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Steinwaldgymnasium Vorreiter im Saarland
Paulchen Panther und die Primzahlen

Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 5 a des Neunkircher Steinwald- Gymnasiums in einem der Mathematikräume ihrer Schule, der bereits fachgerecht umgestaltet wurde.
Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 5 a des Neunkircher Steinwald- Gymnasiums in einem der Mathematikräume ihrer Schule, der bereits fachgerecht umgestaltet wurde. FOTO: Jörg Jacobi
Neunkirchen. Im Neunkircher Gymnasium am Steinwald wurde saarlandweit erstmals das Fachraumkonzept eingeführt. Von Heike Jungmann

Goethe, Kleist und Kollegen haben die Schüler fest im Blick. Dramen spielen sich heute morgen keine ab, die Stimmung scheint gut zu sein im Deutschunterricht. Nach der großen Pause werden hier wieder andere Schüler Platz nehmen, denn in diesem Saal, den die Konterfeis deutscher Literaturikonen zieren, wird ausschließlich Deutsch unterrichtet. Das ist neu am Neunkircher Steinwaldgymnasium und saarlandweit einzigartig, wie Schulleiterin Karin Weiskircher-Hemmer erklärt. Das Neunkircher Gymnasium hat in diesem Jahr das „Fachraumkonzept“ umgesetzt und damit den lange gehegten Traum der Schulleiterin erfüllt. Dies bedeutet: Die Schülerinnen und Schüler haben nicht mehr ihren „eigenen“ Klassensaal, sondern gehen in den Raum, in dem tagtäglich Deutsch, Mathe, Latein oder Spanisch unterrichtet wird. Dieser ist dann im Idealfall nicht nur passend zum Fach ausgestaltet – etwa mit selbst gemalten Südamerika-Karten für den Spanisch-Unterricht oder einem rechnenden Paulchen Panther –  sondern auch mit den entsprechenden Lehrmaterialien wie Geodreieck oder Französisch-Dictionnaire im abschließbaren Materialschrank.



Die Vorteile des Fachraumkonzepts liegen für Weiskircher-Hemmer auf der Hand: Bessere Identifikation mit dem Fach, ein didaktisch wertvollerer Unterricht dank der fachbezogenen Ausstattung, spontane Einbeziehung von Materialien und Medien und vor allem ein besseres Unterrichtsklima durch das spezielle Ambiente des Raums.

Das können Daniel, Artur und ihre Mitschüler in der Klasse 5a nur bestätigen. Vor allem der rosarote Panther an der Wand neben den Primzahlen hat es ihnen angetan. Die Klasse hat gerade Mathe bei Lehrerin Tanja Wolf, zu deren Füßen Schulbegleithündin Lina liegt. Auch sie schätzt die kurzen Wege, dass die benötigten Materialien direkt an der Hand sind und nicht womöglich irgendwo herbeigeschafft werden müssen.

Ein paar Türen weiter unterrichtet gerade Christoph Weber einen Spanisch-Kurs, an der Seite hängen die Flaggen der Länder, in denen überall auf der Welt Spanisch gesprochen wird. „Wir lernen jetzt auch eher den Umgang mit Wörterbüchern“, sagt Shari, denn früher habe man die dicken Schinken erst in der Bibliothek holen müssen. Sowieso müsse man jetzt viel weniger Bücher schleppen, fügt Lara an. Grund dafür sind nicht nur die Fachräume, sondern ist auch die Tatsache, dass am Steinwaldgymnasium das Doppelstundenprinzip gilt. Alle Fächer werden in allen Klassenstufen in Doppelstunden unterrichtet. Die Abschaffung der Einzelstunden vor zwei Jahren sei die Voraussetzung dafür gewesen, das von der Schulkonferenz beschlossene Fachraumkonzept umsetzen zu können, erläutert der stellvertretende Schulleiter Sascha Schlicker. Ihm obliegt die Organisation der beiden Konzepte, keine leichte Rechenaufgabe.

„Von der Verwaltung her ist es sicher mehr Arbeit als vorher“, würdigt Karin Weiskircher-Hemmer den Aufwand ihres Stellvertreters. Aber das Prinzip der Doppelstunden – übrigens auch als Vorreiter im Saarland eingeführt – bringe ebenfalls entscheidende Vorteile. Flexiblere didaktische Möglichkeiten im Unterricht, gezielteres Lernen, da an einem Tag weniger Fächer unterrichtet werden, konzentrierteres Lernen im Unterricht, gezielte Förderung nach Leistungsstand und Wechsel der Unterrichtsform (nicht nur frontal) stehen da auf der Habenseite der Pädagogen. Und was sagen die Schüler dazu? Schülersprecher Paul Esser ist jedenfalls voll des Lobes. „Der Tag ist viel entspannter, und die Stunden werden kurzweiliger, weil sie nicht so zerrissen sind.“ Auch die Hausaufgaben würden von der Menge zwar nicht weniger, aber man müsse für den nächsten Tag nicht fünf verschiedene Fächer vorbereiten. Was vor allem jüngere Schüler zu schätzen wissen: Sie müssen keinen zentnerschweren Ranzen mehr schleppen.



Alles in allem viele einleuchtende Argumente pro Doppelstunden und Fachraumkonzept, betont Personalrat Matthias Querbach. Dank des Engagements von Lehrern und Schülern konnten schon etliche der 26 Klassensäle wunschgemäß umgestaltet und ausgestattet werden. Ein höheres Budget wäre natürlich wünschenswert, doch den größten Wunsch äußert Karin Weiskircher-Hemmer zum Abschied: „Wir brauchen dringend W-LAN!“