1. Saarland
  2. Neunkirchen

Pfarrer in Ruhestand Jochen Gabriel zeichnet Ostergottesdienste auf.

Ostergottesdienste aus Neunkirchen : Mutmachende Worte kommen online

Jochen Gabriel, Pfarrer in Ruhestand, zeichnet Ostergottesdienste in St. Josef auf und feiert mit der Gemeinde im Internet.

Ostern ist mit der Auferstehung Jesu das höchste Fest im christlichen Jahreskalender. Während der Ostertage zieht es die Gläubigen in die Gotteshäuser wie sonst nur zur Christmette an Weihnachten. Nicht so dieses Jahr. Die Ausgangsbeschränkungen wegen der Corona-Pandemie lassen es nicht zu. Dabei dürfte gerade älteren Christen die gemeinsame Feier jetzt gut tun. Pfarrer Jochen Gabriel, eigentlich schon geraume Zeit im Ruhestand, ist nach wie vor mit der Pfarrverwaltung der Gemeinde St. Josef/St. Johannes betraut. Er setzt in dieser Situation auf die modernen Medien und bietet online-Gottesdienste an (die SZ berichtete). „Seit dem 22. März haben wir die Gottesdienste im Netz“, sagt Gabriel. Und das bietet er auch über die Ostertage an. An Gründonnerstag um 19 Uhr, an Karfreitag um 15 Uhr, in der Osternacht am Samstag um 20 Uhr und Ostersonntag sowie -montag jeweils um 11 Uhr. Der erste Aufschlag habe sich schon etwas merkwürdig angefühlt, sagt der Seelsorger. Die Videokamera, die Organistin und er in der Kirche. Er sei auch zur Predigt vom Ambo aus dem Bild gelaufen. Ein Anfängerfehler. Die Feier wurde jeweils um 9 Uhr aufgenommen. Zwei Stunden später, um 11 Uhr, hatte ein Jugendleiter das Ganze dann auf der Website aufgespielt. Die Resonanz ist sehr positiv. Gabriel: „Ich bekomme viele Rückmeldungen und Danksagungen. Sogar aus der Pfalz und von der schwäbischen Alb.“ Die Menschen könnten natürlich auch die online-Gottesdienste aus dem Trierer Dom verfolgen. Aber jede Gemeinde pflege mit ihrem Seelsorger einen eigenen pastoralen Stil. „Der Gottesdienst vor Ort schenkt die Freiheit, Menschen, die man im Blick hat, zu spüren“, sagt der 66 Jahre alte Pfarrer in Rente. Man dürfe nicht auf Distanz gehen zu den Menschen. Eine Kritik an der Reform in der Kirche? Das will Gabriel so nicht verstanden sehen. Auch mit der Reform werde es wieder an den handelnden Personen liegen, die Verkündigung ernst zu nehmen. Auch das Charisma des Einzelnen sei gefragt. Wenn von seiner Seite Kritik käme, dann daran, ob die Kirche andere Denkansätze, Meinungen und Glaubenswege zulasse.

Über die Ostertage versorgt Pfarrer Gabriel seine Gemeinden nun mit Online-Gottesdiensten. Zum Auftakt hat er ihnen auch - ganz oldschool - einen Gemeindebrief geschickt. Darin heißt es: „Nicht wenigen wird es wie mir gehen, fühlen sich genauso in der jetzigen Situation eingesperrt, ängstlich und fragen sich, wie wird es weitergehen. Trifft mich diese Erkrankung, kann ich der Infektion widerstehen? Niemand hätte mit einer solchen gesellschaftsumfassenden Gefährdung gerechnet und auch ich muss gestehen, dass ich nach ersten Informationen vielleicht viel zu sorglos der jetzt eingetretenen Situation entgegengegangen bin.“ Er spricht weiter seinen eigenen Gesundheitszustand an und seine Vorerkrankungen, deren halber er zu der gefährdeten Gruppe von Menschen gehöre. Der Pfarrer schreibt weiter, die Ostertage seien für sein Leben ganz wesentlich, „weil ich an einen Christus glaube, der, egal was in meinem Leben auf mich zukommt, für mich der Lebensbegleiter schlechthin ist.“

Seit vergangenem Jahr gehört das Wegekreuz zu den Hinguckern am Spitzbubenweg bei Münchwies. Es war einst ein altes Grabkreuz. Foto: Foto: "Spitzbuben"/Mihm

Gabriel feiert den Gottesdienst in der Kirche St. Josef mit drei Helfern. Wenigstens online möchte er den Menschen die Angst nehmen in schwierigen Tagen. Denn mit der Angst, mit Lebensängsten sei man immer auf der Verliererseite.