Uwe Hartmann geht für die AfD ins Rennen um Amt des Bürgermeisters in Ottweiler

Bürgermeister-Kandidat : Vollzugsbeamter setzt auf mehr Sicherheit

Uwe Hartmann (52) geht für die Alternative für Deutschland in Ottweiler ins Rennen um das Spitzenamt im Rathaus.

Wie ist das, wenn man als Bürgermeisterkandidat unter dem Banner der AfD segelt? Einer Partei, die der Verfassungsschutz im Auge hat wegen des Verdachts des Rechtsextremismus? „Wahrscheinlich ähnlich, wie wenn man für die CDU antritt“, sagt Uwe Hartmann. Es störe ihn nicht, wenn der Verfassungsschutz aktiv werde. Denn der sei eine gute Einrichtung. Radikale Strömungen wolle er selbst auch nicht unterstützen. „Die meisten Leute haben ein Bild von der AfD, wie es in den Medien verkauft wird“, findet der Kreisvorsitzende. Es sei nicht jeder ein Björn Höcke in der Partei. Und er selbst kein Fan des Rechtsauslegers. Mit der öffentlich umstrittenen saarländischen Parteispitze habe er indes kein Problem.

Hartmann hat seine kommunalpolitische Karriere nicht bei der Alternative für Deutschland begonnen. Der politische Späteinsteiger erläutert: „Bis 2015, vielleicht zwei Jahre lang, war ich Mitglied der Grünen.“ Aber deren Politik habe ihm dann doch nicht gefallen. Wegen seiner zwei Söhne wollte er gesellschaftliche Prozesse aktiv mitgestalten. Und ging in die AfD. Hartmann: „Ich stehe dazu. Es gibt keine Partei, bei der man sich zu 100 Prozent wiederfindet.“ Der Kandidat beschreibt sich selbst als Mann der Mitte. Das sehe er immer, wenn er im Netz politische Tests mache. Die verorteten ihn in der Mitte oder auch etwas links davon. „In erster Linie bin ich Demokrat. Ich kann mit der Meinung der CDU leben, ich kann mit der Meinung der Linken leben.“ Die Mehrheit der Wähler entscheide. Extremismus lehne er ab. Die Linie seiner Partei trage er mit.

Zum spezifischen AfD-Thema Ausländer: In seinem Job im Jugendstrafvollzug bilde er auch drei Ausländer aus, sagt Hartmann. Er schaue als Ausbilder darauf, wer Fortschritte mache und wer nicht. Ausländer stellten zudem in Ottweiler kein Problem dar, in Neunkirchen dagegen seien es zu viele. Hartmann unterscheidet, was Asyl und Zuwanderung betrifft. Das Asylrecht wolle er nicht antasten. Ein Einwanderungssystem, eine gängige Verfahrensweise wie in anderen Ländern, sollte es indes auch in Deutschland geben.

In Ottweiler habe der amtierende Bürgermeister Holger Schäfer „im Rahmen seines Budgets nicht viel falsch gemacht“, sagt der Herausforderer. Die Verkehrsführung sei ein Knackpunkt, die Altstadt solle als schöne Fußgängerzone erhalten bleiben. Industrie sei in Ottweiler nicht möglich, die Stadt müsse stärker auf Tourismus setzen. Die B 41 hätte Hartmann gerne aus der Stadt raus. Die alte Idee der West-Umgehung bringt er ins Spiel, allerdings müsse ein solches Projekt in Relation zu den Kosten betrachtet werden. Wichtig ist ihm das Thema

Sicherheit. Es gebe vor Ort kaum Polizeipräsenz. Und wenn er über die öffentliche Ordnung rede, beziehe sich das nicht speziell auf Ausländer. Das gelte auch für jeden, der sich nach zehn Bier noch ins Auto setze. „Damit habe ich ein Problem“, sagt Hartmann.

Die AfD sieht er im kommenden Ottweiler Stadtrat. Er selbst steht auf Platz drei der Liste. Mehr als das Kommunale interessiere ihn die Landespolitik. Für den Fall des Einzugs in den Stadtrat kündigt Hartmann eine konstruktive Zusammenarbeit an: „Wenn der Rat positive Dinge für die Bürger beschließt, stimmen wir mit.“ Zu seinen Chancen auf den Bürgermeister-Posten sagt er: „Ich bin Realist.“ Niemand erwarte, dass er es in eine Stichwahl schaffe. Aber man könne sich nicht immer auf die Oppositionsrolle zurückziehen. Seine Messlatte sei das Abschneiden der SPD.

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