Workshop mit Aha-Erlebnis

Ottweiler. Zwanzig Erwachsene laufen durch den Raum, mal mit der Nase, mal mit der Schulter voran. Plötzlich ertönt der Ruf "Stopp". Alle bleiben stehen, springen in die Luft und rufen "Juhu!" Nächste Übung: in einem selbst gebauten Gefängnis aus Stühlen laufen die Teilnehmer herum und murmeln, jeder in seinem eigenen Rhythmus, ein Gedicht von Rainer Maria Rilke

Ottweiler. Zwanzig Erwachsene laufen durch den Raum, mal mit der Nase, mal mit der Schulter voran. Plötzlich ertönt der Ruf "Stopp". Alle bleiben stehen, springen in die Luft und rufen "Juhu!" Nächste Übung: in einem selbst gebauten Gefängnis aus Stühlen laufen die Teilnehmer herum und murmeln, jeder in seinem eigenen Rhythmus, ein Gedicht von Rainer Maria Rilke. So geschehen beim Lehrer-Workshop "Darstellendes Spiel als Unterrichtsfach" in Ottweiler. Die anwesenden Lehrer, Pädagogen, Erzieher und School-Worker aus dem ganzen Saarland haben alle mehr oder weniger viel mit Theater zu tun. Seit diesem Schuljahr müssen einige Darstellendes Spiel als Unterrichtsfach anbieten, obwohl sie nie eine Zusatzausbildung in dem Bereich genossen haben. Im Workshop erhoffen sie sich Inspirationen und Anleitungen von Theaterpädagogin Elke Kremer vom Saarbrücker Theater Überzwerg. Schon in der Vorstellungsrunde wird klar, vor welchen Problemen manche stehen. "Ich arbeite mit schwierigen, teilweise auch gewaltbereiten Kindern zusammen", sagt eine Teilnehmerin, "es wäre schon ein Anfang, wenn sie sich mal selbst spüren würden." Ein anderer will vielleicht mal ein solches Fach anbieten: "aber erst im nächsten Jahr. Vorher schaue ich mir das mal an."So vorsichtig war Horst Schichtel nicht. Am Keppler-Gymnasium in Lebach unterrichtet er Deutsch, Politik und Geschichte - und seit diesem Schuljahr eben auch Darstellendes Spiel. "Die haben im Kollegium rumgefragt, wer Interesse hat und da habe ich mich gemeldet", berichtet er. Doch Interesse allein reicht nicht aus, gibt Birgit Schommer zu bedenken. Seit fünf Jahren engagiert sie sich an der Theater AG am Hochwald Gymnasium in Wadern, doch mit den Anforderungen eines Unterrichtsfaches muss sie sich erst arrangieren. "Wir sind ja froh, dass es sowas gibt, es ist bloß alles zu schnell und chaotisch gegangen."In anderen Bundesländern gibt es das Unterrichtsfach DS schon seit Jahren. So zum Beispiel in Rheinland-Pfalz: Dort wird eine mehrjährige Ausbildung der Arbeit mit Schülern zu Grunde gelegt. Im Saarland ist dies nicht der Fall. Auch deswegen herrscht bei den Lehrern Verwirrung: Wie benotet man Schauspiel? Was kann man für die schriftliche Prüfung abfragen? Und wie geht man mit Schülern um, die am liebsten gleich "Romeo und Julia" spielen würden?"Gerade weil wir so unbedarft sind, ist jede Fortbildung voller Aha-Erlebnisse", sagt Birgit Schommer nach den praktischen Übungen am Vormittag. Die Arbeit macht ihr Spaß, inzwischen ist DS ihr Lieblingsfach geworden.Doch es bleibt der Druck mit den Noten. Und der Wunsch, dass in den nächsten Jahren an der Lehrer-Ausbildung noch etwas getan wird. Auch zum Wohle der Schüler. "Wir sind froh, dass es sowas gibt."Birgit Schommer zum neuen Unterrichtsfach