Zeit und Zuwendung schenken

Als ehrenamtlicher Mitarbeiter hilft Michel Gräß bei der Betreuung der Bewohner der Häuser im Eichenwäldchen in Ottweiler. Der Berufswunsch des Jugendlichen ist klar: Heilerziehungspfleger.

. Dass Michel Gräß Gutes tut, erkennen Beobachter, wenn sie in die Gesichter der beiden Frauen blicken, mit denen er am Tisch sitzt, malt und redet. Sie freuen sich über das Gespräch und die Aufmerksamkeit, die der Junge ihnen schenkt.

Michel Gräß ist ehrenamtlicher Mitarbeiter der Häuser im Eichenwäldchen in Ottweiler . Die Pressestelle des Verbandes hat nun über seine Tätigkeit informiert. In der Einrichtung des Schwesternverbandes leben erwachsene Menschen mit schwersten, auch mehrfachen Behinderungen und Pflegebedarf sowie Menschen mit stark herausforderndem Verhalten. Der 15-Jährige ist ehrenamtlich im Wohnbereich C3 tätig. Seine Mutter hat ihn vor zwei Jahren zum ersten Mal mit ins Eichenwäldchen genommen. Sie ist Heilerziehungspflegerin und zeigte dem Sohn ihren Arbeitsplatz. "Als ich zum ersten Mal hier war, hatte ich Angst vor den Menschen, die eine Behinderung hatten, weil sie sich anders verhalten; ich hab mich nicht mal getraut, alleine über den Flur zu gehen", erinnert sich Michel lachend. Heute ist das für ihn unvorstellbar, denn alle Berührungsängste sind verflogen. "Es macht mir einfach Spaß, mich mit den Menschen hier zu beschäftigen, sie zu fördern", erzählt er.

Mittlerweile arbeitet Michel Gräß regelmäßig in den Häusern im Eichenwäldchen - ehrenamtlich ohne Bezahlung, einfach, weil es ihm Freude bereitet. Hat er wegen der Schule wenig Zeit und ist nur sporadisch samstags oder mal an Feiertagen vor Ort, unterstützt er die hauptamtlichen Mitarbeiter in seinen Ferien fast täglich. In "seinem" Wohnbereich leben nur Frauen, etwa 45, in beschützender Unterbringung, viele sind pflegebedürftig. Aber es gibt auch einige sehr fitte Bewohner, mit denen er Zeit verbringt. "Ich gehe gerne mit ihnen spazieren, spiele Ball mit ihnen oder puzzle", erklärt er seine Aufgaben. "Ich versuche, jede Bewohnerin in der Zeit, die ich da bin, einmal zu besuchen und biete ihnen dann eine Beschäftigung an. Manchmal rede ich auch nur mit ihnen, wie sie eben Lust haben." Verständigungsprobleme habe er kaum, obwohl nur zwei der Frauen richtig sprechen können: "Viele können nicken, lachen oder klatschen, wenn sie sich freuen oder an etwas Spaß haben; und sie zeigen mir auch, wenn sie etwas nicht möchten."

Michel Gräß besucht die neunte Klasse der Maximilian-Kolbe-Schule in Wiebelskirchen. 2018 wird er den Realschulabschluss machen. Sein Berufswunsch steht bereits fest: zum Vorpraktikum an der Akademie, der Fachschule für Heilerziehungspflege des Schwesternverbandes, ist er quasi schon angemeldet. "Ich will lernen, wie man die Bewohner gezielt fördert, deren Leben bereichern kann", erklärt er seine Ambitionen für die vierjährige Ausbildung.

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