Zugfahrt ins Eheglück

Ottweiler/Schwarzerden. Wartende auf dem Bahnsteig. Eigentlich ein alltägliches Szenario. Doch etwas scheint an diesem Samstagmittag anders. Die Frauen elegant in Cocktailkleidern und Pumps, die Männer mit Anzug und Krawatte. Als eine Frau in Weiß erscheint und sich alle Welt nach ihr umdreht, wird schnell klar: Hier wartet man nicht in erster Linie auf den Zug

Ottweiler/Schwarzerden. Wartende auf dem Bahnsteig. Eigentlich ein alltägliches Szenario. Doch etwas scheint an diesem Samstagmittag anders. Die Frauen elegant in Cocktailkleidern und Pumps, die Männer mit Anzug und Krawatte. Als eine Frau in Weiß erscheint und sich alle Welt nach ihr umdreht, wird schnell klar: Hier wartet man nicht in erster Linie auf den Zug. Im Mittelpunkt stehen zwei, die auf einer "Fahrt ins Glück" zueinander "Ja" sagen wollen.Monika Mees (49) aus Wemmetsweiler und Engelbert Steinbach (52) aus Saarbrücken erfüllten sich ihren Traum: Sie ließen sich in der Ostertalbahn an der Haltestelle Wingertsweiher in Ottweiler trauen. Kennen und lieben lernten sich der Computeradministrator und die Sachbearbeiterin 2003 auf einer Party. Schnell entfalteten sie auch eine gemeinsame Leidenschaft: die Liebe zur Eisenbahn.

Vor fünf Jahren machte der Bräutigam einen Lokführer-Schnupperkurs beim Arbeitskreis Ostertalbahn, wurde schließlich mit seiner Braut Mitglied im Verein und machte die Ausbildung zum Lokführer. "Seither fahre ich von April bis Oktober zeitweilig den Zug", so Steinbach. Monika Mees, "das Mädchen für alles", wie sie sich selbst betitelt, ist seither gelegentlich in der Bahn im Service tätig.

Zug steht bei der Trauung

Kein Wunder, dass eine Hochzeit in der Eisenbahn geradezu standesgemäß erscheint. "Es war von Anfang an klar: Wenn wir einmal heiraten, dann im Zug. Wir waren beide schon einmal verheiratet, auch kirchlich. Daher musste jetzt was ganz Besonderes her", erklärt das Brautpaar. Dabei war eines zu beachten, wie Jürgen Mühlhoff, Geschäftsführer des Arbeitskreises Ostertalbahn, erklärt: "Der Zug muss während der Trauung stehen. Würde er den Stadtbereich Ottweiler verlassen, so wäre die Trauung ungültig." Mittlerweile hatten sich die 40 geladenen Gäste bereits ins festlich dekorierte Abteil, wo die Trauung stattfinden wird, begeben und auch die Standesbeamtin Brigitte Kreutz aus Ottweiler ist zugestiegen. Leise ertönen, wie vom Brautpaar gewünscht, die romantischen Klänge des Liedes "Halt mich fest" von Adoro aus den Lautsprechern der Bahn. Schließlich stellt die Standesbeamtin die entscheidende Frage. Als Antwort, zwei deutliche "Ja", die keinen Raum für Zweifel lassen. Beim nächsten Lied "Lass es Liebe sein", sind Monika und Engelbert bereits Mann und Frau. Mehrere romantische Küsse, lauter Applaus und feuchte Augen. "Ich wünsche euch Glück, Zufriedenheit und Harmonie", schließt Brigitte Kreutz die Trauung.

Familie und Freunde zeigen sich begeistert: "Wenn wir nicht schon 22 Jahre verheiratet wären, würden wir sofort auch so heiraten" bestätigen Barbara und Günter Steffgen, die Nachbarn des Brautpaars. "Wir passen von nebenan auf, dass das Ganze auch hält", so die beiden augenzwinkernd.

Und schon heißt es wieder: Alle einsteigen, denn nun beginnt die Fahrt ins Glück mit dem Hochzeits-Express. "Wir fahren bis nach Schwarzerden und wieder zurück nach Ottweiler. Das ist der erste Teil der Festlichkeiten, bei dem es während der Fahrt Kaffee und Kuchen gibt. Danach geht die Feier weiter im Alt-Steigershaus in Merchweiler", versprach Engelbert Steinbach und half seiner Braut in den Wagon der geliebten Eisenbahn.

AUF EINEN BLICK

Engelbert Steinbach (links) heiratete in der Ostertalbahn seine Monika (rechts am Fenster). Foto: Willi Hiegel

Die erste Trauung in der Ostertalbahn fand im Jahr 2006 statt. Monika und Engelbert Steinbach sind aber erst das zweite Paar, das sich in der Museumsbahn hat standesamtlich trauen lassen. Infos für Interessenten bei Jürgen Mühlhoff, Geschäftsführer des Arbeitskreises Ostertalbahn, Telefon (0 68 21) 50 19 30. bla