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Vernissage Ausstellung Ruhe in Mainzweiler
Ruhe, durch die Kameralinse entdeckt

Eines der Fotos aus der Ausstellung „Ruhe“ in Mainzweiler mit dem Titel „Ich sah im Abendrot“.
Eines der Fotos aus der Ausstellung „Ruhe“ in Mainzweiler mit dem Titel „Ich sah im Abendrot“. FOTO: Sarah Köhler
Mainzweiler. In der Alten Schule in Mainzweiler stellt die Künstlerin Sarah Köhler Fotos aus, die besondere Momente des Innehaltens zum Inhalt haben. Von Michael Beer

Mit der Ruhe war es zunächst einmal nicht so weit her. Es kamen schlichtweg zu viele interessierte Gäste zur Vernissage von Sarah Köhler in der Alten Schule Mainzweiler am Freitag. Um die 60 Menschen, darunter Ottweilers Bürgermeister Holger Schäfer, Ortsvorsteher Achim Wagmann und Landrat Sören Meng, drängten sich in dem gemütlichen Ausstellungsraum, plauderten miteinander und wollten dabei sein, wenn Köhler unter dem Titel „Ruhe“ ihre Fotografien dem Publikum vorstellt. So wurde es schnell laut. Erst Dirk Scherer sorgte mit einem Gitarrenstück für ein schnelles Abebben der Stimmen.


Die Foto-Künstlerin wirkte ob der vielen Menschen am Freitagabend zwischen ihren meist kleinformatigen Fotografien auch nicht gerade ruhig. Und stand bei ihrer Begrüßung auch dazu: „Wenn ich so in mich hineinfühle, schlägt mir das Herz gerade bis zum Hals.“ Es ist ja auch nicht Alltagsgeschäft einer Schoolworkerin und Entspannungstrainerin, einer solch großen Runde mit ihrem Schaffen gegenüberzutreten.

An ihrer Seite hatte sie aber Profis für solche Gelegenheiten. Ortsvorsteher Wagmann etwa stellte die Künstlerin mit der Ruhe des Kommunalpolitikers vor. Von schönen Kunstwerken sprach er, die praktisch Ruhe ausströmten. Landrat Meng erzählte in seiner Rede vor dem Hintergrund eines immer hektischeren Digital-Lebens, wie er auf einer Beerdigung mit einer ungarischen Volksweise aus dem Smartphone beglückt wurde und die Besitzerin schimpfte, weil sie den Klingelton nicht schnell stoppen konnte. Von Ruhe und innerer Einkehr vor dem Hintergrund einer Trauerfeier war in diesem Moment auch keine Spur. Kunst könne ein Ventil sein, sagte Meng. Die Ausstellung lade dazu ein, das Innehalten zu genießen. Und er freue sich besonders, eine Mitarbeiterin seiner Verwaltung wie bereits andere zuvor, etwa den lange verstorbenen Kurt Winkler, als Kunstschaffenden kennenzulernen.



Es sei ihr nicht ganz leicht gefallen, mit ihren Arbeiten vor die Öffentlichkeit zu treten, sagte Sarah Köhler. Aber sie habe viel Bestätigung erhalten. Das Gefühl, bei sich selbst anzukommen, sei ihr wichtig. Und natürlich habe auch ihre Ausbildung zur Entspannungspägagogik seinen Teil dazu beigetragen, dass sie unter dem Motto „Ruhe“ ihre Fotos präsentiert. Die zeigen vorwiegend Naturaufnahmen. Gräser über Wasser im stimmungsvollen Licht, ein sonnendurchflutetes Baumtor, Lichtstrahlen durch dichte Wolken, oder auch eine regennasse Straße, die sich zum Horizont windet. Bis die Gäste der Vernissage dazu kommen, sich mit Köhlers Blick auf die Welt auseinanderzusetzen, braucht es bei den vielen Gesprächen untereinander etwas Zeit. Aber nach und nach stehen Leute still vor den Aufnahme. Und folgen Köhlers Blick auf die Ruhe, die es überall zu sehen und zu fühlen gibt - wenn man dafür offen ist.

Die Austellung „Ruhe“ mit Fotografien von Sarah Köhler ist bis Sonntag, 14. Oktober, zu sehen. Jeweils sonntags von 15 Uhr bis 18 Uhr in der Alten Schule Mainzweiler.