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Saarstahl Neunkirchen – 425 Jahre
Saarstahl feiert mit Gästen aus aller Welt

Beim Rundgang durch die neue Walzstraße war der heiße Stahl aus der Nähe zu sehen.
Beim Rundgang durch die neue Walzstraße war der heiße Stahl aus der Nähe zu sehen. FOTO: Jörg Jacobi
Neunkirchen. Zum Jubiläum hat das Unternehmen am Donnerstag bei einem Kundentag die neuesten Investitionen vorgestellt. Samstag ist Mitarbeiter-Party. Von Michael Beer

Rund 250 Akkreditierungskarten fasst das Kästchen auf dem Tisch unter weißem Pavillon. Drei junge Damen verteilen freundlich und eifrig Namensschilder. Das dauert. Aber bei strahlend blauem Himmel hat es auch keiner in der Schlange besonders eilig. Es wird geplaudert. Auf Deusch. Auf Englisch. Dann geht es über den eigens für das Ereignis geteerten Platz (soll später ein erweiterter Mitarbeiterparkplatz werden) auf das große Festzelt zu. Über dem das Banner prangt: 425 Jahr Saarstahl Neunkirchen.


425 Jahre - das ist schon eine Hausnummer. Und es sollen bei den weiteren Präsentationen, Gesprächen und Führungen durch die Walzstraße eine Menge weiterer beachtlicher Zahlen hinzukommen. Saarstahl Neunkirchen feiert. An diesem Donnerstagmittag mit Gästen und Kunden aus fast aller Welt. Von den USA bis nach Japan reicht die Spanne derer, die der Einladung gefolgt sind. Am Samstag gibt es ein großes Mitarbeiterfest. Rund 1000 Mitarbeiter hat das Werk, rund 30 Auszubildende. Dann sind auch die Familien dabei, womit denn auch viele Menschen aus der Stadt vor Ort seien, sagt Vertriebsvorstand Klaus Richter. Denn eine eigene Jubiläumsparty für die Neunkircher im Allgemeinen ist nicht geplant. Aber auch so gibt das Unternehmen ordentlich Geld aus für die Feier. Wie viel genau, bleibt Firmengeheimnis. Nur so viel: „Das ist es uns wert“, sagt der Mann vom Vorstand.

Richter hat die Gäste des Kundentages offiziell begrüßt. Mehr auf Englisch als auf Deutsch. Globale Welt in der Kreisstadt. Danach nimmt er sich Zeit, mit Pressevertretern zu sprechen. Natürlich geht es dabei zunächst um den Weltmarkt. Und wie soll es anders sein: um amerikanische Strafzölle. Die aktuelle Situation, erläutert Richter, bedeute „eine große Unsicherheit in der Stahlwelt“ und eine Neuregulierung der Stoffströme. Erzeuger wie Kunden seien sehr unruhig und nervös. Richter spricht über steigende Preise in den USA, über die „unglaubliche Umweltverschmutzung“ in China und den Druck, der dort langsam aus der Bevölkerung komme, andere Wege der Produktion einzuschlagen. Bange ob der Weltlage sei dem Unternehmen Saarstahl allerdings nicht. „Wir sind im Moment ganz vernünftig aufgestellt“, sagt der Vertriebsvorstand. Von den 2,5 Millionen Tonnen Stahl, die das Unternehmen insgesamt verarbeitet, gehen knapp eine Million Tonnen aufs Neunkircher Konto. Damit sei Neunkirchen ein „ganz bedeutender Standort“, der sich nicht zu verstecken brauche. Richter spricht von „höchstwertigen Produkten“, die vor Ort auf den beiden Walzstraßen erzeugt werden.



Die Walzstraße 32 dürfen die Gäste besichtigen. Sie ist im Jubiläumsjahr mit einer 30-Millionen-Euro-Investition aufgehübscht. Diese Modernisierung ist die größte Einzelinvestition am Saarstahl-Standort Neunkirchen seit 1991. Robert Ehl, Leiter des Drahtwalzwerkes, und Martin Graus, Qualitätsmanagement, führen durch die riesige Halle und erläutern die Produktionsabläufe und das neue Herzstück. Das gebaut wurde, während der Betrieb daneben weiterlief.

Die Halle ist nicht nur riesengroß, sie ist an manchen Stellen vor allem eines: sehr heiß. Von Knüppeln spricht Ehl, fette Kantstähle, die am Standort nochmal auf 1000 bis 1200 Grad Celsius erhitzt werden, nachdem das Roheisen im Völklinger Stahlwerk zuvor auf Temperaturen von 1400 Grad Celsius war. Nach dem Wiedererwärmen geht es in die Vorstraße und weiter über ein für den Laien schwer zu überblickendes Bandsystem mit beachtlichen Walzblöcken, die das Material immer dünner walzen und von der quadratischen auf die runde Form umbiegen. Je dünner der Stahl wird, um so schneller muss er laufen, um seine Qualität zu halten. Und das ist Hochgeschwindigkeit, ICE-Tempo. Von bis zu 100 Metern pro Sekunde spricht Graus über den Maschinenlärm hinweg. Die Geschwindigkeiten variieren. Je nach dem, was die Maschinen walzen. An diesem Tag ist 19-Millimeter-Draht das Endprodukt.

Der Weltlage begegnet Vertriebsvorstand Richter genau wegen solcher Möglichkeiten, die die modernisierte Walzstraße bietet, mit einiger Ruhe. Die neue Technologie ermögliche die Herstellung von Werkstoffen mit deutlich verbesserten Eigenschaften, hat er im Festzelt erläutert. Die Kunden, von denen sich an diesem Donnerstag viele das Knowhow zeigen lassen, könnten für die gleiche Anwendung weniger Material einsetzen. Das sei ein wesentlicher Beitrag zur Gewichtsreduzierung zum Beispiel im Autobau. Und damit auch eine Verringerung des CO2-Ausstoßes, geht er auf die Journalistenfrage zum Umweltschutz ein. Die neue Straße walzt „Kaltstauchgüten“ (besonders hohe Belastbarkeit), Federstahl und Automatenstahl.

Neben dem 30-Millionen-Invest, in mehreren Etappen gebaut und seit Anfang des Jahres im Einsatz, gerät das neue Hochregal-Lager mit 600 Fächern für 5,5 Millionen Euro ein bisschen zur Nebensache. Es sind eben viele Zahlen und Fakten. Die Gäste des Kundentages wollen daneben auch noch ein bisschen die Sonne genießen vor dem Festzelt. Jubiläumsvorträge hin oder her.

Vertriebsvorstand Klaus Richter.
Vertriebsvorstand Klaus Richter. FOTO: Jörg Jacobi