neunkirchen allgegenwärtig. Heike Marzen, Managerin des Saarpark-Centers, erklärt auf SZ-Anfrage, es gebe zwar keine groß angelegte Aktion mit allen Ladenmietern und keinen festgeschriebenen Prozentsatz für Vergünstigungen. Allerdings halte man im Saarpark-Center durchaus an der Idee eines Saison-Finales fest. "Die Erwartungshaltung der Kunden spielt dabei natürlich eine große Rolle. Das ist ein gelernter Termin, der in den Köpfen drin ist", so Marzen. Allerdings hätten viele Mieter im Center erwartungsgemäß schon vor Weihnachten mit größeren Rabatt-Aktionen begonnen, das entscheide aber jeder für sich. Aktuell bieten im Saarpark-Center viele Läden ihre reduzierten Waren auf Sonderverkaufsflächen an. Auch C&A trennt sich nicht von der Idee des Schlussverkaufs. Der Neunkircher Geschäftsführer Olaf Posch erklärt dazu: "Offiziell starten wir am letzten Montag im Januar. Dafür haben wir einen Teil unserer Angebote nochmals reduziert." Für Posch ist es nach eigener Aussage wichtig, den Kunden in dieser Zeit permanent Schnäppchen bieten zu können. "Die Kunden fragen bei uns aktiv nach, ob wir zur gewohnten Zeit eine Rabatt-Aktion durchführen. Deshalb halten wir an diesem Termin fest." Natürlich sei man auch daran interessiert, die Winterware zu verkaufen, um Platz zu schaffen für die neuen Frühlingsartikel. Dies bestätigt auch Manfred Welt, Geschäftsführer von Galeria Kaufhof in Neunkirchen. "Im Einzelhandel geht der Trend dahin, nicht mehr so viel Ware am Lager zu binden. So haben die Rabatt-Aktionen einen doppelten Effekt. Wir bekommen die Ware schneller aus dem Lager und der Kunde bekommt gute Ware zu guten Preisen", erklärt Welt. Allerdings sieht auch er, wie er sagt, die Entwicklung, immer früher mit der Reduzierung zu beginnen. So habe man bereits im Januar die Herbst- und Winterwaren kräftig heruntergesetzt. Mitte Januar erfolge dann für gewöhnlich eine weitere Reduzierung auf Rabatte von bis zu 70 Prozent. Früher sei die Preisreduzierung meist nur im Bereich der Textil- und Lederwaren erfolgt. Heute dazu erstrecke sich dies nun über das gesamte Sortiment. "Sie können bei uns ein Geschirrservice genauso reduziert kaufen wie beispielsweise Unterwäsche." Neunkirchen. Der Schlussverkauf in Neunkirchen läuft, auch wenn es ihn offiziell eigentlich gar nicht mehr gibt. Das haben Kunden bei einer Umfrage in der Galeria Kaufhof bestätigt. Lisa Braunecker geht zwar nicht gezielt zum Schlussverkauf, so verrät sie, aber es sei ihr schon aufgefallen, dass es momentan mehr günstige Angebote gibt als sonst. Hans Jürgen Schütz hingegen macht das ganz anders. "Ich warte mit Anschaffungen bis es Rabatte gibt. Ich habe dann eine bestimmte Vorstellung und gehe gezielt einkaufen", so Schütz. Das beschränkt sich bei ihm jedoch nicht auf die Zeit des traditionellen Schlussverkaufs. "Ich gehe auch schon mal zwischen Weihnachten und Neujahr gucken, was es günstig gibt." Auch Margit Tamm weiß, dass es momentan sehr viele Angebote gibt, sie geht klassisch bummeln statt gezielt zu suchen. "Momentan bin ich mit einer Freundin unterwegs und stehe ihr sozusagen beratend zur Seite." Ralf Günder hat schon etwas gefunden, als die SZ ihre Umfrage macht: "Ich will mir grade einen Anzug kaufen. Der ist wirklich gut reduziert." Doch auch wenn er zur klassischen Schlussverkaufszeit auf Schnäppchenjagd ist, befürwortet er die Gesetzesänderung von 2004. "Ich finde es einfach besser als den Schlussverkauf zu festgesetzten Zeiten. So ist es einfach viel verbraucherfreundlicher", sagt Günder und betrachtet zufrieden seinen neuen Anzug zum Schnäppchenpreis. spe

Bereits im Jahr 2004 wurden durch eine Änderung im Rabattgesetz das Schlussverkaufsgesetz und das Sonderveranstaltungsverbot gestrichen. Bis dahin waren Schlussverkäufe nur in einem gesetzlich geregelten Zeitrahmen erlaubt. Entsprechend dem neuen Gesetz entscheiden die Einzelhändler seit Jahren selbst, wann sie Rabatt-Aktionen durchführen wollen. Im lokalen Bereich gestattet das Gesetz ausdrücklich Absprachen einzelner Händler untereinander. spe

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