Theaterstück schockt Lehrer

Wenn auf der Bühne gefachsimpelt wird, in welcher Reihenfolge Entführungsopfern Körperteile abgetrennt werden, bleibt die Frage ob das kindgerecht ist. Die Überzwerge lösten gestern in der Lehrerschaft Kritik aus.

. Die Lehrer der Grundschulklassen, die am Dienstag im Rahmen des Ottweiler Theaterfestivals Spielstark im Schlosstheater zu Gast waren, werden mit den Kindern mehr zu besprechen haben als gedacht. Gezeigt wurde vom Saarbrücker Theater Überzwerg (zusammen mit der Stadt auch Veranstalter) "Rico, Oskar und die Tieferschatten", das auf dem Buch von Andreas Steinhöfel basiert. Auf der Bühne standen Nicolas Bertholet, Eva Coenen, Sabine Merziger und Reinhold Rolser.

"Rico, Oskar und die Tieferschatten", das klingt nach Freundschaft und Abenteuer und davon hielt die Geschichte auch einiges bereit: Hauptfigur Rico ist, wie er selbst sagt "tiefbegabt" - er braucht zum Denken etwas länger und hat Schwierigkeiten, sich Dinge zu merken. Im Gegensatz dazu steht der hochbegabte Oskar, der über alles Mögliche und Unmögliche bescheid weiß, der deshalb allerdings auch weniger fröhlich ist als Rico und sich ständig fürchtet. Allen Unterschieden zum Trotz freunden die beiden sich an und ermitteln (zuerst getrennt, schließlich gemeinsam) in einer Verbrechensreihe. Eine schöne Idee - doch wirkte das Verbrechen, Kindesentführung, in einem humorvollen Stück für Kinder ab acht Jahren irgendwie fehl am Platz. Und die Details irritierten weiter - so die Schilderung, in welcher Reihenfolge Entführer ihren Opfern Körperteile abtrennten, wenn Eltern nicht schnell genug Lösegeld zahlten. Nicht klar wurde auch, zu welchem Zweck "nackte Brüste", "Hängemöpse" und des Nachbarn Hefte mit nackten Frauen Thema waren. Falls ein offener Umgang mit Sexualität (für Achtjährige?) das Ziel war, hat man Sexualität offenbar mit Sexismus verwechselt. Warum Ricos Mutter ihre Brüste als ihr Kapital bezeichnet - zumindest das dürfte den Kindern einer Generation, in der Mamas arbeiten, glücklicherweise verborgen geblieben sein. In den Sitzreihen der Lehrer reagierte man mit Kopfschütteln.

Abseits solcher Irritationen war die an sich schöne Handlung für Kinder wohl schwer nachvollziehbar, unter anderem wegen des recht komplizierten Handlungsstrangs, weil die Geschichte örtlich (Kiez, Tempelberg?) wie zeitlich (Miss Marple, Pornohefte?) entrückt schien und weil Rico von zwei bis vier Personen gleichzeitig gespielt wurde. Hier und da wurden dann "Ricos" abgezweigt, um in Nebenrollen zu schlüpfen. Den Kindern blieben zum Lachen ein paar situationskomische Momente wie ein Stolperer und falsch verstandene Szenen. So sorgte der Entführer mit seinem roten Mantel und seinem weißen Wäschesack bei jedem Auftritt für Lachen und begeisterte Rufe nach dem Nikolaus.

Nicht dem Alter angemessen sei das Stück gewesen, sagte im Anschluss eine Lehrerin einer Merchweiler Schule. Eine andere Lehrerin war der Meinung, gewisse Themen könnten an Grundschulkinder bestenfalls auf andere Weise herangetragen werden.