Psychologen hinterm Steuer

Psychologen hinterm Steuer

Neunkirchen. Über die Nummer 8080 erreicht man in Neunkirchen die Taxizentrale. Insgesamt 16 Taxis von verschiedenen Unternehmen sind rund um die Uhr im Einsatz. Auch die Firma Neuhäusel ist mit einem Taxi an diese Zentrale angegliedert. Inhaberin Jenny Neuhäusel ist früher selbst Taxi gefahren. "Auch nachts." Darauf ist sie damals oft angesprochen worden

Neunkirchen. Über die Nummer 8080 erreicht man in Neunkirchen die Taxizentrale. Insgesamt 16 Taxis von verschiedenen Unternehmen sind rund um die Uhr im Einsatz. Auch die Firma Neuhäusel ist mit einem Taxi an diese Zentrale angegliedert. Inhaberin Jenny Neuhäusel ist früher selbst Taxi gefahren. "Auch nachts." Darauf ist sie damals oft angesprochen worden. "Viele haben gesagt: ,Ach Gott, haben sie als Frau keine Angst?'", erinnert sich die Geschäftsfrau. Fast, so erinnert sie sich, hätte sie auch mal Roberto Blanco gefahren. Der war im Hotel am Zoo. Doch dann blieben für sie "nur" die Musiker, Blanco fuhr lieber Limousine. Inzwischen sitzt Jenny Neuhäusel nicht mehr selbst hinter dem Steuer, beschäftigt insgesamt vier Fahrer, die abwechselnd unterwegs sind. Die Nächte gehören dem ehemaligen Dachdecker Marian Rein. Er fährt nur nachts. Unterwegs ist er mit Wagen zehn. Wenn er wie jetzt an einem der vier Taxistände in Neunkirchen steht und auf die nächste Fahrt wartet, spielt er ganz gerne mal ein Spiel, das er auf seinem Handy hat. "Ich bin ein Pokerspieler", sagt er augenzwinkernd und beginnt einen Plausch mit einer Gruppe Jugendlicher, die vorüberziehen. "Man muss als Taxifahrer mit den Leuten umgehen können. Ich mache gerne Witze - das kommt eigentlich ganz gut an!". Und jener Kontakt mit den Menschen sei für ihn auch das spannendste an seinem Job. Über Funk kommt der Auftrag zu einer neuen Fahrt: ein Transport von Blutkonserven von einem Neunkircher Krankenhaus in ein Krankenhaus nach Saarbrücken. "Längere Strecken liegen mir", freut sich Rein und legt den Gang ein. Da kaum Verkehr auf der Autobahn ist, vergeht die Fahrt nach Saarbrücken wie im Fluge. Für solche Transporte gibt es vereinbarte Pauschalbeträge. Ansonsten läuft der Taxometer. Über die Autobahn geht es dann zügig zurück. Das Handy meldet sich. "Wir dürfen Visitenkarten mit unseren Handynummern rausgeben", erklärt Rein. So können zufriedene Gäste bei Bedarf wieder mit dem Taxifahrer ihres Vertrauens unterwegs sein. Jetzt geht es Richtung Bexbach, ein Neunkircher will nach Hause. Dass der Transport von Menschen eine verantwortungsvolle Aufgabe ist, dessen ist sich der engagierte Taxifahrer bewusst: "Wenn ein Gast hier einsteigt, habe ich die Verantwortung für ihn, und das nehme ich sehr ernst." Negative Erlebnisse hatte Rein noch nie während der Nachtschicht. Das schreibt er auch seiner Menschenkenntnis zu. Aber als Amor war er schon unterwegs. "Bitte fahr' mich zu meiner Freundin", hatte ein junger Mann gesagt. Allerdings gab er gleich kleinlaut zu, dass er kein Geld habe. Trotzdem zögerte Rein nicht, fuhr den jungen Mann durch die Nacht zu seiner Freundin. "Am nächsten Tag kam der junge Mann zum Taxistand und brachte mir das Geld." Manchmal muss man als Taxifahrer auch mal Psychologe sein. "Wenn ein Gast hier einsteigt, habe ich die Verantwortung für ihn, und das nehme ich sehr ernst." Taxifahrer Marian Rein