| 20:27 Uhr

So war noch nix
Vier Stunden Partytreiben und Kritisches von den Tollitäten

Riesengaudi bei der Kappensitzung der „So war noch nix 1847“ in Ottweiler. Ein prächtiges Bild geben die Garden ab, als sie Einzug ins Schlosstheater halten und exakt die Diagonale einhalten.
Riesengaudi bei der Kappensitzung der „So war noch nix 1847“ in Ottweiler. Ein prächtiges Bild geben die Garden ab, als sie Einzug ins Schlosstheater halten und exakt die Diagonale einhalten. FOTO: Andreas Engel
Ottweiler. „So war noch nix 1847 Ottweiler“ bot dem närrischen Volk eine riesige Fastnachtsshow mit tollen Tänzen und flotten Büttenreden.

Schlag auf Schlag reihte sich ein Programmpunkt an den nächsten. Eben erst nach einem Lied, bei dem alle im Saal mitgesungen haben, Platz genommen, reißt ein weiterer Schautanz die Massen erneut von den Stühlen. Der „So war noch nix 1847 Ottweiler“ startete am Samstag von Anfang an schwungvoll mit einer  mehr als vierstündigen Party ohne Pause durch.



Über 100 Aktive ausnahmslos  aus den Reihen des Karnevalsvereins  rockten Bühne und Schlosstheater gleichermaßen. Dabei überwältigte bereits der Einmarsch aller Darsteller das Publikum. Die Akteure zogen gemeinsam zwischen den Tischreihen ein, während Sitzungspräsident Thomas Jahn die Fastnachter mit „Jetzt geht’s los“ singend gleich zu Beginn das erste Mal von den Sitzen holte. Dieses Schauspiel, dass die Gäste lieber aufrecht feiern wollten, zeitweise sogar auf Tischen standen, sollte sich viele Mal an diesem Abend wiederholen.

Die eigentlich recht geräumige Bühne – sie stieß, was ihre Kapazitäten betrifft, an ihre Grenzen. Wenn beispielsweise die Prinzengarde mit ihrem Schautanz und 24 Tänzern die militärische Revolution unter anderem zum fetzigen Michael-Jackson-Sound übernahm. Eher unüblich beim „So war noch nix“, um zeitlich nicht aus dem Ruder zu geraten,  erstritt das stehende Publikum lauthals eine Zugabe. Oder wenn die mitgliederstarken Nachwuchsgarden ein imposantes Bild boten, herrschte gleichfalls Enge auf den Brettern. Schon bei der Generalprobe wenige Tage zuvor hatte sich gezeigt: Platzmangel auf der Bühne – ein Luxusproblem des Ottweiler Vereins.

Zwischen den zahlreichen Tänzen auch der Funkenmariechen standen Büttenreden. Darunter unter anderem die von Susanne und Andy Hinsberger, die im Vorjahr einen erfolgreichen Einstand hingelegt hatten. Sie zogen erneut Jubel und Applaus auf sich. Als Ehepaar wie im wahren Leben. Mit einem  teils musikalisch, teils als ironisches Streitgespräch präsentierten Kurzweil-Dialog.  Debütant am Rednerpult war diesmal Jannik Rosinus, der als weit gereister Pirat mit allerlei Seemannsgarn auftrat. Er ist zudem Sänger in der Vokalgruppe Plaschderschisser-Symphoniker, die es unter anderem mit bekannten Schlagern vermochte, die Leute mitgrölen zu lassen. Jannik verblüffte mit gekonnter Deutschrap-Einlage.

Stimmgewaltig bewies sich die Löffelgarde. Die Schutzmacht des Prinzen Karneval, die seit 1888 besteht, schmetterte ihr eigenes Lied durchs Theater. Der leicht zu merkende Refrain, zum närrischen Jubiläum im Vorjahr erstmals präsentiert, wurde in der Narrhalla lauthals mitgesungen. Bejubelt wurde das Prinzenpaar Marc II. und Prinzessin Ivonne I., das mit der auf Ottweiler Verhältniss umgetretene Kölsche Fanfare „Äämol Prinz zu sinn“ einmarschierte.



Das miteinander verheiratete Paar Ritterböck rückte verschrobene Projekte der Stadt in den Fokus seiner Tollitäten-Rede. So spotteten beide über die neue Fußgängerbrücke, die über den Bahnhof führt und den ältesten Stadtteil Neumünster mit dem Zentrum verbindet. Jedoch mehr schlecht als recht nach Ansicht der Blaublüter auf Zeit. Denn dieser  Koloss hat nun, anders als der altersschwache Vorgänger, statt einer Rollrampe endlos viele, steile Treppenstufen. Eine unüberwindbare Hürde für Radfahrer, Eltern mit Kinderwagen und für Gehbehinderte.

Die Kleinsten  hatten zuerst ihren großen Auftritt mit dem Schautanz um die gefräßige Raupe Nimmersatt. Ein stattliche Gruppe, die beständig an Nachwuchs zulegt. Die Schautanzgruppe der erst 2017 in den Stand einer ordentlichen Vereinsgarde erhobenen Musketiere ließ Teufel auftreten, und das Männerballett „Die Lumumbas“ ging mit der Titanic unter. Weg von altersschwachen Schunklern, hin zu moderner Partymusik: Dies ist das Rezept, mit dem die Playbackshow kurz vorm großen Finale noch einmal  die Massen toben ließ.